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Dieser Artikel: Ausgabe 42/2007 vom 21.10.2007
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Sagen Sie mal, Titus...

Interviews mit Personen der Bibel (242)


Bischöfe sind Vorbilder. Dürfen sie auch Fehler machen?

Bible historiale Guiart Desmoulins, 1305.
Foto: sob
   Bible historiale Guiart Desmoulins, 1305.

  ... die Menschen sehnen sich nach Vorbildern.

Titus: Das verstehe ich gut. Schon der Apostel Paulus hat den Wert von Vorbildern erkannt. »Dich selbst mache zum Vorbild guter Werke«, hat er mich in einem Brief ermahnt.

  Konnten Sie seiner Bitte nachkommen?

Titus: Ich versuchte es nach bestem Wissen und Gewissen. Ob ich es geschafft habe, müssen andere beurteilen. Wenn nicht, bitte ich um Nachsicht und Vergebung.

  Sagen Sie uns doch bitte: Was gehört dazu, Vorbild zu sein?

Titus: Auch bei dieser Antwort halte ich mich an das, was Paulus sagte. Ehrbarkeit gehört dazu. Auch im Streit soll man heilsame und untadelige Worte finden, damit der Widersacher beschämt werde und uns nichts Böses nachsagen kann.

  Uns?

Titus: Ja, uns Christen, die wir öffentlich in der Gesellschaft wirken. Wir sind doch zunächst das erste Aushängeschild für das Evangelium. Es funktioniert nun einmal nicht, wenn Lügner, Hitzköpfe oder unehrbare Menschen die frohe Botschaft verkünden.

  Den »weltlichen Begierden« solle man absagen, schrieb Paulus Ihnen. Gehört das auch zum vorbildhaften Benehmen?

Titus: In jedem Fall. Was aber nicht bedeutet, lust- und leidenschaftslos durch Gottes gute Schöpfung zu schleichen. Den Reinen ist alles rein - verstehen Sie?

  Nicht wirklich.

Titus: Diese Trennung von »weltlich« und »göttlich« ist nicht so einfach zu begreifen, wie Sie als Journalist vielleicht möchten. »Paulus verbietet den Christen weltliche Gelüste«, würden Sie wahrscheinlich gerne in eine Schlagzeile schreiben und die Christen wieder als Langweiler hinstellen. So ist es aber gar nicht. Wir Christen wissen: Alles kann weltlich - und alles kann göttlich sein. Vorbildhaft verhält sich derjenige, der sich nicht von seinen Trieben leiten lässt, sondern von der Liebe zu Gott. Und jetzt verkürzen Sie bitte nicht »Triebe« auf das Thema Sexualität. In fast jedem Lebensbereich können Triebe einen Menschen gefangen nehmen. Das Lauern auf Anerkennung und Macht kann ebenso »weltlich« sein wie Süchte, zum Beispiel Essen, Alkohol, Spielen...

  Ein vorbildhafter Christ darf das alles also nicht tun?

Titus: Falsch. Er darf essen, spielen, sich auch mal ein Gläschen genehmigen. Er darf Anerkennung genießen und Macht ausüben. Und er darf auch lieben. Aber er sollte sich nicht von diesen Dingen gefangen nehmen lassen. Gott will uns weder Lust noch Leidenschaft vergällen. Aber er möchte, dass wir sie nicht überbewerten, sondern dem höheren Sinn des Lebens unterstellen.

  Verstehe... Deswegen forderte Paulus auch von Bischöfen, nicht eigensinnig, nicht jähzornig und streitsüchtig zu sein, und auch kein Säufer!

Titus: Genau, sondern »gastfrei, gütig, besonnen, gerecht und fromm«. Schließlich sollen nur solche Menschen das Bischofsamt bekleiden, die das Zeug zum Vorbild haben. Das ist ja kein einfacher Job, sondern ein Beruf, der für den, der ihn ausübt, Lebensinhalt sein sollte. Ständig im Rampenlicht zu stehen als herausgehobener Glaubensvertreter, das kann schon ans Eingemachte gehen. Auch vor Fehlern ist ein Bischof ja nicht gefeit.

  Eben. Das sind ja auch nur Menschen. Aber wie kann ein Bischof damit umgehen? Darf ein Vorbild eingestehen, Fehler gemacht zu haben?

Titus: Auf jeden Fall! Würde er es nicht tun, würde er ja den Widersachern dazu verhelfen, uns Christen Böses nachzusagen! Das darf nicht sein, meinte Paulus. Mit guten Werken soll er sich hervortun, so wie jeder Christ.

  Und wenn ein Bischof doch etwas Tadeliges tut? Vielleicht gar nicht aus bösem Willen, sondern einfach aus Versehen?

Titus: Dann sollte er das tun, was er von anderen Christen auch verlangt: Vorbildhaft seinen Fehler eingestehen, um Vergebung bitten und helfen, die Folgen seines Fehlers zu beseitigen. Denn die Menschen sehnen sich nach Vorbildern...

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR SACHE

TITUS: Wahrscheinlich war Titus der erste nichtjüdische Mitarbeiter des Apostels Paulus. Auf dem Jerusalemer Apostelkonzil unterstützte er Paulus in der Auffassung, dass Christen sich bei ihrer Bekehrung nicht beschneiden lassen müssten. Als enger Vertrauter begleitete er Paulus auf Missionsreisen; schließlich stand er der christlichen Gemeinde auf Kreta vor.

QUELLE: Titusbrief (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Tit 1,1).

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


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abgerufen 25.09.2016 - 03:55 Uhr

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