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Dieser Artikel: Ausgabe 01/2012 vom 01.01.2012
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Was geschieht am 21. Dezember 2012?

Zwischen Weltuntergang und Bewusstseinssprung: Für 2012 häufen sich esoterische Endzeitprophezeiungen


Nach esoterischen Auslegungen des Maya-Kalenders wird um den 21. Dezember 2012 herum Ungeheuerliches passieren. Die Prognosen reichen vom Ende der Menschheit bis zur Ankunft von Außerirdischen. Seriöse Wissenschaftler bleiben gelassen.

Am Ende der Welt: Was uns Apokalyptiker und Weltuntergangspropheten für 2012 vorhersagen (siehe Buchtipps rechts).
Foto: Herder Verlag
   Am Ende der Welt: Was uns Apokalyptiker und Weltuntergangspropheten für 2012 vorhersagen (siehe Buchtipps rechts).

        

Im Kultroman »Per Anhalter durch die Galaxis« wird die Erde für eine Hyperraum-Schnellstraße durchs All von Außerirdischen gesprengt. Die schrille Satire des Briten Douglas Adams (1952-2001) könnte - folgt man den Warnungen esoterischer Kreise - leicht abgewandelt bald Wirklichkeit werden. Grund: Im Dezember 2012 nähere sich der mysteriöse Planet Nibiru mit seinen Bewohnern, den Annunaki, der Erde. Rund alle 3600 Jahre trete Nibiru in die inneren Regionen unseres Sonnensystem ein und verursache große Katastrophen, heißt es auf diversen Webseiten. Wissenschaftler halten das Ganze schlicht für Hirngespinste.

Voll Sorge blicken viele Esoteriker auch auf den Maya-Kalender, die bekannteste der Prophezeiungen im Umfeld des Datums 21. Dezember 2012: An diesem Tag ende abrupt der Langzeitkalender der alten mittelamerikanischen Kultur, heißt es. Dies sei zugleich das Ende der menschlichen Zivilisation, wird geraunt. Auch der Arzt und Astrologe Nostradamus soll bereits im 16. Jahrhundert für Ende 2012 großes Unheil prophezeit haben, genauso sollen die Hopi-Indianer eine Zeit großer Umwälzungen für dieses Schicksalsdatum vorausgesagt haben.

Ein Meteorit schlägt auf dem Planeten Erde ein. Oder begegnen wir im Jahr 2012 dem unfreundlichen Planeten Nibiru?
Foto: Polyband/Cinetext »Animal Armageddon«
   Ein Meteorit schlägt auf dem Planeten Erde ein. Oder begegnen wir im Jahr 2012 dem unfreundlichen Planeten Nibiru?

        

Zahlreiche Autoren warnen in Büchern, Vorträgen und Internet-Blogs: Um den 21. Dezember 2012 herum passiere Außerordentliches - vielleicht eine ungeheuerliche Katastrophe, vielleicht ein Quantensprung des menschlichen Bewusstseins, auf alle Fälle eine Umwertung von allem, was bisher da war. Der Bestseller-Autor und Altmeister der Grenzwissenschaften Erich von Däniken (76) glaubt zwar nicht an einen Weltuntergang, allerdings rechnet er mit einer Rückkehr von Außerirdischen. »Es kann 2012 sein - muss aber nicht«, heißt es auf der Homepage des Schweizers.

Esoterik-Experte Bernd Harder rät zu Gelassenheit. »Die Behauptung stimmt ja gar nicht. Der Maya-Kalender endet ja nicht«, sagt der Buchautor und Pressesprecher der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. »Unser Kalender endet ja auch nicht am 31. Dezember diesen Jahres, sondern er fängt einfach am anderen Tag wieder von vorne an«, ergänzt Harder, der auch Chefreporter des Magazins Skeptiker ist. »Was nächstes Jahr endet, ist die sogenannte lange Zählung des Maya-Kalenders, die dauert 5125 Jahre. Die läuft nach einer allgemeinen Übereinkunft nächstes Jahr am 21. Dezember aus und fängt am anderen Tag wieder bei Null an. Das ist alles.«

Offenbar ist die Aufregung um das Datum 21. Dezember 2012 auch eine Folge der Globalisierung. Überlieferte Prophezeiungen weit entfernter Kulturkreise rückten »ebenso in den Blickpunkt allgemeinen Interesses wie aktuelle Botschaften von Sehern, Schamanen und Visionären aller Art«, erklärt der Völkerkundler und Buchautor Heinrich Dosedla mit Blick auf Facebook, Twitter und Youtube.

Endzeiterwartungen seien einem »konjunkturellen Zyklus unterworfen«, weiß der Historiker und Experte für neue religiöse Bewegungen, Christian Ruch (Chur/Schweiz). Das Herbeisehnen des Endes »tritt immer dann auf, wenn die Zeit und Umwelt als belastend, ja unerträglich erfahren werden«. Apokalyptisches Denken sei »so etwas wie ein Notausgang aus der Gegenwart, Ausdruck des Empfindens, dass es 'so nicht weitergehen' kann«, schreibt Ruch im »Materialdienst« der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

Zu Spekulationen über einen Planeten Nibiru, der sich angeblich wieder einmal der Erde nähert und vor 3600 Jahren schon für die zehn biblischen Plagen verantwortlich gewesen sein soll, verweist Harder auf David Morrison vom Nasa-Institut für Astrobiologie. Auf dessen Webseite heißt es: »Nibiru und andere Geschichten über unberechenbare Planeten sind Internet-Scherze.« Es gebe dafür keine Basis an Fakten. Dennoch scheinen die Menschen weiterhin beunruhigt. Die Seite »Frage einen Astrobiologen« habe zu Nibiru mehr als 5000 Anfragen erhalten.

Die negativen und positiven Erwartungen, die an das Ende des Maya-Kalenders geknüpft werden, sind mitunter fantastisch. Dabei machen die alten Mayas weder für das Datum des Ablaufs noch für die Zeiten danach irgendwelche Vorhersagen.

Umgekehrt ist es im biblischen Buch der Offenbarung. Hier wird kein Datum genannt, es wird aber ein Zeitalter weltweiter Desaster ausführlich beschrieben. In ihren Grundzügen macht sie deutlich, was mit zunehmender Dramatik auf die Welt zukommt. Neben dem Schrecklichen, Düsteren enthält sie auch Lichtes und Prächtiges, Erhebendes, Trostreiches und Ermutigendes.

In seinem unlängst erschienenen Buch, »Das Zeitalter des 7. Siegels« (Buchtipp), legt der Autor Karl Otto Stöber dar, dass die Prophezeiungen der Offenbarung bereits ihre Schatten vorauswerfen. Im 8. Kapitel wird die weltweite Schädigung der Böden, der Meere und des Süßwassers angekündigt. Wer um die Schöpfung besorgt ist, der wird die visionären Aussagen der Offenbarung auf die Jetztzeit beziehen: »Es verbrannte ein Drittel des Bodens und der Bäume«, »Ein Drittel der im Meer lebenden Geschöpfe kam um«, »Ein Drittel des Wassers wurde bitter«.

Engel der Apokalypse in einem Stich aus der Reformationszeit.
Foto: PD
   Engel der Apokalypse in einem Stich aus der Reformationszeit.

        

Dass es sich bei den weltweiten Schädigungen der Schöpfung nicht um ein Strafgericht Gottes handelt, sondern um Verschulden der Menschen, erweist sich darin, dass es im 11. Kapitel, Vers 18 der Apokalypse heißt: »Die Völker waren in Rage, da kam Dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und Deine Diener zu belohnen: die Propheten und die Heiligen und alle, die Deinen Namen fürchten … und die zu vernichten, die die Erde zerstören.«

Stöber sieht das »Zeitalter des 7. Siegels« (Kapitel 8 der Offenbarung) bereits angebrochen. Was beim Lösen des letzten und 7. Siegels enthüllt wird, betrifft aus seiner Sicht die ganze Menschheit. Während beim Lösen der ersten Siegel die vier apokalyptischen Reiter durch alle Zeitalter galoppierten, haben wir es nun mit einem bestimmten, relativ kurz bemessenen Zeitraum zu tun, der mit der Wiederkehr Christi abschließt.

Zu den herausragenden Akteuren des globalen Szenarios im Zeitalter des 7. Siegels zählt die mystische »Hure Babylon«, die Johannes im 17. Kapitel, Vers 4 so beschreibt: »Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt. In ihrer Hand hielt sie einen goldenen Becher, der mit dem widerlichen Schmutz ihrer Hurerei gefüllt war.«

»Es verbrannte ein Drittel des Bodens und der Bäume«: Ist die Abholzung des Amazonas ein apokalyptisches Zeichen? Feuer ist wesentlicher Bestandteil der desaströsen Visionen im biblischen Buch der Offenbarung.
Foto: Petteri Sulonen / CC BY 2.0 via wikimedia commons
   »Es verbrannte ein Drittel des Bodens und der Bäume«: Ist die Abholzung des Amazonas ein apokalyptisches Zeichen? Feuer ist wesentlicher Bestandteil der desaströsen Visionen im biblischen Buch der Offenbarung.

        

Bislang wurde das Sinnbild der apokalyptischen Hure immer als die damalige Supermacht Rom gedeutet. Stöber verweist auf Offenbarung 17,15, wo Johannes einen Engel zitiert, der ihm die Frauen-Vision erklärt: »Du hast die Gewässer gesehen, an denen die Hure sitzt. Sie sind Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen.« Dann heißt es mehrfach, dass sie die ganze Menschheit mit dem Wein ihrer Unzucht betrunken macht.

Stöber sieht in der apokalyptischen Hure Babylon das Symbol einer Ära der Sucht, der Gier und des sittlichen Verfalls. Daneben verkörpert sie auch einen überschäumenden, großspurigen Wohlstand, der den Menschen das Gefühl gibt, keiner höheren Macht mehr zu unterliegen.

Aber Gott belehrt sie eines Besseren. - Johannes hört eine Stimme vom Himmel herab rufen: »Mischt ihr den Becher doppelt so stark wie sie selber ihn mischte! Gebt ihr soviel Trauer und Qual, wie sie sich selbst verherrlichte und in Luxus gelebt hat!«. Nach dem plötzlichen Fall der vergötterten Dirne herrscht weltweit das große Heulen (8. Kapitel).

Stöber stellt fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten die westlichen Überflussgesellschaften dem Geist der großen Hure immer stärker genähert haben. Er empfiehlt den übrig gebliebenen Christen, die Prophezeiungen der Apokalypse als Warnung zu betrachten und Gottes auslaufende Geduld ernster zu nehmen als den auslaufenden Kalender der alten Maya.

APOKALYPSE 2012?

BUCHTIPPS

Harder, Bernd: 2012 - oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben: Leitfaden für Endzeit-Liebhaber. Herder Verlag, 236 Seiten, Freiburg im Breisgau 2011.

  Harder, Bernd: 2012 - oder wie ich lernte, den Welt- untergang zu lieben: Leitfaden für Endzeit-Liebhaber. Herder Verlag, 236 Seiten, Freiburg im Breisgau 2011.

  Adams, Douglas: Per Anhalter durch die Galaxis, Heyne Verlag.

  Ruch, Christian: Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende? Apokalyptik versus Posthistoire. In: »Materialdienst« der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, 74. Jahrgang, 10/2011.

  Dosedla, Heinrich: Orakel, Seher, Visionäre - Weltuntergänge von der Sintflut bis 2012. Molden Verlag, 240 Seiten, Wien 2010.

  Stöber, Karl Otto: Das Zeitalter des 7. Siegels, Argo Verlag, 117 Seiten, 18 Euro.

INTERNET: www.gwup.org, astrobiology.nasa.gov

 

 

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abgerufen 25.07.2016 - 22:00 Uhr

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