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Sonntagsblatt 39/ vom

Mein Freund kann nicht mit Geld umgehen

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Muss eine Partnerschaft an verschiedenen Vorstellungen über den Umgang mit Geld scheitern?

Mein Problem ist, dass mein Partner nicht mit Geld umgehen kann. Er gibt jeden Monat sein ganzes Gehalt aus und leiht sich dann noch oft Geld von mir oder von Freunden. Wenn ich ihn darauf anspreche, dass er Schwierigkeiten hat mit Geld und dass es so nicht geht, gibt es nur Streit.

Er behauptet, ich gönne ihm nichts und es sei ja schließlich sein Geld. Er wisse schon, was er tue. Er kauft nichts Unnötiges, aber das Geld geht drauf für Kneipenbesuche mit Freunden, für Restaurants und Fast Food. Ich möchte, dass wir ein bisschen sparen und habe Angst, dass wir niemals so etwas wie finanzielle Sicherheit bekommen. Wie kann ich ihn dazu bringen, dass er sich ändert?

Frau K. (34)

 

In Ihrem Brief spiegeln sich zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was das Leben lebenswert macht. Und vielleicht ist es gut, sich einzugestehen, dass es bei dem, was Sie beschreiben, nicht nur um Geld geht, sondern viel grundlegender um persönliche Vorstellungen davon, wie eine Beziehung aussieht und was in einer Beziehung wichtig ist.

Im Idealfall teilt ein Paar Vorstellungen davon, wie beide das gemeinsame Leben gestalten und was sie im Leben erreichen wollen. Es arbeitet an einem Ziel, das beide teilen und verwirklichen wollen. Sie sind sich einig darüber, was eine befriedigende Beziehung ausmacht. Diese Ziele und Werte, die jemand hat, sind nicht immer so leicht erkennbar.

Manchmal hilft es deshalb, wenn man sich das einmal klar macht und aufschreibt, was jeder persönlich darunter versteht. Was ist mir wichtig in meinem Leben? Was möchte ich erreichen? Dieses Aufschreiben gibt Ihnen beiden die Möglichkeit, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zu entdecken, ohne gleich darüber in Streit zu geraten. Sie können sehen, was jeweils für den anderen wichtig ist.

Wenn Sie diese Werte und Vorstellungen auch noch danach ordnen, was für Sie am wichtigsten ist, am zweitwichtigsten etc., dann können Sie sehen, welche Bedeutung finanzielle Sicherheit hat, verglichen mit anderen Dingen, die Ihnen beiden jeweils wichtig sind. Und statt über die eine oder andere Rechnung zu streiten, können Sie erkennen, wo Sie Ziele und Prioritäten teilen und worin Sie sich unterscheiden.

Aber im Moment stören Sie sich am Verhalten Ihres Partners. Wenn seine Art, mit Geld umzugehen, Sie so sehr stört, dann könnte es sinnvoll sein, wenn Sie zunächst einmal Ihr Verhalten ändern und aufhören, ihm immer wieder mit Geld auszuhelfen. Denn Ihr bewusster Umgang mit Ihrem Geld könnte für ihn durchaus ein Modell sein, wie man mit Geld auch umgehen kann.

Zugleich ist es aber auch wichtig, dass Sie für sich he-rausfinden, ob die unterschiedliche Sicht dessen, was das Leben lebenswert macht - großzügig sein beim Ausgehen mit Freunden oder sparsam auf finanzielle Sicherheit bedacht - wirklich ein unüberbrückbarer Gegensatz ist oder ob Sie darüber miteinander ins Gespräch und zu gegenseitigem Verständnis und Vereinbarungen kommen können.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck