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Sonntagsblatt 07/ vom

Konzentration geht zum Teufel

Sonntagsblatt-Sprechstunde


»Musikalische 'Überfälle' während des Abendmahls stören meine Andacht. Was kann ich tun?«

Vermutlich ist mein Problem für andere Christen gar keines, aber für mich ist es schwerwiegend. Es geht um meine Teilnahme am Abendmahl.

Ich habe ein großes Bedürfnis danach, aber immer wieder kommt es bei uns, vor allem an besonderen Festtagen, zu folgender Situation: Wir stehen im Kreis um den Altar, die Pfarrer und deren Helferinnen beginnen mit der Austeilung, und kurz darauf wird die Stille unterbrochen: Der Posaunenchor spielt auf, und meine Konzentration ist »zum Teufel« (so empfinde ich es wirklich!).

Ich habe schon versucht, mir unauffällig die Ohren zuzuhalten. Ich habe versucht, aus der Gruppe zurückzutreten in der Hoffnung, mit der nächsten ungestört das Abendmahl feiern zu können, aber meist kommen die musikalischen Überfälle zu plötzlich. Ich habe darüber mit dem Chor gesprochen und wenig Verständnis geerntet. Was kann ich tun?

Ich füge hinzu, dass es mich nicht stört, wenn die Gemeinde während der Austeilung einen Choral singt oder wenn die Orgel ruhig spielt, wenngleich mir in der Stille am wohlsten wäre.

Frau U.

Es gibt immer zwei Möglichkeiten: Sie können die Situation ändern oder aber sich selbst ändern.

Zur ersten Möglichkeit: Besprechen Sie doch bitte das Problem mit Ihrem Pfarrer und sehen, inwieweit Sie bei ihm auf Verständnis stoßen. Mit dem Pfarrer, denn ihm obliegt die Leitung des Gottesdienstes. Vielleicht ergibt sich dabei ein Kompromiss. Sie deuten ja selbst an, dass Sie der Gemeindegesang oder eine ruhige Orgel nicht so sehr stören.

Ein Kompromiss wäre schon etwas, weil ja die Bedürfnisse an dieser Stelle sehr unterschiedlich sind. Was Sie stört, mag vielen anderen gefallen.

Sollte dieses Gespräch zu keinem Ergebnis führen, bleibt Möglichkeit zwei.

Das könnte so aussehen, dass Sie sich auf den »musikalischen Überfall« innerlich vorbereiten. Ehe Sie nach vorne zum Altar gehen, machen Sie sich bewusst, dass Ihre Aufmerksamkeit jetzt wohl ganz schön auf die Probe gestellt werden wird. Und dann nehmen Sie sich vor: »Ganz gleich, was passiert, ich will bei mir und meiner Andacht bleiben, ich lasse nicht zu, dass meine Konzentration 'zum Teufel' geht.«

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine solche Selbstermutigung gelingt. Sicher nicht sofort und beim ersten Mal, aber mit ein bisschen Übung gelingt sie immer besser. Und der Teufel sollte doch schon gar nicht Nutznießer Ihrer Empfindungen sein. Der doch bestimmt nicht! - Vielleicht haben Sie Lust und berichten nach einiger Zeit einmal, was Sie erlebt haben, und wie es Ihnen ergangen ist.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Hauptstr. 67, 82327 Tutzing.

Waldemar Pisarski

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