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Sonntagsblatt 52/ vom

Sagen Sie mal, Zeus...

Interviews mit Personen der Bibel (201)


Warum das Leben auf der Erde spielt und nicht im Götterhimmel

Zeus und Hera - oder: »Jupiter und Juno«, ein Gemälde von Annibale Carracci (1560-1609).
Foto: sob
   Zeus und Hera - oder: »Jupiter und Juno«, ein Gemälde von Annibale Carracci (1560-1609).

  ...finden Sie es nicht reichlich anmaßend, mich zu diesem Interview zu drängen? Erstens kommen Sie in der Bibel nur an einer eher unbedeutenden Stelle vor. Und zweitens geht es uns im Sonntagsblatt um den wahren Gott - jenen, der sich durch die Propheten offenbart und der in Gestalt seines Sohnes Jesus Christus in die Welt gekommen ist!

Zeus: Um so dankbarer bin ich, dass Sie sich trotzdem mit mir treffen.

  Ich hoffe, Sie rauben mir nicht unnötig Zeit. Vor Weihnachten ist auch mein Terminkalender übervoll.

Zeus: Den Weihnachtsstress könnten Sie sich ersparen, wenn Sie die Religion wechseln würden. Ich denke, dieses Treffen könnte sehr lukrativ für Sie sein. Ich möchte Ihnen anbieten, für uns tätig zu werden. In meiner Götterwelt gibt es ein schier unerschöpfliches Reservoir spannendster Göttergestalten, die allesamt zum Interview mit Ihnen bereit stehen. Meine Eltern Kronos und Rhea. Aphrodite. Appollon. Hermes. Dionysos und der Liebesgott Amor. Ich verspreche Ihnen: Die Mitglieder meines Olymps würden Ihnen sogar bislang geheim gehaltene Details mitteilen. Was Sie schon immer über das Leben im Götterhimmel wissen wollten - wir sagen es Ihnen.

  Nein, danke.

Zeus: Ohne nachzudenken, lehnen Sie mein Angebot ab?

  Ja. Wie kommen Sie nur darauf, dass ich die Seiten wechseln könnte?

Zeus: Ich habe mal nachgezählt, Sie haben schon 200 Interviews mit Menschen der Bibel geführt für diese christliche Zeitung in der bavarischen Provinz. Ihnen gehen sicherlich bald die Interviewpartner aus.

  Da täuschen Sie sich aber gewaltig. Wissen Sie, dass in der Bibel mehr als 3400 Menschen namentlich genannt werden?

Zeus: Aber nur ein Gott. Wie langweilig.

  Gott sei Dank! Wie gut, dass der auch noch pressescheu ist und mittlerweile jede Anfrage schon von seinem Vorzimmer abschmettern lässt. Gott teilt sich auf andere Weise mit. Deshalb die Frage an Sie: Was könnten Sie und Ihre himmlische Götter-Crew unseren Leserinnen und Lesern schon groß erzählen?

Zeus: Von Eifersucht und Intrigen, Liebe und Tod, auch Sex and Crime gehörten bei uns alten Griechengöttern zum Tagesgeschäft. Das ist filmreifer Stoff! Viel, viel abwechslungsreicher als Ihre »bib­lischen Gestalten«.

  Mag sein. Aber nicht wahrer. Ich schreibe lieber über echte Menschen als über sich selbst überschätzende Möchtegern-Götter, die nur in vergangenen Helden-Sagen schwelgen. Das Leben spielt hier und auf der Erde, nicht damals und im Götterhimmel.

Zeus: Ach kommen Sie, Herr Birnstein. Seien Sie nicht so eingefahren. Informieren Sie sich erst mal bei uns, legen Sie Ihre Vorurteile ab.

  Da muss ich nichts überlegen. Ich glaube, Ihr Angebot ist ein letzter verzweifelter Versuch, vergangene Zeiten wieder zu erwecken. Das kann nicht gelingen. Gibt es Ihnen denn gar nicht zu denken, dass ein unschuldiges Kind, geboren in einem Stall, Sie als obersten »Gott« vom Olymp stoßen konnte? Und mit Ihnen Jupiter, Juno, Diana und all die anderen? Was für ein Abstieg! Ihren Schmerz darüber werden Sie nur los, wenn Sie sich diese Niederlage eingestehen und nicht krampfhaft an vergangenen Tagen festhalten. Lassen Sie los, Zeus! Und anerkennen Sie, dass die in der Bibel erzählten Geschichten spannender sind als die aus Ihrer Sagenwelt.

Zeus: Ich würde ja gerne... aber es ist soooo schwer!

  Dann mache ich Ihnen einen Vorschlag. Vergessen Sie alles, was Sie bisher übers Christentum gehört haben. Dann setzen Sie sich vor eine Krippe und schauen dieses kleine Kind an, das da im Stroh liegt. Gott ist kein Held wie Sie. Gott ist unschuldig, verletzlich und auf uns Menschen angewiesen! Frohe Weihnachten, Herr Zeus!

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

ZEUS ist oberster und mächtigster Gott der griechischen Mythologie. Verehrt wurde Zeus in Tempeln, die bekanntesten sind die Zeus-Tempel auf Kreta, in Dodona und Olympia. Auf seinen Missionsreisen nach Kleinasien stand der Missionar Paulus vor der Aufgabe, den dort wohnenden »Heiden«, die an Zeus glauben, den christlichen Glauben darzulegen.

QUELLE: Apostelgeschichte 14.12f. (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Apg. 14.12)

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein