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Sonntagsblatt 22/ vom

ZEITZEICHEN


Der geneigte liebe Leser (der in dieser Redaktion gelegentlich »Lovely Reader« genannt wird) wähle sich doch mit seinem Laptop (heißt auf deutsch: Klapprechner) an irgendwelchen Hotspots (wir verzichten ab hier auf die Translation) ins W-Lan ein; er google dann mal unter »google news« oder auch in diversen »Chats« oder auch »Instant messages« nach dem Begriff »Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung«. Da können wir erfahren, dass diese Akademie demnächst einen »Bericht zur Lage der deutschen Sprache« vorlegen wird. Der soll unter dem Thema »Reichtum und Armut der Sprache« untersuchen, ob dem Deutschen unersetzliche Wörter verloren gehen und ob es seinen Formenreichtum einbüßt; ferner, ob Deutsch durch den Einfluss des Englischen gefährdet ist.

Wir behaupten mal ganz pauschal: Das ist es. Es gibt zwar eine ganze Menge kräftiger Fremdwörter, die inzwischen ihrerseits das Deutsche perfekt ersetzt haben. (Ein geradezu klassisches Beispiel: »... Nun so sage doch, Freund, wie man Pedant uns verdeutscht«, fragen Goethe und Schiller in den Xenien.) Aber ob man das auch in ein paar Jahren von so merkwürdigen Wortkonstruktionen sagen kann wie: »Downloaden«, »Backshop«, »ServicePoint«, »Public Viewing«? Wäre schade, weil wir ja dafür gute deutsche Wörter hätten, wenn wir sie nur benutzten.

Übrigens hüte sich gerade die Kirche, den ersten Stein zu schmeißen. Sind wir bei der letzten »Church-Night« doch mit »PowerPointPresentations« ziemlich zugedeckt worden, von den »Handouts« und »Flyern« ganz zu schweigen. Waren froh, dass wenigstens der Ökumenische »ChurchDay« deutsch geblieben ist. Der heißt sogar in England »Kirchentag« und gilt also so unübersetzbar wie etwa »kindergarten«.

 

 

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