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Sonntagsblatt 37/ vom

»Wir wollen Jesus feiern«

Mehr als 20000 Teilnehmer beim Bochumer Gospelkirchentag


Mit den »Gospel Messengers« aus München und der Kulmbacher Formation »White Gospel Movement« schafften es zwei bayerische Gruppen bis in die Endrunde der größten europäischen Gospel-Veranstaltung. Den erstmals verliehenen deutschen »Gospel-Award« erhielt indessen eine Hessin: die aus der Karibik stammende Felicia Taylor.

Unter dem stolzen Blick von Ehemann Derek: Die Gewinnerin des »Gospel-Awards 2004« heißt Felicia Taylor.
Foto: Hoeffchen
   Unter dem stolzen Blick von Ehemann Derek: Die Gewinnerin des »Gospel-Awards 2004« heißt Felicia Taylor.

Sonst heißt es vor Großveranstaltungen: Handys aus! Beim 2. Gospelkirchentag in Bochum, an dem am vergangenen Wochenende mehr als 20000 Menschen teilnahmen, waren am Samstagabend in der RuhrCongress-Halle die kleinen Mobiltelefone ausdrücklich erwünscht. Per Handy-Voting, also Abstimmung über SMS, ermittelte das Publikum nämlich den Gewinner des erstmals verliehenen »Gospel-Award« für die beste Präsentation eines Gospelstücks in Deutschland.

Nach Minuten des fieberhaften Tastendrückens und Auswertens stand fest: Preisträgerin der mit 5000 Euro dotierten Auszeichung ist Felicia Taylor aus Dietzenbach. Die aus Barbados gebürtige Sängerin setzte sich mit ihrem gefühlvoll-getragenen Lied »Celebration« im traditionellen Stil à la Mahalia Jackson gegen fünf weitere Interpretinnen und Chöre durch, - unter anderen gegen die »Gospel Messengers« aus München sowie die »White Gospel Movement« aus Kulmbach.

Die weiteren Interpreten der Endrunde: Betty Heller aus Gelsenkirchen, »His Voice« aus Aachen und der »Groove Chor« aus Hamburg. Zuvor hatte eine Jury aus 289 Bewerbungen die sechs Finalisten ausgesucht. Zur Jury gehörten unter anderen die Schauspielerin Susanne Uhlen, TV-Moderator Mola Adebisi, »Deutschland sucht den Superstar«-Gesangstrainerin Deborah Woodson, der Musikproduzent Dieter Falk sowie Kirchenmusikdirektor Matthias Nagel von der westfälischen Kirche. Der Gospel-Award ist ein gemeinsames Projekt der Fernsehbeauftragten von evangelischer und katholischer Kirche in Deutschland, der TV-Produktionsfirma Neusehland, des evangelikalen Hilfswerks World Vision, des Fernsehsenders RTL sowie weiterer Partner.

White Gospel Movement, der Gospel-Chor der evangelischen Jugend Kulmbach, war unter den sechs Finalisten des Wettbewerbs.
Foto: Hoeffchen
   White Gospel Movement, der Gospel-Chor der evangelischen Jugend Kulmbach, war unter den sechs Finalisten des Wettbewerbs.

Vor der Preisverleihung hatte die Gruppe »Gospelsterne« aus München für die musikalische Aufwärmphase gesorgt.

Insgesamt präsentierten beim 2. Gospelkirchentag 68 Chöre aus ganz Deutschland mit mehr als 2500 angemeldeten Dauerteilnehmerinnen und -teilnehmern das stimmgewaltige Gotteslob auf mehreren Bühnen sowie im Veranstaltungszentrum RuhrCongress. Dabei wehte echte Kirchentagsatmosphäre durch Fußgängerzonen und Straßenbahnen der Ruhrgebietsstadt.

Zu Weihnachten bei RTL im Fernsehen

Schon zum Auftakt am Freitagabend in der Innenstadt erlebten bei schönstem Sommerwetter schätzungsweise 8000 Menschen Chöre wie »LivinGospel« aus Troisdorf oder den »Grenoble Gospel Choir« aus Frankreich. »Unsere großen Erwartungen wurden noch übertroffen«, resümierte sichtlich begeistert Doris Damke, Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche von Westfalen und Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses zum Gospelkirchentag. Die westfälische Kirche tritt gemeinsam mit lippischer und rheinischer Landeskirche als Veranstalter des Glaubensfestes auf. »Damit können wir unseren Gospelkirchentag getrost als größtes Gospelereignis in Europa bezeichnen«, so Doris Damke.

Am Samstag und Sonntag feilten die Teilnehmer in Workshops und Seminaren weiter an ihrem Können, wurden von internationalen Spitzenstars unterrichtet und bereiteten sich auf das große Finale vor: Im Gottesdienst am Sonntagnachmittag im RuhrCongress traten alle 2500 Teilnehmer als geschlossener Chor auf. Mal lautstark, mal extrem gefühlvoll, aber immer klar im Bekenntnis: »Hier geht es nicht um Unterhaltung«, sagte der Norweger Tore W. Aas, einer der ganz Großen der europäischen Gospelszene, »wir wollen Jesus Christus feiern.« Die Verleihung des Gospel-Awards wurde aufgezeichnet und wird vom Fernsehsender RTL an Heiligabend ausgestrahlt.

Gerd-Matthias Hoeffchen