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Sonntagsblatt 07/ vom

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Ab 21. Februar zeigt das Würzburger Museum am Dom eine Traut-Retrospektive


Die Kunstsammlung der Diözese Würzburg hütet den Nachlass zu Lebzeiten von Benedikt Werner Traut. Zu dessen 80. Geburtstag konnten die Ausstellungsmacher aus Hunderten von Werken wählen.

Der Farbholzschnitt »Warten« misst beachtliche 60 mal 60 Zentimeter.
Foto: Stecher
   Der Farbholzschnitt »Warten« misst beachtliche 60 mal 60 Zentimeter.

        

Die Prägung Bruder Benedikts in den 1950er Jahren ist manchem Blatt abzulesen. Gisela Andersch (Malerin und Grafikerin, 1913-87) fällt dem Betrachter ebenso ein wie HAP Grieshaber (Grafiker und bildender Künstler, 1909-81). Die wichtigste Entscheidung in diesem Jahrzehnt traf der Kölner 1957. Da trat er in die evangelische Communität Christusbruderschaft im oberfränkischen Selbitz ein.

Was keinen Abschied von der Welt bedeutete: 1962 studierte Traut an der Hochschule für Gestaltung in Nürnberg, um seine Fertigkeiten anschließend im Kloster einzubringen. Er richtete in Selbitz die Druckwerkstatt ein, die viele Gotteshäuser mit großformatigen Farbdrucken aussstattete.

Benedikt Werner Traut (80).
Foto: pr
   Benedikt Werner Traut (80).

»Einen der bedeutendsten Vertreter des Farbholzschnitts im deutschen Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts« nennt der Würzburger Kunsthistoriker Wolfgang Schneider den Jubilar, dem es bei seinen Landschaften stets auf spirituelle Räume ankommt, nie aufs Abbilden einer touristisch erschließbaren Tatsächlichkeit.

Kunst ist für ihn die »ästhetische Dimension des Glaubens«. Er möchte »Zeichen der Stille und des Friedens setzen, Verbindungen schaffen zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, die großen Flächen und Bogen zu Zeichen werden lassen, die uns mit Gott, mit unserer Heimat und untereinander verbinden.«

Dass das auf Farbflächen ebenso geschieht wie in Betonreliefs, ist kein Wunder. Die Druckstöcke beim Holzschnitt wiesen ihm diesen Weg ins Dreidimensionale. Daneben zeigt die Ausstellung, die bis zum 1. Juni zu sehen sein wird, Trauts linienorientierte Zeichnungen sowie einige Druckstöcke, an denen sich schichtenweise studieren lässt: Wie haben Sie das gemacht, Bruder Benedikt?

Als weitere Frage steht im Raum: Wieso stellt ein evangelischer Bruder sein Werk einer katholischen Sammlung zur Verfügung? Das sei, erklärt der Fast-Achzigjährige, der als externer Ordensmann in Gundelfingen bei Freiburg lebt, ein »langer, langer Weg« gewesen, nachdem er sich dem Problem gestellt habe, was mit seinem künftigen Nachlass geschehen solle.

Der erste Schritt: Seine Kunstwerke mussten erst einmal von der Communität freigegeben werden. Was das Würzburger Dommuseum betrifft, sei er »nicht größenwahnsinnig: Ich hab mich nicht getraut, bei einem so renommierten Museum anzufragen.«

Stattdessen bot er in über 100 Briefen und Faxen seine Kunst an, auch der Münchner Sammlung der evangelischen Kirche. Zu seinem Bedauern bekam er Absagen, bis ihn der befreundete Marburger Theologieprofessor Horst Schwebel doch noch einmal auf die Würzburger aufmerksam machte. Und die Unterfranken waren, vor allem in Gestalt des Museumsleiters Jürgen Lenssen, sehr angetan von einer weiteren Zustiftung zu ihren großen Beständen. Benedikt Werner Traut ist sich sicher: »Hier wird mein Werk auch über meinen Tod hinaus fachmännisch verwaltet.«

Lenssen, Kunstreferent der Diözese Würzburg, sieht nicht bloß die Vermehrung seines Bilderhorts. Für ihn lässt Benedikt W. Trauts Kunst »ein Mehr an Leben erfahren«, und durch seine Stiftung an das Museum setze der Künstler »diesen seinen Dienst am Menschen auf Zukunft hin fort«. Lenssens Haus »möchte in den Menschen das Woraufzu des Lebens anstoßen«. Bruder Benedikt, so der Katholik Lenssen, sei »in seinen Werken hierfür der Wegbegleiter schlechthin«.

 

 

Joachim Fildhaut