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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
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»Dann ändert sich wirklich was«

Projektergebnisse »Berufsbild Pfarrer« bei bayerischem Pfarrerinnen- und Pfarrertag vorgestellt


Zum Abschluss der Beteiligungsphase des Projekts »Berufsbild Pfarrer« lud Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am vergangenen Samstag (19. September) alle Pfarrerinnen und Pfarrer der bayerischen Landeskirche nach Nürnberg in die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche ein. 650 kamen und erhielten die Ergebnisse des Konsultationsprozesses vorgestellt. Die bayerischen Pfarrerinnen und Pfarrer sollen in Zukunft von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, damit sie sich mehr auf ihre theologischen Kernaufgaben konzentrieren können.

Pfarrberuf auf neuen Wegen.
Foto: imago/epd
   Pfarrberuf auf neuen Wegen.

        

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, haben Pfarrer der bayerischen evangelischen Landeskirche in einem Projekt zweieinhalb Jahre über ihr Pfarrerbild nachgedacht. Beim ersten Pfarrerinnen- und Pfarrertag am Wochenende in Nürnberg hat der Leiter des Projekts »Berufsbild Pfarrer«, der Nürnberger Oberkirchenrat Stefan Ark Nitsche, die Ergebnisse des Konsultationsprozesses vorgestellt. Auf dem Weg zu einem neuen Berufsbild von Pfarrern müssten deren Kompetenz als Theologen und ihre spirituelle Existenz gestärkt werden, so Nitsche.

Die »spielentscheidenden Punkte«, sagte Nitsche gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), seien an theologischen Gedanken gewachsen. Nach 100 Studientagen und Konferenzen, an denen 2000 Personen beteiligt waren, liegen unter anderem 21 Beschlussvorlagen für die Tagesordnungen von Landessynode und Landeskirchenrat vor. Wenn die Synode und der Landeskirchenrat überzeugt würden, »unseren Vorschlägen zu folgen, dann ändert sich wirklich was«, so Nitsche.

Unter anderem soll über die Verteilung der Religionsunterrichtsstunden neu nachgedacht werden. Bereits auf den Weg gebracht sind Regeln für den Umgang mit Vakanzen. Außerdem soll der Beruf der Pfarramtssekretärin zur Entlastung der Pfarrer in den Blick genommen werden.

In den vergangenen Jahren hätten Pfarrer schleichend immer mehr Aufgaben als »Manager eines mittleren Unternehmens« übernommen. »Da müssen wir genauer hinschauen und Aufgaben besser verteilen«, so der Projektleiter. Das Miteinander der Berufsgruppen müsse neu sortiert werden. Ohne dass mehr Geld benötigt werde, könne hier viel gemacht werden. Die Kirche müsse »vielleicht auf etwas verzichten, was unter Umständen aber nicht mehr dran ist«, erklärte Nitsche.

»Das Überraschendste an dem Berufsbild-Prozess war, dass es nicht 2000 verschiedene Pfarrerbilder gibt, sondern dass wir uns weitgehend einig sind«, fasste Nitsche vor den 650 bayerischen Pfarrern in der Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche zusammen. Für die Beteiligten sei das Wesentliche ihres Berufes, ihre theologische Kompetenz und ihren pastoralen Dienst ausüben zu können. Einig war man sich in einer Liste von sieben Grundaufgaben von der Verkündigung über die Kasualien zu den diakonischen Aufgaben und der Gemeindeleitung. Diese Liste sei »nicht revolutionär, aber sie dient der Selbstvergewisserung«, so der Personalreferent der Landeskirche, Helmut Völkel.

Problembereiche an denen bereits beim Pfarrertag in Nürnberg weiter gearbeitet wurde, sieht Völkel in Sachen Leitungskompetenz, ebenfalls in der Zusammenarbeit der Pfarrer mit anderen Berufsgruppen in der Kirche und dem Feld der Aus- und Fortbildung.

Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte in seiner Andacht, in einer modernen pluralistischen Gesellschaft müssten die Pfarrer nicht alle Erwartungen erfüllen. »Wir dürfen neue Wege gehen, aber nicht alle möglichen Wege«.

Der »Pfarrer der Zukunft« muss sich nach seiner Ansicht gut strukturieren und über Prioritäten nachdenken. »Wir werden auch etwas schuldig bleiben müssen«, sagte er. Bedford-Strohm ist davon überzeugt, dass der Beruf des Pfarrers in Zukunft in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Es werde immer deutlicher, »dass wir auf so etwas wie eine soziale Infrastruktur angewiesen sind«, sagte der Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende. Den Nürnberger Pfarrerinnen- und Pfarrertag halte er daher auch für »ein Signal für die Bedeutung des Pfarrberufs«.

        

DAS STICHWORT: DER PFARRERBILD-PROZESS

  Etwa 2,4 Millionen Protestanten gibt es in der evangelischen Landeskirche in Bayern. Für sie und mit ihnen tun derzeit etwa 2400 Pfarrerinnen und Pfarrer ihren Dienst. In den kommenden Jahren werden rund 1000 Seelsorger in den Ruhestand gehen.

  Mit der Zukunft des Pfarrerberufs befasst sich seit 2013 ein Verfahren »Berufsbild Pfarrer«. Es wurde mit einem Beschluss der Landessynode im Herbst 2013 in Hof in Gang gesetzt. Den Antrag hierfür hatte die Dekanatssynode Rosenheim gestellt, die sich um die Gesundheit der Pfarrer sorgte und eine enorme Arbeitsbelastung der Pfarrer beklagte.

  Der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche wurde mit der Leitung des Prozesses beauftragt. Unter seiner Federführung haben sich nun bei Studientagen und Symposien und anderen Möglichkeiten die Berufsgruppen und Ehrenamtliche in der Kirche mit Aufgaben und der Identität des Pfarrers und der Pfarrerin befasst.

  In dieser sogenannten »Beteilungsphase« wollte man »hören und klären, was dran ist«, so Nitsche. Während dieser Zeit gab es aber auch schon ein konkretes Ergebnis: Ein Elf-Punkte-Plan regelt, wie mit Vakanzen und Vakanzvertretungen umgegangen wird.

  Offizielles Ende dieser ersten Phase ist ein Pfarrerinnen- und Pfarrertag in Nürnberg. In der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche werden am 19. September 650 Teilnehmer die Erträge des bisherigen Prozesses zusammentragen. Die Ergebnisse sollen gebündelt und ausgewertet werden, um anschließende notwendige Veränderungen anzugehen, ist der Plan. Man werde Landeskirchenrat und Landessynode vorschlagen, »an welchen zentralen Stellschrauben« gedreht werden müsse, erklärt Nitsche.

  Kritik an dem Pfarrerbild-Prozess kam von der Initiative »Aufbruch Gemeinde«. In dem Verfahren dokumentiere sich »ein zentralistisches, obrigkeitliches Kirchenbild, das Gemeinden nur als Objekte der Betreuung und Versorgung sehen kann«, erklärten die Pfarrer Martin Hoffmann und Karl-Friedrich Wackerbarth im »Korrespondenzblatt« der bayerischen Pfarrer. Dieses Bild widerspreche dem evangelischen Verständnis des »Priestertums aller Gläubigen«. Kirche sei »voll und ganz in Gemeinden präsent«, darum dürften die Kirchenvorstände nicht übergangen werden.

BERUFSBILD PFARRER

Was ist ein Pfarrer? Stefan Ark Nitsche ist für das Projekt »Berufsbild Pfarrer« der bayerischen Landeskirche verantwortlich. » lesen!

Was ist ein Pfarrer? Was ist eine Pfarrerin? Sonntagsblatt-Umfrage zum Pfarrertag in Nürnberg. » lesen!

»Dann ändert sich wirklich was«. Projektergebnisse »Berufsbild Pfarrer« bei bayerischem Pfarrerinnen- und Pfarrertag vorgestellt. » lesen!

»Welche Art von Kirche sind wir?« Der Gemeindebund Bayern kritisiert die geplante »Musterdienstordnung« der Landeskirche. » lesen!

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epd/jo

 


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abgerufen 31.08.2016 - 08:00 Uhr

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