Home Artikel-ID: 2015_38_03_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 23.08.2016
Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 38/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Die Stärke des Christentums

Margot Käßmanns Lächeln und ihr falsches Rezept

Kommentar von Helmut Frank

Als Angela Merkel vergangene Woche an der Universität Bern die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, stellte sie sich anschließend den Fragen der Studierenden. Wie man Europa und die westliche Kultur vor einer fortschreitenden Islamisierung schützen könne, wollte eine junge Frau wissen.

Merkels Antwort war klug und zugleich Balsam für christliche Seelen: »Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind! Wir haben alle Chancen und Freiheiten, uns zu unserer eigenen Religion zu bekennen.« Dazu gehöre es, die biblischen Inhalte zu kennen und hin und wieder einen Gottesdienst zu besuchen.

Merkel stellte klar: Anstatt andere für den Niedergang der christlichen Prägung in Europa verantwortlich zu machen, sollten sich viel mehr Menschen intensiver mit der eigenen Tradition befassen.

Margot Käßmann, EKD-Botschafterin, nutzte Merkels Steilvorlage: »Ich muss bei den besorgten Mitbürgern immer ein wenig lächeln«, sagte sie der Hamburger Morgenpost. »Ich sage denen gern: Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben.« In der Talkshow Hart aber fair legte Käßmann noch einmal nach. Wer »Angst vor vollen Moscheen habe«, müsse eben »für volle Kirchen« sorgen.

Für die christlichen Kriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak müssen Käßmanns Worte wie Hohn klingen. Sie traten für ihren Glauben ein, bekannten sich zu Jesus und besuchten jeden Gottesdienst. Die Kirchen in Mossul waren voll. Aber als Christen war für sie in ihrem Land kein Platz mehr.

Auch auf Deutschland bezogen sorgt Käßmanns Argumentation für Unbehagen. Volle Kirchen gegen volle Moscheen? Das riecht nach Kulturkampf. Ganz sicher taugt das Christentum nicht dazu, sich mit Stärke und Macht durchzusetzen. Die Schwäche des Christentums ist sein Hang zum Säkularen - und das ist gleichzeitig auch seine Stärke. Das Christentum sollte eher Religionsfreiheit garantieren, als in einen Wettbewerb einzutreten, welche Gotteshäuser voller, welche Glaubensvertreter eifriger und glaubensfester sind.

Dem türkischstämmigen Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir liegt die Religionsfreiheit am Herzen. »Wir sind das Land des Grundgesetzes«, betonte er. »Hier gilt Gleichberechtigung von Mann und Frau und hier gilt Religionsfreiheit.« Das bedeute »auch die Freiheit, auf Religion in seinem Leben zu verzichten oder sie zeitgemäß auszulegen«.

Herkunft, Ethnie, Religion sind für jeden Menschen wichtig. Aber wer in die Bundesrepublik eintritt, so Özdemir, der muss verstehen, dass diese Identitätsmerkmale dann an die zweite Stelle rücken.

 

Sonntagsblatt-Chefredakteur Helmut Frank

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Chefredakteur Helmut Frank:  hfrank@epv.de

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_38_03_01.htm
abgerufen 23.08.2016 - 23:02 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Das Paradies«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!