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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2012 vom 07.10.2012
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»Das Leben nehmen, wie es kommt«

Susanne Breit-Keßler befasst sich in der Bioethik-Kommission mit der Adoption von Embryonen


Die Adoption von Embryonen ist in Deutschland noch verboten. Warum das auch künftig so bleiben sollte, erklärt die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in einem epd-Gespräch. Die Theologin gehört der bayerischen Bioethik-Kommission an, die sich im Oktober mit dem Thema befassen wird.

Susanne Breit-Keßler.
Foto: Pressefoto
   Susanne Breit-Keßler.

        

  Die Bioethikkommission im Freistaat Bayern befasst sich im Oktober mit der »Embryonenadoption«. Wie kam es dazu?

Breit-Keßler: Das Thema ist uns von Frauen des Vereins »Donum Vitae« und von Reproduktionsmedizinern angetragen worden. Donum Vitae geht es um den unbedingten Erhalt des Lebens, die Mediziner sorgen sich auch um das Leben, verfolgen aber daneben wirtschaftliche Interessen. Grundsätzlich geht es um die Frage, was mit eingefrorenen Embryonen in einem künstlichen Befruchtungsverfahren geschehen soll, wenn das Elternpaar kein Interesse mehr an den Embryonen hat.

  Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Breit-Keßler: In Deutschland ist eine Adoption von Embryonen (noch) verboten. Auch ist es nicht möglich, wie in den USA, Embryonen auf Vorrat einzufrieren. In amerikanischen Reproduktionskliniken sollen rund 600.000 Embryonen lagern. In Deutschland gibt es Bestrebungen verschiedener Gruppierungen, die eingefrorenen Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind, an Paare zu geben, die sich sehnlich ein Kind wünschen.

  Welche Probleme sind damit verbunden?

Breit-Keßler: Der Wunsch eines Paares, ein Kind bekommen zu wollen, ist das Normalste von der Welt. Er darf keinesfalls abgewertet werden. Aber man sollte im Zusammenhang der modernen Reproduktionsmedizin schon auch die Motive genauer beleuchten: Welche Bedingungen stellen Eltern an das potenzielle Kind? Welche Erwartungen haben sie? Wollen sie gar, wie in England bereits geschehen, ein Kind als »Ersatzteillager« für ein bereits geborenes, krankes Kind? Ich denke, unser christliches Menschenbild und die Erfahrungen aus der deutschen Geschichte lehren uns große Bedachtsamkeit.

  Wie sieht die Unterscheidung zwischen genetischen und sozialen Eltern aus?

Breit-Keßler: Die gebärende Frau ist die rechtliche Mutter des Kindes. Der genetische Vater aber bleibt zunächst weiterhin per Gesetz der Vater. Was wäre also, wenn das Kind einen genetischen Vater hat, der Multimillionär ist, aber in einer Familie lebt, die in Armut gerät - hat dieses Kind dann Anspruch auf das Erbe des genetischen Vaters, der es aber zur Adoption freigegeben hat? Darf es sein, dass ein Kind nie erfährt, woher es stammt? Darf es zum Objekt des elterlichen Handelns werden?

  Ein weiteres Problem ist die Kommerzialisierung der Reproduktionsmedizin.

Breit-Keßler: Die Medizin wird immer mehr ökonomisiert. In Ländern wie England, Russland oder Zypern geht es längst um Selektion: Da möchten die künftigen Eltern etwa eine Sportstudentin mit blonden Haaren gepaart sehen mit einem hoch intelligenten Akademiker. Die Embryonenadoption dort ist ein riesiges Geschäft. Viele Kliniken werben mit der Qualität der Embryonen und Samen. Da geht es nicht nur um die Frage, ob das künftige Kind ein Junge oder ein Mädchen sein soll, sondern hier wird gezielt nach Eigenschaften und Fähigkeiten ausgewählt.

  Je präziser die Auswahl, desto höher der Preis.

Breit-Keßler: Damit verbunden ist eine enorme Erwartungshaltung. Wenn Eltern eine solche Auswahl treffen, dann betrachten sie ihr Kind als Investition. Das erschreckt mich. Früher hat man gesagt: Die Frau ist guter Hoffnung. So einen Satz kann man heute weithin vergessen! Unsere Eltern haben uns noch genommen, wie wir »geliefert« wurden, mit allen Schwächen und schönen Seiten. Vielleicht hatten sie sich manchmal auch etwas anderes vorgestellt. Aber sie haben uns akzeptiert, wie wir waren. Es ist heillos, wenn Menschen versuchen, von der ersten bis zur letzten Sekunde steuernd und bestimmend in das Leben einzugreifen und so Gott zu spielen.

  Was möchten Sie erreichen?

Breit-Keßler: Ich sehe unsere Aufgabe darin, dafür zu werben, Kinder als Geschenk des Himmels und der Liebe anzusehen. Wir dürfen nicht alle Energie dafür aufwenden, ein bestimmtes genetisches Produkt zu erzeugen. Es geht auch darum, Menschen zu entlasten: Das Leben zu nehmen, wie es kommt, macht frei von allerlei Krämpfen, es hilft, Gottvertrauen neu zu entdecken. Denn es ist beglückend, wenn wir uns nehmen können, wie wir sind.

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Interview: Rieke C. Harmsen

 


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abgerufen 06.12.2016 - 13:05 Uhr

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