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Sonntagsblatt 18/ vom

Kirchenforum will »Gemeindebund« gründen

Kritische Plattform »Aufbruch Gemeinde« veranstaltet dritten Infotag


Das »Forum Aufbruch Gemeinde« fordert von der Kirchenleitung mehr Rechte und mehr Geld für die rund 1540 evangelischen Ortsgemeinden in Bayern.

Das Forum »Aufbruch Gemeinde« fordert mehr Mitsprache für Gemeinden.
Foto: sob
   Das Forum »Aufbruch Gemeinde« fordert mehr Mitsprache für Gemeinden.

        

Die Politik der evangelischen Landeskirche in Bayern bringt Kirchengemeinden an den Rand ihrer finanziellen Existenz. Das haben Vertreter des kritischen »Forum Aufbruch Gemeinde« in Nürnberg bei einer Pressekonferenz der Landeskirche vorgeworfen. Ihr Sprecher Martin Hoffmann, Rektor des Predigerseminars in Nürnberg, kritisierte erneut eine »zentralistische« Kirche, die auf jahrhundertealten Strukturen beharre.

Das »Forum Aufbruch Gemeinde« will am 7. Mai bei einem »Gemeindetag« in der Nürnberg Gustav-Adolf-Gedächtniskirche unter dem Motto »Wie reformfähig ist unsere evangelische Kirche?« Kirchenvorstände und Pfarrer über ihre Forderungen informieren. Geplant sei, einen »Gemeindebund« zu gründen, so Hoffmann, der sich für ein alternatives Finanzierungsmodell der Kirchengemeinden einsetzt.

Das Forum bemängelt die Finanzzuweisungen der Kirche »von oben«, den Landesstellenplan und das Immobilienmanagement der Kirche. Der neue Stellenplan entziehe den Kirchengemeinden immer mehr Arbeitsstunden für Sekretärinnen, Kirchenmusiker oder Mesner, sagte der Nürnberger Pfarrer Dieter Schlee. »Damit werden die persönlichen Kontakte zwischen der Kirche und den Gemeindemitgliedern ausgedünnt« und die Pfarrer würden der Gemeindearbeit und Seelsorge immer mehr entzogen.

Besonders schmerzliche Auswirkungen auf die Kirchengemeinden befürchtet Schlee durch das »Immobilienmanagement« der Landeskirche. Es zwinge die Ortsgemeinden, Rücklagen für ihre Gebäude zu bilden, die sie an den Rand des Ruins brächten. Allein seine Gemeinde der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche müsste in Zukunft jährlich 450000 Euro für diesen Zweck ansparen, rechnet Schlee.

Den Großteil ihres Kirchensteueraufkommens sollen Gemeinde in Zukunft selbst verwalten dürfen, fordert das Forum. Wenn Entscheidungen vor Ort getroffen sind, wie Gelder verwendet werden, »kann man das den Gemeindemitgliedern viel plausibler machen«, sagt der Fürther Pfarrer Hans-Ulrich Pschierer. Das Forum wünsche sich ein »Probedekanat«, in dem ein solches Finanzierungsmodell getestet wird.

Im »Forum Aufbruch Gemeinde« haben sich im Jahr 2008 fränkische Pfarrer und Theologen zusammengeschlossen, die von der Kirchenleitung mehr Rechte und mehr Geld für die rund 1540 evangelischen Ortsgemeinden verlangen. Der Gemeindetag am 7. Mai wird der dritte dieser Art nach Treffen 2008 und 2009 sein.

 

   www.aufbruch-gemeinde.de

 

 

 

epd