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Sonntagsblatt 38/ vom

»Welche Art von Kirche sind wir?«

Der Gemeindebund Bayern kritisiert die geplante »Musterdienstordnung« der Landeskirche


Kann man eine Kürzung der Arbeitszeit für Pfarrerinnen und Pfarrer auf 48 Wochenstunden von oben verordnen? Der »Gemeindebund Bayern« sieht die vom bayerischen Landeskirchenrat geplante »Musterdienstordnung« skeptisch.

Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth (Prien) sieht die Pläne der Landeskirche skeptisch.
Foto: KG/Prien
   Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth (Prien) sieht die Pläne der Landeskirche skeptisch.

        

Eine »Musterdienstordnung« für den Dienst bayerischer Pfarrer stößt auf Skepsis. Der Personaldezernent der bayerischen Landeskirche, Oberkirchenrat Helmut Völkel, will dadurch Geistliche entlasten (Sonntagsblatt Nr. 37).

Ihre wöchentliche Arbeitszeit soll von 54 auf 48 Stunden sinken. Eine Verwaltungsreform soll ihnen mehr Zeit für Predigtarbeit, Unterricht, Seelsorge und Hausbesuche ermöglichen.

Der »Gemeindebund Bayern« sieht das Vorhaben überwiegend kritisch. Der stellvertretende Vorsitzende, Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth (Prien am Chiemsee), begrüßt zwar die Pläne, bezweifelt aber, dass eine Entlastung »von oben« mit Vorgaben für die Dienstausübung Erfolg haben wird.

Man könne nicht Aufgaben in 48 Stunden pressen, um dann zu sagen: »Wer es nicht schafft, der macht halt was verkehrt.« Zunächst müssten die Schwerpunkte einer Gemeinde geklärt werden: »Wenn keine Zeit mehr ist für Bibelkreis und Besuche, stellt sich die Frage, welche Art von Kirche wir geworden sind.«

Über eine Entlastung müssten die Gemeinden entscheiden. Sie legten fest, welche Aufgaben wichtig seien und wie die kirchliche Botschaft weitergegeben werden könne. »Je stärker unsere Ortsgemeinden sind, desto besser können sie auch auf jeweils unterschiedliche Schwerpunkte reagieren«, sagt der Pfarrer. Er fordert, dass Gemeinden mehr finanzielle Spielräume erhalten. Nur so könnten sie verhindern, dass Ehrenamtliche »ausgebeutet« werden, und lernen, mit neuen Herausforderungen flexibel umzugehen.

Wackerbarth zufolge beträgt seine wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich etwa 55 Stunden. Manchmal seien es auch 60 Stunden, sagte er dem Oberbayerischen Volksblatt. In der Woche nach seinem Urlaub habe er etwa 20 Stunden für Büroarbeiten gebraucht. Um keinen Religionsunterricht geben zu müssen, verzichte er auf einen Teil seines Gehalts. Dadurch habe er in jeder Woche zusätzliche acht Stunden für die Erledigung aller Aufgaben gewonnen.

Belastend seien vor allem Tätigkeiten, für die Pfarrer nicht ausgebildet seien, etwa Managementaufgaben oder die Behandlung rechtlicher, betriebswirtschaftlicher und technischer Fragen.

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