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Sonntagsblatt 06/ vom

Schiffs-Geschichten der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Auf der Gorch Fock gibt es keine Nachttische - zu eng. Schade eigentlich, denn sonst könnten die Marinesoldaten die Schiffsgeschichten der Bibel lesen.

Rembrandt, Christus im Sturm auf dem See von Galilea, 1633, Boston, Gardner Museum.
Foto: PD
   Rembrandt, Christus im Sturm auf dem See von Galilea, 1633, Boston, Gardner Museum.

        

Mann über Bord! - Jona 1-2; Psalm 139, 9f.

Die berühmteste biblische Meeresgeschichte handelt von Jona. Dieser Prophet versucht, vor Gottes Auftrag zu fliehen - kein aussichtsreiches Unterfangen, betete doch schon der Psalmist: »Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen.« Jona besteigt ein Schiff, doch Gott vereitelt Jonas Fluchtpläne mit einem heftigen »Ungewitter«. Voller Angst werfen die Seeleute Ladung über Bord - und schließlich auch, auf dessen eigenen Wunsch, Jona. Ein »großer Fisch« verschlingt Jona und speit ihn nach drei Tagen und Nächten wieder an Land. ( Jona 1-2,  Psalm 139, 9f.)

Zitat: »Nehmt mich und werft mich ins Meer!«

 

Salomos Werft - 1. Könige 9, 26; 2. Chronik 9, 21; Weisheit 14, 2

Israel war keine Seefahrernation. Aber König Salomo erkannte den Wert und Nutzen der Schifffahrt und entwickelte große Leidenschaft für Schiffe. Deren Baumeister sei die »Künstlerin Weisheit«. Nahe der heutigen Touristenhochburg Elat am nördlichen Ende des Roten Meeres ließ Salomo eine Werft errichten. Von dort schickte er seine Handelsflotte in arabische Länder. Aber nicht ins Mittelmeer, wie das Buch der Chroniken behauptet. Denn den Suezkanal gab es noch nicht, die Schiffe hätten ganz Afrika umrunden müssen - damals noch unmöglich. ( 1. Könige 9, 26,  2. Chronik 9, 21,  Weisheit 14, 2)

Zitat: »Salomo baute auch Schiffe in Ezjon-Geber, das bei Elat liegt am Ufer des Schilfmeers.«

 

Die Kunst der Seemänner - 1. Könige 9, 27; 2. Chronik 8, 18; Weisheit 14, 4; Jakobus 3, 4

Hiram, König der Phönizier, stellte Israel erfahrene Seeleute zur Verfügung, »Leute, die des Meeres kundig waren.« Denn die Gefahren der Schifffahrt waren beträchtlich: Stürme, Untiefen, Nebelbänke... da waren geübte Matrosen unerlässlich. Dennoch meint das Buch der Weisheit, dass Gott auch unkundigen Seemännern beisteht, »damit man ein Schiff besteigen kann, auch ohne die Kunst des Seemanns zu verstehen.« Jakobus, der Verfasser eines neutestamentlichen Briefes, benutzte die Kunst des Steuermannes für einen Sinnspruch, der Gott zum Kapitän macht: »Auch die Schiffe, obwohl sie so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wohin der will, der es führt.« ( 1. Könige 9, 27,  2. Chronik 8, 18,  Weisheit 14, 4,  Jakobus 3, 4)

Zitat: »Hiram sandte auf die Schiffe seine Leute, die gute Schiffsleute und auf dem Meer erfahren waren.«

 

Stürme und Schiffbrüche - 2. Chronik 20, 37; Psalm 107, 23-32; Weisheit 14, 3f.; Sirach 33, 2; 2. Korinther 11, 25; Apostelgeschichte 27, 13ff.; Matthäus 8, 23-27

Noch mehr als heute waren die Seefahrer in ihren einfachen Schiffen den Launen des Wetters ausgeliefert. Ihrer Angst begegneten sie mit Vertrauen auf Gott. Der Psalmist beschreibt den »Sturmwind, der die Wellen erhob« und Schiffe gen Himmel hob und sogleich in den Abgrund sinken ließ, »dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener.« Wer in solchen bedrohlichen Stürmen und Wellentürmen in seiner Not zum Herrn schrie, den führte er aus Ängsten, indem er den Sturm stillte und sie »zum erwünschten Land brachte«. Die Ängste waren begründet. Viele Handelsschiffe »zerschellten« im Sturm. Apostel Paulus, für den das Schiff Haupttransportmittel auf seinen Missionsreisen war, erlitt nach eigenen Aussagen viermal Schiffbruch, »einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer.« Dabei mag er sich nicht nur an Treibholz geklammert haben, sondern auch an einen Spruch aus der Weisheit: »Du gibst auch im Meer Wege und mitten in den Wellen sichere Fahrt und zeigst dadurch, wie du aus aller Not zu retten vermagst.« Die berühmteste Sturmstillung wird in den Evangelien berichtet. Demnach fuhr Jesus mit einigen Jüngern über den See Genezareth, als ein »gewaltiger Sturm« das Schiff durchschüttelte. Während die Jünger vor Angst vergingen, schlief Jesus seelenruhig weiter. Als sie ihn weckten, stand er »auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille.« ( Psalm 107, 23-32,  2. Korinther 11, 25,  Apostelgeschichte 27, 13ff.,  Matthäus 8, 23-27)

Zitat: »Ein Weiser lässt sich das Gesetz nicht verleiden; aber ein Heuchler treibt umher wie ein Schiff im Sturm.«

 

Handelsschiffe - 1. Könige 10, 11; 2. Chronik 8, 18; 9, 21

Unter der Herrschaft Salomos blühte der Handel Israels mit südlichen Ländern. Mit Hilfe von Schiffen festigte Salomo seinen Ruhm als reicher Monarch. Er ließ Gold (einmal 425 Zentner!) und Silber, Edelsteine und wertvolle Hölzer kommen, ebenso exotische Tiere wie Affen und Pfauen. Damit stattete er den Tempel, aber auch seinen Palast aus und imponierte unter anderem der Königin von Saba. ( 1. Könige 10, 11,  2. Chronik 8, 18)

Zitat: »Schiffe des Königs kamen in drei Jahren einmal und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen.«

Kriegsschiffe - 4. Mose 24, 24; 1. Makkabäer 15, 14; 2. Makkabäer 12, 9

Die Phönizier bauten ihre Schiffe zu Festungen aus: Zwei Reihen von Ruderern und ein Segel sorgten für den Antrieb, das Oberdeck war durch Schilde gepanzert. Der Bug lief in einen spitzen Dorn zum Rammen feindlicher Schiffe aus, das Heck war halbkreisförmig nach oben gebogen. Griechische Kriegsschiffe belagern später die jüdischen Städte, sie »griffen vom Meer aus an, sodass niemand he­raus- oder hineinkommen konnte«. ( 4. Mose 24, 24,  1. Makkabäer 15, 14,  2. Makkabäer 12, 9)

Zitat: »Und Schiffe aus Kittim werden verderben Assur und Eber.«

 

Apokalypse für die Schifffahrt - Jesaja 2, 16; Offenbarung 8, 9

Im Jüngsten Gericht werden auch die Schiffe dieser Welt dran glauben müssen - davon ist der Prophet Jesaja ebenso überzeugt wie der Seher Johannes, der in seiner Apokalypse voraussagt, dass »der dritte Teil der Schiffe vernichtet« wird. ( Jesaja 2, 16,  Offenbarung 8, 9)

Zitat: »Der Tag des Herrn wird kommen über alle Schiffe im Meer und über alle kostbaren Boote.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

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  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

SEEMANNSCHAFT

  Die Israeliten im trockenen Palästina kannten sich mit Landwirtschaft aus - aber nicht mit der Schifffahrt. Lediglich König Salomo nutzte - mithilfe der erfahrenen Phönizier - Schiffe. Zur Zeit Jesu war der Seeverkehr auch im Mittelmeer deutlich angestiegen; sie erleichterten Paulus die Reisen nach Kleinasien, wo er christliche Gemeinden gründete. Von ihm stammt das geflügelte Wort, dass man »am Glauben Schiffbruch« erleiden könne ( 1. Timotheus 1, 9). Auch Jesus waren Schiffe vertraut: Einige seiner Jünger waren Fischer, er selbst überquerte mehrmals den See Genezareth auf einem Boot.

  Zum Weiterlesen: Meeresgeschichten der Bibel, Stuttgart 2004.

 

 

 

Uwe Birnstein