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Sonntagsblatt 22/ vom

Keine Germanen

Denkmalpfleger verwerfen Pfarrerthesen zur Schäferkapelle von Rasch


Mit Forschungen über die vermeintlich germanischen Wurzeln der Schäferkapelle in Rasch (Dekanat Altdorf) hat Pfarrer Ullrich Kleinhempel Gemeinde und Wissenschaft in Aufregung versetzt (Sonntagsblatt 1/2014). Nun hat das Landesamt für Denkmalpflege die Kapelle untersucht. Die Expertise vermeidet jeglichen Germanen-Bezug.

Ullrich Kleinhempel hat die Verzierungen über den Fenstern der Schäferkapelle als germanische Runen identifiziert. Das Landesamt für Denkmalpflege hält sie für spätgotische Arbeiten.
Foto: Sauerbeck
   Ullrich Kleinhempel hat die Verzierungen über den Fenstern der Schäferkapelle als germanische Runen identifiziert. Das Landesamt für Denkmalpflege hält sie für spätgotische Arbeiten.

        

Kleinhempel hatte seine Thesen mit der uralten Tradition des Kirchstandorts und mit verschiedenen baulichen Befunden begründet, vor allem mit den runenförmigen Zeichen über den Fenstern der Schäferkapelle.

Das Gutachen, das nach einer Ortsbesichtigung durch Oberkonservator Thomas Aumüller (München) entstand, sieht Kleinhempels Runen in viel nüchternerem Licht. Hier ist lediglich von »aufgeputzten Putzfaschen, also einem leicht erhöhten Rand« über den Fenstern die Rede. An drei Fenstern seien diese Faschen »zu Zierformen weitergeführt, die ein Maßwerk abbilden, wie es auch über gotischen Steinportalen häufiger vorkommt«. Aumüller erkennt in diesen Faschen keinen Wodansraben, sondern »eine Art Raute«, »eine Art X« und eine »Kreuzblume«. Stilistisch seien die Zierformen mit Maßwerk zu vergleichen, das man in Dinkelsbühl als Arbeit des späteren 15. Jahrhunderts identifiziert habe.

Die bei Ausgrabungen gefundenen Votivgaben, die Kleinhempel in Zusammenhang mit archaischen »Schäferritualen« brachte, erklärt Aumüller als Grabbeigaben des späten Mittelalters. Auch Kleinhempels Analyse, das Gebäude sei ursprünglich - wie bei den Germanen üblich - in Nord-Süd-Ausrichtung gebaut worden, lehnt der Oberkonservator ab: »Die Richtung Ost-West entspricht dem üblichen christlichen Bauschema.«

Die Schäferkapelle steht unterhalb der Michaelskirche auf einem Hügel über der Schwarzach.
Foto: Sauerbeck
   Die Schäferkapelle steht unterhalb der Michaelskirche auf einem Hügel über der Schwarzach.

        

Was im Gutachen nicht ausdrücklich drin steht, fasst Dekan Jörg Breu zusammen: »Weder der Wodansrabe über dem Fenster noch die germanischen Wurzeln der Schäfertänze sind identifizierbar«.

Die Tatsache, dass das Rascher Kirchenensemble an einem prominenten Platz steht, der möglicherweise schon in vorchristlichen Zeiten als Kultort diente, dürfe nicht zum Spekulieren verführen: »Wenn du im Wald Hufgetrappel hörst, dann denke an ein Pferd und nicht an ein Zebra.«

Erfreulich an Kleinhempels Publikation findet der Dekan, dass sie der Gemeinde den hohen historischen Wert ihrer uralten Kirchengebäude vor Augen geführt habe.

 

 

Thomas Greif