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Sonntagsblatt 20/ vom

Kann man die Taufe ungültig erklären?

Eltern des Patenkindes: »Taufe hat keine Gültigkeit mehr«


Vor Jahren bat mich mein Neffe inständig, bei seiner Tochter die Patenschaft zu übernehmen. Nach anfänglichem Zögern, ich war schon 50 Jahre alt, kam ich seinem Bitten nach und willigte mit Freuden ein. Vor einiger Zeit allerdings landete das Elternpaar mit Kindern in einer Freikirche. Die Eltern ließen sich nochmals taufen und leben jetzt ihren Glauben ganz extrem. Fernsehen, Zeitungen, weltliche Gespräche, das alles gibt es nicht mehr...

In einem Gespräch musste ich hören, dass die Taufe meines Patenkindes für die Eltern keine Gültigkeit mehr habe; sie sei lediglich eine »Besprengung« gewesen. Ich dürfe meinem Patenkind nicht von der Taufe erzählen, brauche ihm nichts mehr zu schenken und solle am besten jeden Kontakt vermeiden.

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Die ganze Situation belastet mich sehr. Alles vergessen? Das kann ich nicht. Zum diesjährigen Tauftag meines Patenkindes habe ich wieder eine Karte geschickt, aber ganz belanglos. Eine Antwort kam nicht.

Ich wurde anscheinend als Patin meines Amtes enthoben. Aber kann man denn die Taufe für ungültig erklären? Ich komme überhaupt nicht mit der Situation zurecht und habe schon viel geweint.

Frau B.

Ich kann Ihren Schmerz gut verstehen. Zu aller menschlichen Enttäuschung kommt noch die geistliche Erfahrung, gleichsam verstoßen zu werden. Umso wichtiger scheint mir, dass Sie bei aller Enttäuschung nicht an sich selbst und nicht an unserem Gott irre werden.

Kann man eine Taufe für ungültig erklären, fragen Sie. Die Antwort ist ganz eindeutig: nein.

Auch ein Austritt oder ein Übertritt kann die Taufe nicht rückgängig machen. Der Taufbund, die Zusage Gottes: Du bist mein liebes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe, bleibt bestehen, bleibt gültig.

Natürlich wird Ihr Patenamt sehr erschwert, wenn es die Eltern nicht zulassen. Die Kontakte zu Ihrem Patenkind werden erschwert, eine Mitverantwortung für eine christliche Erziehung ist nicht möglich. Aber immer, immer können Sie dieses Amt so ausüben, dass Sie für Ihr Patenkind beten. Zum Beispiel so (nach Manfred Seitz):

Herr, ich bitte dich, behüte mein Patenkind vor den vielen Gefahren der Welt, in die es hineingeboren ist.

Sei mit ihm in den verschiedenen Stufen der Entwicklung.

Lass es aufwachsen in der notwendigen Freiheit und Geborgenheit.

Lass es an Leib, Seele und Geist sich entfalten, führe es zum wahren Glauben und gründe du auch mich in deinem Wort.

Amen

So oder so ähnlich. Es wären Worte, mit denen Sie Ihr Patenkind Gott anvertrauen und mit denen Sie auch selbst immer wieder zum Frieden und zum Vertrauen finden.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

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Waldemar Pisarski

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