Sonntagsblatt Archiv

Sonntagsblatt 05/ vom

Haustiere in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Auch die Menschen der Bibel hatten Haustiere. Nicht nur zum Kuscheln, sondern zum Arbeiten.

Franz Marc: Die weiße Katze, 1912.
Foto: sob
   Franz Marc: Die weiße Katze, 1912.

        

Hunde - Tobit 6, 1; 11, 9; Matthäus 15, 21-28

Aus einem Gleichniswort Jesu lässt sich schließen, dass Hunde in Familien mit im Essensraum lebten. Eine kanaanäische Frau hatte Jesus inständig um Hilfe gebeten. »Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde«, antwortete Jesus unwirsch. Das Buch Tobit berichtet von einer herzigen Gefährtenschaft zwischen Tobias und seinem Hund (dessen Name leider nicht überliefert ist). »Tobias zog dahin und sein Hündlein lief mit.« Mit ihm erlebte Tobias offensichtlich ein enges Herrchen-Hund-Verhältnis. Als er nach langer Zeit wieder zum Haus seines Vaters zurückkommt, spielte sich eine Szene ab, die das Drehbuch für eine »Lassie«-Folge hätte geben können: Der Hund lief voller Freude und mit dem Schwanz wedelnd voraus und kündigte Tobias' Vater die Rückkehr des Sohnes an. ( Tobit 6, 1,  Matthäus 15, 21-28)

Zitat: »Und der Hund, den sie mitgenommen hatten, lief voraus und kam als Bote, wedelte mit dem Schwanz, sprang hoch und zeigte seine Freude.«

 

Katzen - Baruch 6, 22

Seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen leben Katzen in der Gesellschaft von Menschen. In Ägypten galten sie zu biblischen Zeiten sogar als heilige Tiere. Seltsamerweise wird in der Bibel nur an einer Stelle von einer Katze berichtet: Der Prophet Jeremia beklagt die Anbetung von Götzen; auf deren Statuen würde allerlei Getier, neben anderen auch Katzen, herumsitzen. Was ein eindeutiges Zeichen dafür sei, dass die Götzen keine Götter sind. ( Baruch 6, 22)

Zitat: »Und die Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel setzen sich auf ihre Leiber und auf ihre Köpfe, ebenso auch die Katzen. Daran könnt ihr merken, dass es nicht Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!«

 

Schafe - Psalm 23; Lukas 15, 1-7

Schafe sind drollig, wollig und lecker; sie lebten in Herden, oft in der Nähe der Zelte oder Häuser biblischer Menschen. So verwundert es nicht, dass der wohl trostreichste Psalm der Bibel von Schafen handelt, obwohl keines genannt wird. Der Grund: Es ist quasi aus Sicht eines Schafes geschrieben. Das Schaf lobt die Geborgenheit und die Wohlgefühle, die sein Hirte ihm bietet, es fürchtet kein Unglück, weil »Stecken und Stab« es trösten. Auch Jesus waren Schafe wichtig. »Der isst mit den Sündern!«, hatten sich Pharisäer und Schriftgelehrte über Jesus ereifert. Er antwortet souverän mit einem Gleichnis. Wer denn ein verlorenes Schaf nicht suche und sich freue, wenn er es finde, fragt er sie. Die Deutung des Gleichnisses liefert er gleich mit: »So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.« ( Psalm 23,  Lukas 15, 1-7)

Zitat: »Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.«

 

Esel - 4. Mose 22, 22-35; Jesaja 1, 3; Sacharja 9, 9; Johannes 12, 14

Esel waren beliebt als sanftmütige Last- und Arbeitstiere; sie durften nicht geopfert werden und waren kein Nahrungsmittel. Von einem Esel handelt auch die erste Tierschutz-Geschichte der Menschheit: Vor einem Engel Gottes musste der Wahrsager Bileam eingestehen, dass er seine Eselin besser nicht hätte schlagen sollen. Denn im Gegensatz zum Menschen hatte das Grautier den Engel erkannt, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Offenbar haben Esel eine besondere Beziehung zu Gott: Ein »Esel erkennt die Krippe seines Herrn«, meinte Jesaja. Und die Tore Jerusalems durchschritt Jesus auf einem Esel. ( 4. Mose 22, 22-35,  Jesaja 1, 3,  Sacharja 9, 9,  Johannes 12, 14)

Zitat: »Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher?«

 

Tauben - 1. Mose 8, 8-12; Jesaja 60, 8

Als Haustiere, die immer wieder in ihren Schlag zurückkehren, hielten sich viele Menschen Tauben. Sie lieferten Eier und Fleisch. In der Sintfluterzählung spielte eine Taube eine besondere Rolle. Die Arche war voll mit Tieren und kein Land war in Sicht: In dieser Situation schickte Noah eine Taube in die Lüfte. Als sie von ihrem zweiten Ausflug mit einem Ölblatt im Schnabel zurückkehrte, wusste Noah: Die Erde ist nicht mehr ganz mit Wasser bedeckt. Sieben Tage später ließ er eine weitere Taube fliegen; sie kehrte nicht auf die Arche heim. ( 1. Mose 8, 8-12,  Jesaja 60, 8)

Zitat: »Wer sind die, die da fliegen wie die Wolken und wie die Tauben zu ihren Schlägen?«

 

Pferde - Jesus Sirach 30, 8; 33, 6

Seit etwa 1500 v. Chr. werden im Alten Orient Pferde als Zugtiere für Streitwagen verwendet. In späterer biblischer Zeit sind Pferde auch als Reittiere bekannt und spielen in Form der »apokalyptischen Reiter« eine wichtige Rolle beim Jüngsten Gericht. Der weise Jesus Sirach zeugt davon, dass Pferde zugeritten wurden - und zwar auf sehr rüde Art und Weise. Ein ungebändigtes Pferd dient ihm dann für eine ziemlich schräge Rechtfertigung strenger Kindererziehung: Ein Sohn, der nicht gezügelt werde wie ein Pferd, werde »ungebärdig«. Ein zweites Mal zieht Jesus Sirach ein Pferd für einen weisen Spruch heran. Über seinen wiehernden Hengst darf man getrost schmunzeln. ( Jesus Sirach 30, 8)

Zitat: »Wie ein Hengst, der unter jedem Reiter wiehert, so ist ein Freund, der Lust zum Spott hat.«

 

Hühner und Hähne - Matthäus 23, 37; Markus 14, 30

Die Hühner der Bibel hatten es gut: Freilandhaltung und giftfreies Biofutter gehörten zu den Selbstverständlichkeiten ihres Lebens. Sie beschenkten ihre Halter nicht nur mit einwandfreien Eiern, sondern auch mit dem heimeligen Bild einer Klucke, die ihre Küken unter den Flügeln wärmt und schützt. Dieses Bild nimmt Jesus auf, als er sich mit einer Henne vergleicht. Hähne kündeten damals wie heute den Tagesanfang. Ein Exemplar aus Jerusalem erlangte mit seinem wiederholten Krähen Weltruhm, denn er überführte den Apostel Petrus der fehlenden Courage. ( Matthäus 23, 37,  Markus 14, 30)

Zitat: »Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

UNTER GOTTES SCHUTZ

  Tiere gehören der Bibel zufolge zur Schöpfung Gottes. Neben den wildlebenden Tieren lebten domestizierte Tiere in der Nähe der Menschen. Sie stehen unter dem Schutz Gottes; gemeinsam mit dem Menschen harren sie auf einen »neuen Himmel und eine neuer Erde« am Ende der Zeiten. Solange »seufzen« sie - wie die Menschen - nach Gott.

  Zum Weiterlesen: Silvia Schroer: Die Tiere der Bibel. Eine kulturgeschichtliche Reise, Freiburg/Breisgau 2010.

 

 

 

Uwe Birnstein