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Sonntagsblatt 26/ vom

Im Schlabberlook im Klassenzimmer

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Kleider machen Leute - das gilt auch für Lehrer. Und konkret? Ein Junglehrer auf der Suche nach dem richtigen »Stil«.

Ich bin im ersten Referendarsjahr und mache dabei so meine Beobachtungen. Eine betrifft das Thema Kleidung. Dabei fällt mir eine richtige Zweiteilung auf. Zunächst die Kolleginnen. Für sie gilt gepflegtes, geschmackvolles Aussehen. Man sieht und man spürt: viel Friseur, viel dezentes Make-up, viel Kostümjacke in Kombination mit teuren Jeans. Tendenz: elegante Lässigkeit.

Ganz anders meine Kollegen. Hier herrscht der Schlabberlook vor. Pullover, die aussehen, als seien sie von Eugen Drewermann abgelegt. Dazu Cordhosen, grob und beige, Gesundheitsschuhe, erdbraun und ungeputzt. Tendenz: Alt gewordene 68er. Im Übrigen, das wird Sie interessieren, ist dieser Look bei Religionslehrern besonders ausgeprägt.

Bei den Damen im Kollegium nehme ich sehr das Bedürfnis wahr, Distanz zu schaffen, Abstand zwischen Schülern und Lehrern. Bei den Herren lautet die Botschaft ganz deutlich: »Dass ihr mich ja nicht für autoritär haltet!« Ich finde das sehr gewollt, gekünstelt und vor allem hässlich. Da wird mir fast schon der strenge Dresscode sympathisch, den ich bei meinen Altersgenossen in der freien Wirtschaft antreffe.

Mir geht es darum, meinen eigenen Stil zu finden, und versuchsweise würde ich ihn zwischen den beiden Angeboten ansiedeln, die so durchs Lehrerzimmer gehen. Natürlich weiß ich, dass die Bibel dazu nicht allzu viel hergibt, aber sagen Sie mir doch Ihre Meinung.

Herr U.

 

Ein Bibelzitat habe ich doch gefunden. Eines, das Ihre Abneigung gegen den Schlabberlook zu unterstreichen vermag: »Ihre Fäden taugen nicht zum Kleide, und mit diesem Gewirke kann man sich nicht bedecken« ( Jesaja 59, 6).

Ansonsten schlage ich Ihnen vor, nicht beim Äußeren anzufangen, sondern von innen nach außen zu gehen. Fragen Sie sich doch bitte: Wie möchte ich in meinem Beruf wirken? Welchen Stil möchte ich praktizieren? Was will ich mit meinem Äußeren mitteilen? Vielleicht fallen Ihnen dazu ein paar Eigenschaftsworte ein. Beispiel: Ich möchte sympathisch und freundlich, kompetent und professionell wirken. Ich möchte den Schülerinnen und Schülern offen, aber nicht anbiedernd gegenübertreten.

Der zweite Teil dieses Selbstgesprächs könnte vor dem Kleiderschrank stattfinden. Was hängt und liegt da so herum? Was passt noch zu mir, und was gehört in die Studentenzeit oder gar in die Schuljahre? Dann: Was will ich behalten? Was muss zur Kleidersammlung? Was will ich mir vielleicht neu anschaffen?

Mehr als früher, so scheint mir, achten wir heute auf einen Dreiklang und überwinden damit manche Eintönigkeit und Uniformität. Wir achten auf die Fachkompetenz, auf das Erscheinungsbild und auf das Auftreten eines Menschen. Ihre Fachkompetenz setze ich voraus, über das Erscheinungsbild haben wir gerade gesprochen. Deswegen noch ein Gedanke zum Auftreten: Es ist eine gute Übung, sich mental auf eine Unterrichtsstunde einzustellen. Etwa mit der Vorstellung: Wie stehe ich vor einer Klasse? Ich sehe vor meinem inneren Auge, dass ich aufrecht stehe, in einer guten Spannung, mit Blickkontakt, offenen Gesten und klar, deutlich und wertschätzend in dem, was ich zu sagen habe. So jedenfalls würde ich gern Lehrer sein wollen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

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Waldemar Pisarski

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