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Dieser Artikel: Ausgabe 03/2014 vom 19.01.2014
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Große Fragen - Antworten in 140 Zeichen

Die iPhone-App »Big Questions? Short Answers!«


Der Münchner Religionslehrer Sebastian Freisleder will mit einem Programm für iPhone und iPad zum Philosophieren in 140 Zeichen einladen: Kurze Antworten auf die großen Fragen des Lebens sollen die Menschen ins Gespräch miteinander bringen.

Große Fragen? Kurze Antworten! Die App des Münchner Religionslehrers Sebastian Freisleder (unten) lädt zum unterhaltsamen Philosophieren im Twitter-Stil ein.
Foto: Website
   Große Fragen? Kurze Antworten! Die App des Münchner Religionslehrers Sebastian Freisleder (unten) lädt zum unterhaltsamen Philosophieren im Twitter-Stil ein.

        

Ein gekipptes Fragezeichen, das aussieht wie die auf der Seite liegende »8«, die Unendlichkeit symbolisiert: Das Logo der App »Big Questions? Short Answers!« erinnert daran, dass die großen Fragen des Lebens ewige, ja »unendliche« Fragen sind. Fragen wie »Woran erkennt man wahre Liebe?«, »Was würde es ändern, wenn Sie den Moment Ihres Todes wüssten?« oder »Welche Wahrheit ist unerträglich?« oder auch »Was begreifen Sie nicht am anderen Geschlecht?«.

Begegnet sind solche Fragen dem Münchner Sebastian Freisleder natürlich schon immer. Vor allem aber im Unterricht, denn der 35-Jährige ist Gymnasiallehrer für Evangelische Religionslehre und Deutsch. Irgendwann hat Freisleder dann angefangen, die Fragen zu sammeln - noch ohne genau zu wissen, wo die Sache hinführen könnte.

60 Milliarden Downloads

Dann die Idee: Schlägt sich nicht jeder von uns irgendwie mit diesen Fragen herum? Was denken eigentlich andere dazu? Was halten sie von meinen Antworten? Und ließe sich das alles - große Fragen, kurze Antworten und der Austausch mit anderen - nicht in eine spannende App für iPad & Co. packen?

»Ich habe mich eher unbedarft auf das Projekt eingelassen«, sagt Freisleder, der inzwischen im Münchner Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) für den Programmbereich »Evangelische Religion« zuständig ist.

Kosten von einigen Tausend Euro: Sebastian Freisleder.
Foto: privat
   Kosten von einigen Tausend Euro: Sebastian Freisleder.

        

Am Ende kostete es ihn einige Tausend private Euro, zusammen mit einem kleinen Team von Grafikern und Softwareentwicklern die Idee zum Programm »Big Questions? Short Answers!« zu machen - und als kostenlosen Download in Apples App-Store zu bringen. Mit einer Vollversion zum Preis von 2,69 Euro hofft Freisleder, wenigstens einen Teil der Kosten wieder einzuspielen.

Die Konkurrenz ist hart auf Apples boomender Verkaufsplattform: Täglich erscheinen mehrere Hundert neue Programme. Für Endverbraucher »sichtbar« zu sein kostet teures Werbegeld. Und dann streicht Apple auch noch satte 30 Prozent von allen Verkäufen ein. Trotzdem lohnt sich das Geschäftsmodell für immer mehr Anbieter: Insgesamt 13 Milliarden US-Dollar habe man bisher an die Entwickler ausbezahlt, verkündete im Oktober der Chef des kalifornischen Konzerns, Tim Cook. Über eine Million Anwendungen gibt es inzwischen. Seit seinem Start vor sechs Jahren verzeichnete der virtuelle Laden sagenhafte 60 Milliarden Downloads.

Gewaltige Umsätze spülen den Software-Schmieden sogenannte »Freemium«-Spiele wie »Candy Crush« oder »Die Simpsons« in die Kassen. Die Programme kommen zwar kostenlos daher und machen anfangs mächtig Spaß, doch wer dann erfolgreich weiterspielen will, wird zur Kasse gebeten.

Freisleders »Big Questions? Short Answers!« folgt diesem Prinzip - und ist doch anders, was bereits einige Store-Rezensenten und Medien dankbar aufgegriffen haben.

Ein Profil ist schnell angelegt (die angegebene E-Mail wird nicht überprüft). Dann die erste Zufallsfrage. Sie ist spannend, aber grammatikalisch nicht ganz sattelfest formuliert: »Was entgeht Menschen mit Kindern? Was entgeht Menschen ohne Kindern?«

Wir sehen erst mal nach, was andere sagen. »Cooper« formuliert kenntnisreich: »Mit: Schlaf. Ohne: Freude und Sinn.« Wir müssen lachen, und »Cooper« bekommt von uns einen Stern: Über drei kleine Symbole können wir die Antworten anderer nämlich positiv bewerten, mit anderen Nutzern über die Frage in Kontakt treten - oder soziale Kontrolle ausüben: Wer auf eine anstößige Antwort trifft, soll sie über ein kleines Polizistensymbol »melden«.

So richtig viel los ist noch nicht in der »Big Questions«-Gemeinschaft. Unser Stern katapultiert »Coopers« Antwort sowohl an die Spitze der Liste »Top Woche«, wo die beliebtesten Antworten der letzten sieben Tage auf eine Frage angezeigt werden, als auch an die Spitze der Liste »Top Gesamt«. Aber das Programm ist erst seit Ende Dezember auf dem Markt.

Neugier auf die Antworten der anderen

Nächste Zufallsfrage: »Welchen Sinn hat Krankheit?« Schon schwieriger. Da lugt die Theodizeefrage ums Eck, die Frage also, warum Gott das Leiden zulässt. Diesmal wollen wir keine Beeinflussung und antworten: »Den Sinn, den wir ihr geben. Leichte Krankheiten stärken, schwere lassen uns unser Leben überdenken.« Wir entscheiden uns, diese Antwort zu veröffentlichen. Sie ist jetzt auch für alle anderen lesbar. »Big Questions? Short Answers!« kann man aber auch ganz privat und ohne dass andere mitlesen »spielen«. Gespeicherte Antworten lassen sich später erneut aufrufen und bearbeiten.

Neugierig auf die Antworten der anderen stellen wir fest, dass wir nicht sonderlich kreativ waren. So ähnlich haben das auch drei andere geschrieben - »Cooper« ist erneut dabei. »Roger Sterling« bekommt für: »Notbremse. Jedenfalls manchmal.« einen Stern.

Schon ist man mittendrin im Philosophieren im Twitter-Stil mit 140 Zeichen: Von der hypothetischen Frage »Was würde es ändern, wenn Sie den Tag Ihres Todes wüssten?« (bei der uns Montaignes unüberbietbarer Aphorismus einfällt, wonach alles Philosophieren sterben lernen heißt) über die Frage nach dem »sichersten Weg ins Unglück« bis zur sehr konkreten ethischen Frage: »Wovon haben Sie zu viel?« (»Elch« meint: »Peinliche Erinnerungen und Aktenordner«.)

»Erschöpfende« Antworten lassen sich in 140 Zeichen kaum geben - und das ist gut so. Jede Antwort bleibt damit vorläufig und subjektiv, kann aber auch aphoristisches Niveau erreichen.

40 Fragen gibt es in der Gratisversion. Bei 20 Themenbereichen von »Ich« über »Körper«, »Sex«, »Gut & Böse«, »Religion«, »Leben« und »Tod« mit jeweils nur zwei Fragen steht man schnell vor dem Hinweis »Jetzt Vollversion kaufen«. Wer die erwirbt, hat Zugang zu allen 400 Fragen und kann auch hier die Antworten anderer Nutzer lesen.

Auch auf Englisch gibt es die App. Wer will, kann die Sprache seines iPhones oder iPads umstellen und lesen, was englischsprachige Nutzer der App geschrieben haben.

Menschen aus aller Welt haben die App bereits heruntergeladen, sagt Freisleder - Menschen aus Brasilien, Australien, Asien, Russland, sogar einer aus dem Sudan ist dabei. Knapp 400 registrierte Nutzer sind es derzeit, aber es müssten noch mehr sein, damit die Sache so richtig Spaß macht. Denn gerade bei den »Big Questions« hat der kommunikative Aspekt besonderen Reiz.

Gibt es etwas, das der evangelische Religionslehrer »evangelisch« findet an seinem Projekt? Freisleder antwortet mit dem protestantischen Theologen Paul Tillich: Wenn »Religion das ist, was uns unbedingt angeht«, dann steckt in seinen »Big Questions« eine Menge Religion. Und dann lassen sich auf diese Fragen auch christliche, evangelische Antworten geben.

 

  Internet:  www.big-questions.com und im  iTunes-Store

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Markus Springer

 


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abgerufen 29.07.2016 - 12:09 Uhr

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