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Sonntagsblatt 38/ vom

ZEITZEICHEN


Die Bundeswehr rüstet auf.

Für alle Christenmenschen, deren Engagement Ende des vergangenen Jahrhunderts vom konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung geprägt wurde, klingt diese Meldung nach einer schlechten Nachricht. Wieder einmal scheinen die Falken über die Tauben gesiegt zu haben.

Und das, obwohl es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Weile so aussah, als könnte sich Deutschland aus der Aufrüstungsspirale verabschieden.

Die Bundeswehr rüstet wieder auf. Aber diesmal geht es nicht um die Anschaffung von neuen Drohnen, Sturmgewehren, Kampfflugzeugen, Panzern, Flugabwehrsystemen, Satelliten oder Fregatten. Vielmehr soll endgültig von analog auf digital umgeschaltet werden.

Ursula von der Leyen will, dass Deutschland vorbereitet ist auf die Kriege des 21. Jahrhunderts - Cyberkriege. Denn neben den »klassischen Räumen Land, Luft, See und Weltraum« sei »auch der Cyber-Raum« ein »Operationsraum«, heißt es in einem Strategiepapier des Verteidigungsministeriums.

Für alle Eltern, denen die Computerspiel-Sucht ihres Nachwuchses Sorgen bereitet, dürfte das eine gute Nachricht sein. Wenn ihr Kind mal wieder morgens nicht zum Frühstück erscheint, erst mittags aufsteht und dann bleich wie ein Gespenst durch die Wohnung schleicht, weil es die ganze Nacht am Rechner mit Ego-Shooter-, Strategie- und Rollenspielen verbracht hat, dann ist das nicht mehr Zeichen einer Sucht, sondern Zeichen einer besonders gewissenhaften Vorbereitung auf die Karriere bei der Bundeswehr.

Schließlich braucht man für Cyberkriege gut ausgebildete Cyberkrieger - Künstler quasi, die die gesamte Klaviatur der digitalen Eskalation beherrschen, Virtuosen der computerbasierten Desinformation.

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