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Sonntagsblatt 01/ vom

Evangelische Fragen zum Dreikönigsfest

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Als in der Wolle gefärbte Protestantin wende ich mich mit der Frage an Sie, die mich in dieser Festzeit umtreibt. Unsere katholische Nachbargemeinde macht viel Tamtam um das Dreikönigsfest. Es gibt Messen, es gibt ein Konzert, es gibt andere Veranstaltungen.

Dann gibt es die Sternsinger. Sie gehen von Haus zu Haus. Mit ihrer Bitte um eine Gabe kann ich mich ja noch abfinden. Aber dann fragen sie, ob sie ihr C + M + B an meine Haustür schreiben dürfen. Natürlich weiß ich, dass damit nicht die Initialen der drei Könige gemeint sind, sondern die Abkürzung des Haussegens »Christus mansionem benedicat«, Christus möge dieses Haus segnen.

Dennoch bin ich an dieser Stelle sehr verlegen und weiß nicht so recht weiter. Meines Wissen ist ja das Ganze ziemlich unevangelisch. Die so genannten Heiligen Drei Könige sind unevangelisch, das Fest ist unevangelisch und die Sternsinger sicherlich doch auch. Können Sie mich hier näher aufklären und mir einen Tipp geben, wie ich mich verhalten soll?

Frau L.

Zunächst zum Woher. Nach dem Matthäusevangelium (2,1-12) kommen die »Weisen aus dem Morgenland«, um dem neugeborenen »König der Juden« zu huldigen. Sie schenken ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Schon bald stellt man sich unter dem Einfluss alttestamentlicher Weissagungen (z.B. Psalm 68,30) die Besucher als Könige vor. Von der Zahl der Geschenke her nimmt man an, es seien drei gewesen.

Im sechsten Jahrhundert tauchen auf einem Mosaik in Ravenna zum ersten Mal ihre (angeblichen) Namen auf, Caspar, Melchior und Balthasar. Künstler sehen in ihnen die Vertreter der drei Lebensalter oder auch der drei damals bekannten Weltteile, Europa, Afrika und Asien.

Der Brauch des »Heilig-Drei-König-Gehens« ist in Bayern etwa 450 Jahre alt. Die Bezeichnung »Sternsinger« taucht zum ersten Mal auf einer Rechnung des Klosters Schlehdorf am Kochelsee auf.

Unevangelisch? Im Zentrum der weihnachtlichen Festzeit steht die Geburt Christi. Die Heiligen Drei Könige sind Randfiguren. Das Dreikönigsfest und seine Geschichte gehören zum Brauchtum, zur Volksfrömmigkeit. In der Mitte steht eine alte Legende, die im Lauf der Jahrhunderte immer mehr ausgestaltet wurde. Freilich: Auch Randfiguren können etwas Liebenswürdiges haben, Brauchtum und Volksfrömmigkeit haben ihren Charme. Auch wenn sie von evangelischer Seite meist mit einer großen Portion Skepsis (verbunden mit einer kleinen Portion Neid) betrachtet werden.

Ich selbst freue mich immer, wenn die Sternsinger bei uns klingeln. Ich freue mich, wenn sie ihr C + M + B an unsere Tür schreiben. Wenn ich nach Hause komme, sehe ich die Buchstaben und weiß, dieses Haus ist gesegnet worden. Kann das unevangelisch sein?

Einen Tipp für Ihr Verhalten kann ich Ihnen nicht geben. Ginge es mir so wie Ihnen, würde ich das wohl sagen: dass ich für den guten Zweck gern etwas gebe, dass ich aber mit dem Angebot der Inschrift Schwierigkeiten habe und es nicht annehmen möchte.

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Barbara Hauck

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Waldemar Pisarski

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