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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
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Die Sorgen nehmen zu

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Von einer Dünnhäutigkeit »wie ein Buchenblatt, durchsichtig genug, um das Sonnenlicht durchscheinen zu lassen«.

Eigentlich habe ich mein Leben ganz gut im Griff: Ich habe einen Beruf, der mir Spaß macht und in dem ich Anerkennung bekomme, eine liebe Familie, und demnächst kommt unser erstes Enkelkind auf die Welt.

Aber es gibt auch eine andere Seite: Je älter ich werde, desto mehr Sorgen mache ich mir. Natürlich um meine Familie und meine erwachsenen Kinder; um Freunde, manchmal auch um mich selbst. Es gibt so viele Krankheiten und Unfälle und es kann doch wirklich jederzeit etwas passieren.

Meine jüngste Tochter macht jetzt Examen. Wer weiß, wie es dann mit ihr weitergeht. Ich bin viel dünnhäutiger als früher. Ich weiß natürlich, dass in der Bibel steht »Sorget nicht…«, aber das ist viel leichter gesagt als getan.

Frau K. (63)

 

Wer sich sorgt, macht sich Gedanken und überlegt, wie er aktiv etwas verändern oder bewirken kann. Aber manchmal ist Sorgen auch verbunden mit Gefühlen von Kummer, Angst und Schmerz. Beides ist herauszulesen aus dem, was Sie schreiben: Sie bewirken etwas, in Ihrem Beruf, in Ihrer Familie - aber da sind zugleich Angst und Besorgnis. Und die kann man wirklich nicht so einfach abstellen …

Trotzdem ist die Aufforderung, nicht für den nächsten Tag zu sorgen, berechtigt. Es hilft, sich auf das zu konzentrieren, was heute dran ist: Ich werde schon merken, worum ich mich morgen kümmern muss.

Mir hat neulich eine Frau erzählt, dass sie sich, um ihre besorgten Gedanken einzudämmen, in ihren Terminkalender schreibt, wann sie sich Sorgen um irgendetwas macht. »Morgen Nachmittag so gegen 3 Uhr, da mach ich mir dann Sorgen darüber, ob meine Tochter ihr Examen packt. Vorher nicht. Das mag lächerlich klingen, aber es klappt ganz gut. Denn meistens vergesse ich diesen Sorgen-Termin.«

So kann man das versuchen. Sie können aber auch gemeinsam mit den Menschen, um die Sie sich Gedanken machen, herausfinden, wie viele Sorgen angemessen sind oder auch nicht. »Was meinst du, wie sehr soll ich mir um meine Tochter und ihr Examen Sorgen machen?« könnten Sie jemanden fragen - und dabei werden Sie ziemlich schnell merken, dass so ein Gespräch hilft, die Dinge differenzierter zu sehen, zu erkennen, worum Sie sich kümmern können - und welche Ängste vielleicht gegenstandslos sind.

Mit ist der 102. Psalm eingefallen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie die, die ihn beten, sich ihre Sorgen und ihren Kummer von niemandem ausreden lassen. Manchmal fühlt man sich ja wirklich wie eine Eule in der Einöde oder ein Käuzchen in den Trümmern, man wacht und klagt wie ein einsamer Vogel auf dem Dach und kann Gott nur bitten, dass er das Schreien hört.

Die schottische Dichterin Diana Hendry hat den 102. Psalm weitergeschrieben. Bei ihr endet er so: »Schau auf die, Gott, die wirklich leiden. Ich bin nur eine von denen, die sich sorgen. Aber vielleicht kannst du mir so nebenbei helfen, alt zu werden wie ein Buchenblatt, durchsichtig genug, um das Sonnenlicht durchscheinen zu lassen … «

Womöglich ist das eine Art von Dünnhäutigkeit, die im Alter wichtiger wird?

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 25.09.2016 - 03:57 Uhr

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