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Sonntagsblatt 12/ vom

Spaß und Stärke

Interview mit Diakon Jörg-Simon Löblein


Diakon Jörg-Simon Löblein, Sozialpädagoge und Anti-Aggressivitäts-Trainer, über die Motive jugendlicher Gewalttäter

Diakon Jörg-Simon Löblein, Sozialpädagoge und Anti-Aggressivitäts-Trainer
Foto: McKee
   Jörg-Simon Löblein

  Aus welchem sozialen Umfeld kommen die Teilnehmer?

Löblein: In den Familien gibt es psychische Erkrankungen und Suchtprobleme, sie haben wenig Teil an gesellschaftlichen Vernetzungen. Gewalt gehört oft zum Alltag. Manche Teilnehmer haben schon als Zehnjährige im Kinderzimmer Liegestützen gemacht, um irgendwann stark genug zu sein, um zurückzuschlagen. Es gibt aber auch Teilnehmer, die »aus gutem Hause« kommen.

  Was für ein Weltbild haben sie?

Löblein: Respekt bekommt man, wenn man Stärke zeigt. Es gilt die »Familienehre« zu verteidigen. Und: Gewalt gehört zur Männlichkeit. Wir arbeiten deshalb im Training ganz bewusst mit diesen Begriffen. Der Wille zum gesellschaftlichen Erfolg ist aber sehr ausgeprägt: Die Jugendlichen wollen Arbeit, eine Frau, Kinder, eine Wohnung und ein Auto.

  Warum schlagen die Jugendlichen immer wieder zu?

Löblein: Für einige sind Schlägereien der einzige »Spaß« im Leben, ein Zeitvertreib gegen die Langeweile. Bei den Gewaltexzessen schütten sie körpereigene Hormone aus. Diese Erfahrung wirkt berauschend. Die Täter haben in Wirklichkeit ein schlechtes Selbstbewusstsein, sind oftmals depressiv und haben sogar Selbstmordgedanken. Weil sie im Alltag das Gefühl haben, dass sie gar nichts können, suchen sie Selbstbestätigung in der Gewalt.

JUNGE GEWALTTÄTER

Stuhlkreis statt Gefängniszelle. Wie die Evangelische Jugendhilfe junge Gewalttäter betreut. Von Christiane Hawranek. » lesen!

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Interview: ane