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Sonntagsblatt 13/ vom

Biblische Katastrophen

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Von einer »Katastrophe biblischen Ausmaßes« sprechen einige Kommentatoren angesichts der Verwüstungen, die Japan heimgesucht haben. Ob sie die Erdbeben- und Flutgeschichten der Bibel wirklich kennen?

Joseph Turner, Schiffbruch, 1805, Tate Gallery, London.
Foto: sob
   Joseph Turner, Schiffbruch, 1805, Tate Gallery, London.

        

Erdbeben in Israel - Sacharja 14, 5; Amos 1, 1

An mehreren Stellen der Bibel finden sich Hinweise auf ein Erdbeben, das während der Regierungszeit des Königs Usija (786-758 v. Chr.) den Nahen Osten erschütterte. Als der Prophet Sacharja der Stadt Jerusalem einen Tag des Gerichts ankündigt, erinnert er an die Panik der Israeliten nach diesem Erdbeben. Auch am Beginn des Buches Amos findet sich ein Hinweis auf diese Katastrophe: »Zwei Jahre vor dem Erdbeben« habe Amos seine Beauftragung zum Propheten erhalten. ( 1. Mose 3,  1. Mose 3)

Zitat: »Ihr werdet fliehen, wie ihr vorzeiten geflohen seid vor dem Erdbeben zur Zeit Usijas.«

 

Flut als Strafe Gottes - Genesis 6, 9-9, 17; Hesekiel 26, 19

An mehreren Stellen der Bibel benutzt Gott die Flut als Strafinstrument. Die größte und verheerendste ist die Sintflut. Weil das Trachten der Menschheit von Grund auf böse war, fasste Gott den Entschluss, fast alles Leben auf der Erde durch eine Flut auszulöschen. Nur Noah, ein 600-jähriger gottesfürchtiger Mann, darf überleben, mit ihm seine Familie und je ein Paar jeder Tiergattung. Um die erforderlichen Wassermassen in Gang zu setzen, ließ Gott es 150 Tage lang regnen und ließ zudem »alle Brunnen der großen Tiefe« aufbrechen. So lange, bis alles vertilgt wurde, »was auf dem Erdboden war«. Leben war nur auf der Arche Noah. Nach der Sintflut versprach Gott zwar, nie wieder so grausam zu sein. Das hielt ihn aber nicht davon ab, feindlichen Völkern mit der Flut zu drohen. ( Genesis 6, 9-9, 17,  Hesekiel 26, 19)

Zitat: »Denn so spricht Gott der Herr: Ich will eine große Flut über dich kommen lassen, dass hohe Wogen dich bedecken.«

 

Apokalyptische Erdbeben - Lukas 21, 11; Offenbarung 8, 5; 16, 18

Erdbeben sind ein Zeichen der Endzeit - darauf weist auch Jesus hin. Der Seher Johannes schildert die Ereignisse am Ende aller Tage plastisch, er weiß von einem finalen Erdbeben, das schlimmer als alle bisherigen sein wird. Ein Engel wird es auslösen, indem er ein Räuchergefäß mit Feuer von einem Altar füllt und auf die Erde ausschüttet. ( Lukas 21, 11,  Offenbarung 8, 5)

Zitat: »Es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind.«

 

Erdbeben bei Kreuzigung und Auferstehung - Matthäus 27, 52; 28, 2

Offensichtlich wollte der Evangelist Matthäus das dramatische Ereignis der Kreuzigung Jesu noch steigern. Mit einem lauten Schrei starb Jesus ihm zufolge; das darauf folgende Erdbeben überzeugte die wachhabenden römischen Soldaten so sehr, dass sie in Jesus den Sohn Gottes erkannten. Drei Tage später flankiert ein weiteres Erdbeben die Geschehnisse am leeren Grab: Begleitet von einem Erdbeben kommt ein Engel des Herrn vom Himmel herab; aus Furcht stellten sich die Grabwachen tot, Maria von Magdala und ihre Begleiterin hingegen sind mutig und hören, wie der Engel ihnen die Auferstehung Jesu verkündet. ( Matthäus 27, 52)

Zitat: »Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf.«

 

Gott beschirmt die Gläubigen vor Fluten - Nahum 1, 8; Jesaja 28, 15-19; Habakuk 3, 8

Es ist paradox: Gott ist letztverantwortlich für Fluten, aber er schützt Menschen auch vor ihnen. Wer Gott vertraut, den »schirmt« er vor den Fluten. In falscher Sicherheit jedoch wähnen sich die Feinde Israels, die meinen, »mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht zu haben: Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen.« Ihnen kündigt Gott an, dass Fluten ihre Schutzbauten wegschwemmen, während Zion bewahrt bleibt: »Wenn die Flut herannaht, wird sie euch zermalmen.« Habakuk lässt die Möglichkeit offen, dass Gott selbst auch zornig auf die Flut sein kann: »Warst du zornig, Herr, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer?« ( Nahum 1, 8,  Jesaja 28, 15-19,  Habakuk 3, 8)

Zitat: »Er schirmt sie, wenn die Flut überläuft.«

 

Angst vor dem Ertrinken - Psalm 69; Klagelieder 3, 54

Der Psalmist benennt seine Ängste in aller Offenheit, auch die vor dem Ertrinken. »Ich versinke in tiefem Schlamm«, schreibt er, »ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen«. In dieser Todesangst bittet er Gott um Errettung - darum, dass ihn »die Tiefe nicht verschlinge«. Der Psalmist beendet sein Gebet mit der Zuversicht, dass Gott den Armen und Elenden - also auch ihm - beistehe. ( Psalm 69,  Klagelieder 3, 54)

Zitat: »Wasser hat mein Haupt überschwemmt; da sprach ich: Nun bin ich verloren.«

 

»Gott war nicht im Erdbeben!« - 1. Könige 19

Der Prophet Elia war ein Eiferer. Eigenhändig hatte er 450 Propheten des Gottes Baal getötet - nur wegen ihres »falschen« Glaubens. Um der Rache zu entgehen, war er in die Wüste geflüchtet. Mit Gottes Hilfe kämpfte er sich bis zum Berg Horeb vor; dort erteilte ihm Gott eine Lektion der Sanftmut. Vor seinen Augen spielten sich mehrere Naturphänomene ab: Sturm, Feuer und Erdbeben. Jedesmal vermutete Elia Gott darin - und wurde enttäuscht. Gott kam schließlich nicht gewaltig, sondern völlig unerwartet in Form eines »stillen, sanften Sausens«. ( 1. Könige 19)

Zitat: »Der Herr war nicht im Erdbeben.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

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  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

IM ERDBEBENGEBIET

  Aufgrund seiner geografischen Lage am syrisch-afrikanischen Graben gilt der Nahe Osten als erdbebengefährdete Region. Auch in biblischen Zeiten bebte die Erde einige Male. Die Erinnerungen daran mögen der Grund dafür sein, dass Erdbeben als endzeitliche Schecken vor Augen gemalt werden. Reformator Martin Luther empfahl den Christen trotzdem Gelassenheit: Wenn diese Erdbeben beginnen, »so erschrecket nicht, sondern sehet fröhlich auf und hebet die Köpfe in die Höhe; denn es gilt euch, eure Erlösung nahet sich.« Auch katastrophale Fluten sind für die biblischen Regionen archäologisch belegt und haben sich tief in das Gedächtnis der Menschheit gefressen. In vielen Mythen spielen Sintfluten eine Rolle, auch in der Bibel.

  Zum Weiterlesen: Bernd U. Schipper / Georg Plasger: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen 2007.

 

 

 

Uwe Birnstein