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Sonntagsblatt 50/ vom

Emotionales Thema

Dorothea Deneke-Stoll, Präsidentin der bayerischen Landessynode, zum Thema homosexuelle Paare in bayerischen Pfarrhäusern


Auf ihrer Tagung in Neu-Ulm hatte sich die Landessynode mit der Frage zu befassen, ob Pfarrerinnen und Pfarrer, die in eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, gemeinsam mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen.

Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll.
Foto: Susanne Borée
   Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll.

Es gibt in unserer Kirche Themen, die sehr viele Emotionen wecken.

Der Umgang mit Homosexualität gehört da offenbar auf Platz 1. Auf ihrer Tagung in Neu-Ulm hatte sich die Landessynode mit der Frage zu befassen, ob Pfarrerinnen und Pfarrer, die in eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, gemeinsam mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Der Landeskirchenrat hatte bereits im Juli beschlossen, dass dies, sofern alle einverstanden sind, unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Ganze fünf Fälle solcher Partnerschaften sind in der Landeskirche bekannt. Angesichts dieser überschaubaren Zahl hätte man erwarten können, dass die das Thema betreffenden Eingaben zwar kontrovers diskutiert werden, die ganze Angelegenheit aber nicht »zu hoch gehängt wird«.

Das Gegenteil geschah: Schon im Vorfeld der Synodaltagung trafen eine ganze Reihe von Eingaben ein, teilweise nebst Unterschriftenlisten, mit dem Ziel, das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren im Pfarrhaus zu verhindern oder sogar den Einsatz homosexueller Pfarrer/innen im Gemeindedienst zu untersagen. Wenige Tage vor Synodenbeginn bekamen der Landesbischof, ich und andere Mitglieder der Kirchenleitung unzählige weitere Protestbriefe und Mails.

Die Synode hat in Neu-Ulm nach einer langen, kontroversen, aber konstruktiven und fairen Diskussion einen Beschluss gefasst, der einen Weg aufzeigt, künftig mit dem Thema umzugehen. Was mich allerdings betroffen gemacht hat, war der Stil mancher Briefe und E-Mails: Die Entscheidung des Landeskirchenrates sei unchristlich oder unbiblisch, war da zu lesen, legitimiere eine sündhafte Lebensform und folge nur dem Zeitgeist. Oft wurde mit Kirchenaustritt gedroht, manchmal wurden auch persönliche Vorwürfe erhoben.

Ist dieser Ton im Rahmen einer innerkirchlichen Debatte angemessen? Ich kann verstehen, dass es unterschiedliche Arten gibt, mit unserem gemeinsamen biblischen Zeugnis umzugehen. Aber darf das dazu führen, denjenigen, der die Bibel anders interpretiert, gleich als unchristlich zu diffamieren? Da gibt es Briefe, denen ein Gewissenskonflikt des Verfassers/ der Verfasserin und eine echte Besorgnis um die Zukunft der Kirche abzuspüren ist. Aber es gibt auch solche, die keinerlei Gesprächsbereitschaft erkennen lassen, frei nach dem Motto: »Homosexualität ist wider die Schrift. Wenn der Beschluss des Landeskirchenrates bestehen bleibt, trete ich aus.« Wo bleibt bei dieser Haltung der Respekt vor Andersdenkenden?

Ich wünsche mir sehr, dass notwendige Diskussionen in unserer Kirche in einer sachlich angemessenen Weise geführt werden. Nur wenn wir einander gut zuhören und die Argumente sorgfältig abwägen, werden wir inhaltlich weiterkommen. Denn hinter der Auseinandersetzung um die Frage der Homosexualität steht eine andere Frage, die für mich persönlich die wichtigere ist, nämlich die Frage nach der Deutung von Schrift und Bekenntnis im historischen Kontext. Nur wenn wir sprachfähig werden für den Kern der christlichen Botschaft, werden wir diese weitervermitteln können. Wenn wir uns in der evangelischen Kirche auf unsere Freiheit als Christenmenschen berufen, müssen wir lernen, auch mit der Freiheit andersdenkender Mitchristen umzugehen. Es ist sehr zu hoffen, dass wir da gemeinsam auf einem guten Weg sind.

 

  Dorothea Deneke-Stoll ist Präsidentin der bayerischen Landessynode. Sie schreibt im Sonntagsblatt Beiträge aus persönlicher Sicht.

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