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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
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Winkende Frösche

Die neue Grimmwelt in Kassel entführt in die Welt der beiden berühmten Märchensammler


Mitmachen, Zuhören und Staunen: Die neu eröffnete »Grimmwelt« in Kassel bietet viele interessante und ungeahnte Einblicke in Leben und Wirken der Brüder Jakob und Wilhelm und ihres Malerbruders Ludwig Emil Grimm.

Ein Haus der Wörter, der Märchen und der Zeit des Biedermeier: Die auch architektonisch spannende »Grimmwelt« in Kassel wartet mit Überraschungen auf.
Foto: epd-f
   Ein Haus der Wörter, der Märchen und der Zeit des Biedermeier: Die auch architektonisch spannende »Grimmwelt« in Kassel wartet mit Überraschungen auf.

        

»Popelfurzer, Sauarsch«, schallt es gleich im ersten Museumsraum durch die Wände. Aus einem riesigen schwarzen Trichter kommt prompt die Antwort: »Speichellecker«. Ein kleiner Junge kann gar nicht genug bekommen von diesem herrlichen Instrument, bei dem Fluchen und Schimpfen erlaubt ist. Ruft man ein Schimpfwort in den Trichter hinein, schallt ein »unfeines« Wort aus der Grimmschen Wörtersammlung zurück. Unter dem Stichwort »Ärschlein« erleben hier die Besucher, wie Sprache sich verändert - zeitlebens ein Forschungsschwerpunkt der Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm.

Wie durch ein aufgeschlagenes Buch wandelt der Besucher durch den ersten Teil der Ausstellung, der das Wirken der Brüder als Sprach- und Kulturforscher würdigt. Jedem Buchstaben des Alphabets ist ein Bereich zugeordnet, der einen Aspekt aus dem Leben und Wirken der Grimms beleuchtet.

Zu Beginn steht man dort einer riesigen Wand voller Zettel gegenüber, die die Arbeitsweise der Brüder verdeutlicht. Gleich 1119 solcher Belege, die sie für das Deutsche Wörterbuch sammelten, existieren alleine für das Wort »Zettel«. Wie die Brüder Grimm dazu kamen, das Projekt Deutsches Wörterbuch anzugehen, das sie bis zu ihrem Tode begleitete, erzählt der Künstler Alexej Tchernyi in 14 Bildkästen mit geschichteten Scherenschnitten. Licht und Schatten und verschiedene Papierstärken lassen das Geschehen vom Anfang des 19. Jahrhunderts lebendig werden.

318 000 Wörter - plus Lautmalerei

Zentrales Kunstwerk ist Ecke Bonks documenta-Installation »Buch der Wörter«. Auf drei Wände in einem eigenen Kabinett werden per Zufallsgenerator Einträge aus dem Deutschen Wörterbuch projiziert, über 318 000 stehen zur Wahl. Ebenso bereichert ein Geschenk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei die Ausstellung. Vier dicke mit Fahrzeugfarbe bemalte Baumwurzeln nehmen Bezug auf die »Wurzelforschungen«, wie die Grimms ihre Suche nach der Herkunft und Verwandtschaft der Wörter selbst bezeichneten.

Den kostbaren Mittelpunkt der ersten unteren Etage bilden die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen mit handschriftlichen Kommentaren und Verweisen von Jakob und Wilhelm Grimm. Sie gehören seit 2005 zum Unesco-Weltdokumentenerbe und liegen in einem sicheren Glassafe.

»Trappe, trap, trappa« ist auf der Treppe zu lesen, die in die unterste Etage der Grimmwelt führt. Auch mit Lauten und ihren Bedeutungen haben sich die Sprachforscher beschäftigt. Laute und Geräusche sind es dann auch, die aus dem Dickicht des nachempfundenen Dornenwalds dringen.

Im Märchenbereich geht es um die Bilder, die die Brüder Grimm mit ihren Märchen erschaffen haben. Wer den Weg durch den Dornenwald findet, kann in den sprechenden Spiegel schauen. Doch was ist Wirklichkeit, was Traum?

Ein Blick in den Himmel vom Boden eines Brunnens aus bleibt den Kleinsten vorbehalten. Für Groß und Klein gleichermaßen spaßig ist es, die Hexe in den Ofen zu schieben, damit sich nebenan die Tür öffnet. In Großmutters Haus liegt per Videoinstallation der grausige Wolf im Bett, und »Rumpelstilzchen« gibt es in 28 Sprachen gleichzeitig.

Neben vielen klassischen Museumsexponaten, ausgewählt aus 20 000 verschiedenen Objekten der Grimm-Sammlung, gibt es immer wieder überraschende Ideen der Museumsmacher, die den Rundgang abwechslungsreich machen. Da hüpft plötzlich ein Frosch über den Fußboden, winkt und verschwindet.

Im letzten Abschnitt steht das Lebenswerk der Grimms im Mittelpunkt. Einrichtungsgegenstände sind liebevoll restauriert und zeigen, wie es in den Wohnungen der Familie aussah. Eine Bilderserie von Ludwig Emil Grimm gibt einen Einblick in den bürgerlichen Alltag seiner Geschwister in der Biedermeierzeit. Auf Porzellantellern hat der Künstler Antoni Miralda Märchenmotive und Rezepte miteinander kombiniert, die auf einer Wandinstallation gezeigt werden. Unter dem Stichwort »Quitte« kommt hier die Sammelleidenschaft von Wilhelms Frau Dorothea an die Öffentlichkeit.

Ein besonderes Schmankerl bietet die Architektur des imposanten Gebäudes auf dem Weinberg. Von der frei zugänglichen Dachterrasse des Museums aus erwartet den Besucher ein einmaliger Panoramablick auf die Fuldaaue und das Kasseler Becken.

 

  INFO: GRIMMWELT Kassel, Weinbergstr. 37. Internet:  www.stadt-kassel.de

  Öffnungszeiten täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 20 Uhr.

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Britta Gutsch

 


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abgerufen 09.12.2016 - 20:15 Uhr

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