Home Artikel-ID: 2015_38_01_04
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 25.08.2016
Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 38/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Vier Porträts (I): Die Dorfpfarrerin

So eine kleine selbstständige evangelische Gemeinde wie Geilsheim in Mittelfranken gibt es wohl sonst in ganz Bayern nicht


Verschlungene kleine Straßen führen in das kleine Dorf Geilsheim drei Kilometer südöstlich des fränkischen Hesselberggemeinde Wassertrüdingen. Rund 480 Einwohner hat der Weiler heute noch, aber nach wie vor eine eigene Pfarrerin.

Die Dorfpfarrerin: Sabine Theilacker-Dürr ist Pfarrerin im westmittelfränkischen Geilsheim.
Foto: epd-by
   Die Dorfpfarrerin: Sabine Theilacker-Dürr ist Pfarrerin im westmittelfränkischen Geilsheim.

        

Der Weg nach Geilsheim ist selbst heute noch eine halbe Weltreise. Verschlungene kleine Straßen führen in das kleine Dorf drei Kilometer südöstlich von Wassertrüdingen. Rund 480 Einwohner hat der Weiler heute noch, aber nach wie vor eine eigene Pfarrerin. Zumindest eine halbe. Und die haben sich die Geilsheimer mit viel Einsatz und Krawall erstritten, ertrotzt und irgendwie auch erkauft. Denn die halbe Stelle von Sabine Theilacker-Dürr wird über Spenden finanziert, zumindest indirekt. Die Theologin ist mit Leib und Seele Dorfpfarrerin, für keine Aufgabe ist sie sich zu schade, vom Pfarrbrief bis zum Vereinsfest.

Seit 2003 ist Sabine Theilacker-Dürr Pfarrerin in Geilsheim, anfangs mit ihrem Mann gemeinsam - ebenfalls Pfarrer. Doch im Landesstellenplan der bayerischen Landeskirche war die eigene Pfarrstelle in Zukunft mehr vorgesehen, sie sollte mit der im Nachbarort zusammengelegt werden. Nicht nur das Pfarrersehepaar, auch die Geilsheimer gingen deshalb auf die Barrikaden, demonstrierten beispielsweise beim Kirchentag auf dem Hesselberg mit knallroten T-Shirts gegen diese Pläne. Mit Erfolg. Nach langen Verhandlungen durfte Geilsheim eine halbe Pfarrstelle behalten - wenn die Gemeinde andernorts im Gegenzug eine halbe finanziert.

Viel mehr Dorfpfarrer als Sabine Theilacker-Dürr kann man also kaum sein. Sie kennt jeden im Dorf, jeder kennt sie. Die Leute sprechen sie an, wenn sie Probleme haben. Sie versucht, alle ihre Gemeindeglieder am Geburtstag anzurufen, bei runden Jubeltagen schaut sie auch selbst vorbei. Bei Vereinsfesten gehört Frau Pfarrerin ebenfalls zum Inventar. Und Seelsorge-Gespräche werden nicht im kargen Pfarrbüro, sondern in der Familienküche geführt, Kaffee inklusive. »Ich mache heute das mit Begeisterung, was früher jeder Pfarrer gerne gemacht hat«, sagt die Pfarrerin der kleinsten selbstständigen Gemeinde Bayerns.

Und genau deshalb, da ist sich die Theologin sicher, passt sie auch nicht mehr so ganz ins Pfarrerbild, das die Landeskirche aktuell entwickelt. Sie sei eine Allrounderin, »manche sagen auch Mädchen für alles«, doch die Landeskirche suche zunehmend spezialisierte Pfarrer, die sie in größeren Verbünden zusammenziehen und von dort in den einzelnen Gemeinden einsetzen kann.

»Mich stört dabei vor allem diese werbliche Sprache: Die Landeskirche nennt es Entwicklung, aber eigentlich ist es eine Kürzung«, sagt Theilacker-Dürr. Und unter dem Stichwort Regionalisierung verstehe sie etwas anderes, als die offenkundig geplante Zentralisierung.

Diese »kleinen Einheiten« wie das Geilsheimer Pfarramt und ihre halbe Stelle, »die passen nicht mehr ins Konzept«, glaubt Theilacker-Dürr. Sie kämpfe deshalb »nicht nur für meine Gemeinde« um die Zukunft solcher kleinen Einheiten, »sondern für die ganze Landeskirche - weil sie nicht zum Auslaufmodell gemacht werden dürfen«.

BERUFSBILD PFARRER

Was ist ein Pfarrer? Stefan Ark Nitsche ist für das Projekt »Berufsbild Pfarrer« der bayerischen Landeskirche verantwortlich. » lesen!

Was ist ein Pfarrer? Was ist eine Pfarrerin? Sonntagsblatt-Umfrage zum Pfarrertag in Nürnberg. » lesen!

»Dann ändert sich wirklich was«. Projektergebnisse »Berufsbild Pfarrer« bei bayerischem Pfarrerinnen- und Pfarrertag vorgestellt. » lesen!

»Welche Art von Kirche sind wir?« Der Gemeindebund Bayern kritisiert die geplante »Musterdienstordnung« der Landeskirche. » lesen!

Vier Porträts (I): Die Dorfpfarrerin. So eine kleine selbstständige evangelische Gemeinde wie Geilsheim in Mittelfranken gibt es wohl sonst in ganz Bayern nicht. » lesen!

Vier Porträts (II): Der Großstadtpfarrer. »Eine asynchrone Gesellschaft lässt sich schlecht begleiten«. » lesen!

Vier Porträts (III): Die Spezialpfarrerin. Christiane Lehner plant Aktionen und schreibt Meldungen. » lesen!

Vier Porträts (IV): Die Studentenpfarrerin. Susanne Hötzel macht in Würzburg »keine Beschäftigungstherapie« für Studenten, sondern Lobbyarbeit. » lesen!

 

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

 

 

Daniel Staffen-Quandt

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_38_01_04.htm
abgerufen 25.08.2016 - 18:39 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Das Paradies«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!