Sonntagsblatt Archiv

Sonntagsblatt 33/ vom

Kein Kirchenstaat

Stammzellen: Warum für die FDP wirtschaftliche Aspekte mehr zählen als ethische Argumente

Von Helmut Frank

Seit der Bundestagswahlkampf in seine heiße Phase eingetreten ist, profilieren sich die Parteien gerne auch einmal auf Kosten ihrer potentiellen Koalitionspartner. So könnte man den aktuellen Vorstoß der FDP für eine Lockerung des Stammzellengesetzes in Deutschland verstehen. Im Falle eines Regierungswechsels will sich die FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Union vehement dafür einsetzen.

Offenbar steckt aber doch etwas mehr hinter dem Vorhaben: »Das ist ein Symbolthema für uns«, sagte die forschungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach. Darüber hinaus müsse das Klonen zu Forschungszwecken zugelassen werden. Bislang ist jegliches Klonen in Deutschland verboten, weil dafür Embryos getötet werden müssen. Bereits Ende August will die FDP deshalb einen Entwurf für die Zulassung des Forschungsklonens vorlegen.

Für die FDP zählen dabei vor allem wirtschaftliche Argumente: Die Wissenschaft sei durch das Stammzellgesetz zu stark eingeschränkt, sagte Flach. Ohne Lockerung werde Deutschland von seinem Spitzenplatz in der Stammzellforschung auf einen mittleren Rang abfallen oder ganz abgehängt werden.

Ethische Bedenken hat Frau Flach nicht, Einwände der Kirchen will sie nicht berücksichtigen. »Wir leben nicht in einem Kirchenstaat«, sagte sie. Die Kirchen bestimmten nicht die Politik des Landes.

Diesen Anspruch haben die Kirchen allerdings auch nie gestellt. Eher ist es doch so, dass kirchliche Voten in den Ethikräten eine Minderheitenposition darstellen. Was freilich keinen Christen von seiner Pflicht entbindet, für den Schutz des Lebens von Beginn an und die Würde des Menschen einzutreten.

Die Kirchen werden deshalb daran festhalten, dass menschliches Leben von Anfang an vom Staat umfassend zu schützen sei. Sie können nicht zulassen, dass die Tür für eine verbrauchende Embryonenforschung noch weiter geöffnet wird. Embryonale Stammzellen dürfen nicht wie eine Ware behandelt werden. Wer wie die FDP den Stammzellen-Import zulassen will, sieht menschliche Embryonen als Rohstoff für Forschungs- und Wirtschaftsinteressen.

Für die CDU, die das »C« im Namen führt, dürfte die FDP mit diesen Positionen nicht koalitionsfähig sein. Nicht wegen ihrer antikirchlichen Polemik, sondern um des Lebensschutzes willen.