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Sonntagsblatt 30/ vom

ZEITZEICHEN


Kunst ist vergänglich, das hat schon Friedrich Schiller in seinem »Prolog zu Wallenstein« festgehalten: »Schwer ist die Kunst, vergänglich ist ihr Preis.«

Wie schnell es gehen kann, hat jetzt der Darmstädter Künstler Ralf Kopp erleben müssen. Seine Kunstaktion zum Thema »Gier frisst Vertrauen« vor der Katharinenkirche in der Bankenstadt Frankfurt am Main fand schon nach einem Tag ein jähes Ende. Kopp hatte das Wort »Vertrauen« aus 54 000 Ein-Cent-Münzen auf dem Boden vor der Kirche ausgelegt. Er wollte testen, ob »Vertrauen« stärker ist als die Gier nach Geld.

Ursprünglich sollte der Geldhaufen 14 Tage lang gezeigt werden, Kopp wollte mit einer Kamera die Veränderungen festhalten. Zunächst lief es für Kopp ganz gut. Manche hatten weitere Geldstücke und sogar Fünf-Euro-Scheine dazugelegt. Doch bereits in der ersten Nacht wurde das Kunstwerk von unbekannten Tätern abgeräumt.

»Wenn ein Obdachloser das Geld genommen hat, finde ich das sogar in Ordnung«, meinte Kopp.

Allerdings ist das kaum möglich. Ein kräftiger Mann könnte wegen des hohen Gewichts höchstens bis zu 120 Euro in Ein-Cent-Münzen tragen. (Schwer ist die Kunst!)

Vermutlich kamen die Täter mit einer Schubkarre, oder die städtische Kehrmaschine hat die Münzen abgeräumt.

Von einer Strafanzeige will Kopp absehen, da das Verschwinden des Objekts mit eingeplant gewesen sei. Kopp weiß jetzt: »Menschen sind Sünder.«

Vom schnellen Ende der Aktion will er sich dennoch nicht entmutigen lassen. In Berlin plant er nun ein neues Projekt: »Gier frisst Demokratie«. Dabei soll das Wort »Demokratie« aus Ein-Cent-Stücken geformt werden. Auch Demokratie ist manchmal schwer ...

fra