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Dieser Artikel: Ausgabe 25/2008 vom 22.06.2008
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Was Kreuz und Kopftuch unterscheidet

Oder: Man darf nicht alle religiösen Symbole über ein und denselben Kamm scheren

Von Lutz Taubert

Es liegen vor: Erstens ein Landesparteitagsbeschluss der Grünen in Bayern, dass alle religiösen Symbole aus den Schulen verschwinden sollen. Und zweitens eine Art nachgeschobene Korrektur der Parteispitze, dass damit keineswegs das Kruzifix über der Klassenzimmertür »generell verboten« werden solle; sondern dass man damit vor allem die Kopftücher auf den Köpfen muslimischer Lehrerinnen als »persönliches Bekenntnis zu einer Religion« gemeint habe (siehe dazu auch Bericht und »Umfrage der Woche«).

Es sind parteitaktische Gesichtspunkte, die den Landesvorstand reumütig zurückrudern lassen: Denn die Grünen geben mit ihrem uneindeutig-pauschalen Kruzifix- und Kopftuch-Beschluss, der letztlich alle religiösen Symbole benennt und über ein und denselben Kamm schert, den anderen Parteien, insbesondere der CSU, eine glänzende Vorlage im allmählich beginnenden Landtagswahlkampf. Das ist dilletantisch, naiv und politisch dumm, wo doch die Grünen gerade dabei sind, sich über ihre Kernwählerschaft hinaus neue Wählerschichten im »werteorientierten« bürgerlichen Milieu zu erschließen.

Nun aber zur eigentlichen Sache, und da werfen die Grünen dann doch eine Fragestellung auf, die in unserer gesellschaftlichen Diskussion noch längst nicht zu Ende diskutiert ist: Wir reden von Gleichbehandlung der Religionen (was in Ordnung ist oder mehr noch: von unserer grundgesetzlichen Ordnung her ausdrücklich geboten ist); aber wir können daraus nicht ohne weiteres auf eine Gleichbehandlung von religiösen Symbolen schließen.

Vor allem dann nicht, wenn sie eine verschiedene Wertigkeit in der Wahrnehmung und Interpretation durch die Bürger im sogenannten religionsneutralen Staat haben: Das Kreuz ist ein religiöses Symbol; wenn es überhaupt politisch gedeutet werden soll, steht es für Versöhnung, Gewaltlosigkeit. Das Kopftuch aber ist in erster Linie ein politisches Symbol. Und es steht - genau anders als das Kreuz - für Unterdrückung. Alle Argumente der Kopftuchbefürworter, die zurecht von religiöser Toleranz sprechen, sehen nicht, dass das Kopftuch nur dort mehrheitlich getragen wird, wo Frauen dazu gezwungen sind. Sie tragen es letztlich als Symbol eines islamistischen Menschen- und Weltbildes.

Dieser feine oder vielmehr wesentliche Unterschied zwischen Kreuz und Kopftuch sollte auch von einem Parteitag erst einmal erkannt und bedacht werden, bevor er sich mit dem generellen Verbot religiöser Symbole befasst.

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Kruzifix-Beschluss steht, Diskussion läuft ... sagt die Parteispitze der Grünen zu dem, was der Landesparteitag beschlossen hat. » lesen!

Wertevermittlung im Klassenzimmer ohne Kruzifixe? Sonntagsblatt-Umfrage zum Parteitagsbeschluss der Grünen. » lesen!

 

 

 

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abgerufen 30.07.2016 - 20:42 Uhr

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