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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2015 vom 22.03.2015
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Kreuz und Kopftuch im Klassenzimmer

Der Streit ums muslimische Kopftuch geht weiter - in den Schulen

Kommentar von Markus Springer

Das Bundesverfassungsgericht hat ein Urteil gefällt, die Debatte geht weiter. Ein generelles Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen, wie es unter anderem in Bayern gilt, verstößt gegen die Religionsfreiheit, verkündeten Deutschlands oberste Richter am vergangenen Freitag.

Ist das Urteil ein längst fälliger »Meilenstein bei der Anerkennung der Muslime in der deutschen Gesellschaft«? Davon ist nicht nur der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, der liberale Muslim Mouhanad Khorchide, überzeugt.

Oder ist das Votum des Bundesverfassungsgerichts eher »kein weises Urteil«? Das meint die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün (SPD), auch sie eine liberale Muslima. Das Kopftuch, so Akgün, sei einst vom politischen Islam bewusst konstruiert worden. Es gehe beim Kopftuch »immer darum, die Frau aus der Gesellschaft irgendwie auszuschließen«.

Skurril: Die Schulen sollen nun entscheiden, ob durch Kopftücher eine »konkrete Gefahr oder eine Beeinträchtigung des Schulfriedens« ausgeht.
Foto: sob
   Skurril: Die Schulen sollen nun entscheiden, ob durch Kopftücher eine »konkrete Gefahr oder eine Beeinträchtigung des Schulfriedens« ausgeht.

        

Akgün dürfte Applaus von Alice Schwarzer sicher sein: Nicht nur für die Grande Dame des deutschen Feminismus folgt das muslimische Kopftuch (genau wie die Burka) einem Menschenbild, demzufolge Frauen unrein und dem Mann nachgeordnet sind. Der Schleier hat den Sinn, die durch das bloße Frausein verlorene Würde wiederzuerlangen. Eine unverschleierte Frau ist demnach würdelos.

Das Karlsruher Urteil macht Kopftuchverbote nun von konkreten Konflikten oder einer konkreten Gefahr für die staatliche Neutralität oder den Schulfrieden abhängig. Damit wird die Entscheidung über das muslimische Kopftuch in die Schulen verlagert. Und dort geht der Streit womöglich erst richtig los.

Das muslimische Kopftuch demonstriert bewusste Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft. Welches Signal geht von einer Kopftuch tragenden Lehrerin aus? Verlierer des Urteils sind die moderaten, säkularen Muslime in Deutschland. Lehrerinnen sind Vorbilder. Vom religiös-politischen Statement des Kopftuchs geht Druck aus, wenn muslimische Schülerinnen das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie ihr Haar zeigen.

Bemerkenswert: Zustimmung zum Karlsruher Urteil kommt sowohl aus den Kirchen wie von jenen, die deren bisherige Privilegien bekämpfen. Beide Seiten erhoffen sich von dem Urteil eine Stärkung ihrer Position - im einen Fall eine Stärkung der Religion im öffentlichen Raum, im anderen Fall die Schwächung von Kirchenprivilegien.

Weder Staatskirche wie in England oder Schweden noch strikte Trennung wie in Frankreich oder den USA: Die »mittlere« Beschaffenheit des Verhältnisses von Kirche und Staat in Deutschland ist nicht ohne Widersprüche zwischen (Grund-)Rechtsprinzipien zu haben.

Nach wie vor gibt es zwar gute Gründe, zwischen dem Kopftuch einer Ordensschwester und dem muslimischen Kopftuch zu unterscheiden. Nach dem Kopftuchurteil ist es aber noch schwieriger geworden, die Privilegierung des christlichen Bekenntnisses in Deutschland zu behaupten.

Anders gesagt: Wer Kreuze in Klassenzimmern will, muss künftig mit Kopftüchern darin leben.

Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer

 

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abgerufen 26.07.2016 - 12:14 Uhr

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