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Sonntagsblatt 14/ vom

Die ersten von Millionen

Gedenkgottesdienst für die ersten ermordeten Häftlinge des KZ Dachau


Vor 80 Jahren wurden die ersten Menschen im KZ Dachau ermordet: Ein Gedenkgottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau hat am Palmsonntag an sie erinnert.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer und Kantor Nicola David in der Jüdischen Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau.
Foto: Springer
   Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer und Kantor Nicola David in der Jüdischen Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau.

        

Drei junge Gegner des Nationalsozialismus aus Mittelfranken und ein jüdischer Kaufmann aus München waren in der Karwoche im April 1933 die ersten Mordopfer im KZ-Dachau. Die Namen von Rudolf Benario, Ernst Goldmann, Arthur Kahn und Erwin Kahn sowie ihr Lebenslauf wurden bei einem Gedenkgottesdienst mit dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte verlesen.

Zu den Besuchern in der überfüllten Kirche zählten auch Vertreter der christlichen Kirchen, Mitglieder jüdischer und islamischer Gemeinden sowie von Gewerkschaft und Parteien einschließlich der DKP.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden Gedenkkerzen zur benachbarten Jüdischen Gedenkstätte getragen, wo Kantor Nicola David (Augsburg/Berlin) ein jüdisches Gebet vortrug.

Auf dem Weg über das Lagergelände von der Versöhnungskirche zur Jüdischen Gedenkstätte.
Foto: Springer
   Auf dem Weg über das Lagergelände von der Versöhnungskirche zur Jüdischen Gedenkstätte.

        

Das KZ Dachau war am 22. März 1933 nur wenige Wochen nach Hitlers Machtübernahme als eines der ersten von den Nationalsozialisten errichtet worden. Es unterstand zunächst der bayerischen Polizei und wurde dann von der SS übernommen. Am 12. April erschossen SS-Wachmänner die ersten vier Gefangenen, um alle Inhaftierten einzuschüchtern, wie der Versöhnungskirchenpfarrer und Historiker Björn Mensing erklärte.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ging in dem Gottesdienst zum 80. Jahrestag der Errichtung des KZ Dachau auf das kirchliche Versagen in der NS-Zeit ein. Auch von den Kirchen habe es keine Proteste gegeben, obwohl die Verbrechen frühzeitig bekannt waren. Er bitte heute Gott und die Menschen um Vergebung, »die hier gefoltert und gequält worden sind und vergeblich unsere Solidarität ersehnt haben«.

Bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte sei heute immer wieder ein Gefühl der Fassungslosigkeit zu spüren. Es frage sich, »wie das alles geschehen konnte, ohne dass es einen Sturm der Entrüstung gab«, sagte Bedford-Strohm in seiner Predigt. Die Menschen, »die hierher gebracht und gequält wurden«, waren oft die Tapfersten, »weil sie sich für eine bessere Welt eingesetzt haben, in der die Schwachen geschützt sind, in der der Krieg geächtet ist«. Bis zur Befreiung des KZ Dachau 1945 wurden dort rund 40000 Menschen getötet.

Der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau und KZ-Überlebende Max Mannheimer sagte in dem Gottesdienst, die Gräuel der Nazis dürften »nie vergessen werden«. Er forderte ein Verbot der NPD, um »ein deutliches und glaubhaftes Zeichen einer wehrhaften Demokratie zu setzen«. Die bundesdeutsche Gesellschaft müsse damit aufhören, Steuergelder für rechtsradikale Propaganda auszugeben.

 

  Internet:  www.versoehnungskirche-dachau.de

 

 

brt / ms