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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
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Notlager für Flüchtlinge in der Kirche

Regionalbischöfin Breit-Keßler: »Uns erwartet eine gigantische Integrationsaufgabe«


Seit Beginn der Grenzkontrollen in Bayern hat der Zustrom an Flüchtlingen nachgelassen. Die evangelischen Dekanate und Gemeinden des Kirchenkreises prüfen dennoch unter Hochdruck, welche Räume sie notfalls für Schlafplätze zur Verfügung stellen könnten.

Fußballspielen zum Zeitvertreib: In der Bayernkaserne leben derzeit rund 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das Dekanat München will für sie leerstehende Pfarrwohnungen zur Verfügung stellen.
Foto: pa
   Fußballspielen zum Zeitvertreib: In der Bayernkaserne leben derzeit rund 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das Dekanat München will für sie leerstehende Pfarrwohnungen zur Verfügung stellen.

        

»Menschen lassen sich nicht aufhalten«, sagt Stadtdekanin Barbara Kittelberger. Sollte die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen noch einmal so an die Grenzen kommen wie am vergangenen Wochenende, als über 20 000 am Hauptbahnhof strandeten, dann »wollen wir als Kirche da sein«.

Schon seit August sollen auf Bitte von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler alle oberbayerischen Dekanate und besonders die Münchner Gemeinden prüfen, ob sie notfalls in Kirche, Gemeindesaal oder Pfarrhaus Menschen für einige Tage unterbringen könnten. »Jede Unterkunft, die denkbar und menschenwürdig ist, wird gebraucht«, sagt Breit-Keßler.

Wohnungen für Flüchtlingskinder

Besonders dringend gesucht sind derzeit Plätze für die sogenannten »unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge«. Rund 1000 dieser Jugendlichen werden derzeit in der Bayernkaserne und in dezentralen Unterkünften von der Jugendhilfe Oberbayern und anderen freien Trägern betreut. »Wir brauchen dringend mehr kindgerechten Wohnraum«, sagt Geschäftsstellenleiter Andreas Dexheimer. Gefragt seien 1-Zimmer-Appartements, Wohnungen und größere Häuser, in denen Wohngruppen von acht bis zwölf jungen Flüchtlingen einziehen könnten.

Stadtdekanin Kittelberger freut sich, dass ihre Liste solcher Wohnungen gerade immer länger wird. Am weitesten sind die Pläne für zwei derzeit leerstehende Pfarrdienstwohnungen in Obersendling und in Neuperlach, die - wenn das Jugendamt grünes Licht gibt - bald Flüchtlingskindern eine Heimat auf Zeit bieten könnten.

»Das ist eine sinnvolle Zwischennutzung, bis die Pfarrstellen neu besetzt sind«, sagt Kittelberger. Jugendhilfeleiter Dexheimer hat mit der befristeten Nutzungsdauer kein Problem: »Alles ist für ein Kind besser als ein Sechsbettzimmer auf einem Kasernengelände.«

Doch auch für einen erneuten Ansturm erwachsener Flüchtlinge will sich das Dekanat rüsten. Mehrere Gemeinden haben sich bereit erklärt, im Notfall kurzfristig Menschen zu beherbergen. So könnten in der Münchner Dekanatskirche St. Markus rund 100 Flüchtlinge vorübergehend einen Schlafplatz finden. Die Betten dafür fehlen zwar noch, auch die Verpflegung der Menschen ist nicht geplant. »Aber der Helferkreis steht - der Rest wird sich finden«, sagt Pfarrer Olaf Stegmann.

Auch im Gemeindesaal der Christuskirche im Stadtteil Neuhausen könnten auf die Schnelle 100 Menschen untergebracht werden. Im Dekanat Fürstenfeldbruck gibt es Überlegungen, das Dekanatsgebäude für Flüchtlinge zu öffnen. »Auf dem Grundstück daneben könnten wir zusätzlich Container aufstellen«, so Dekan Stefan Reimers. Auch die evangelische Gemeinde in Solln plant, ihre Räume für 50 bis 100 Flüchtlinge zu öffnen. Es gehe aber nicht nur um Schlafplätze, sondern auch um Begleitung, sagt Christoph Grötzner, Dekan im Prodekanat München-Süd: »Das Willkommen darf nicht in der Garage enden.«

Ob und wann tatsächlich die ersten Flüchtlinge in evangelischen Kirchen einziehen, ist unklar - aufgrund der Grenzkontrollen kommen derzeit weniger Menschen an. »Wir haben jetzt erst mal Zeit, mit den Behörden zu klären, welche Räume tatsächlich geeignet wären«, sagt Stadtdekanin Kittelberger.

Dass es mit der Sofort­hilfe allein nicht getan ist, darüber herrscht im evangelischen München Einigkeit. »Uns erwartet eine gigantische Integrationsaufgabe«, sagt Regionalbischöfin Breit-Keßler. Die Kirche müsse ihre Anstrengungen noch vervielfachen. »Wir müssen unsere Kindergärten und Schulen für Flüchtlingskinder öffnen, wir sind gefordert, Ausbildungs- und Arbeitsplätze auch im Bereich der Kirche zu finden und bereitzustellen«, so Breit-Keßler. Auch Stadtdekanin Barbara Kittelberger forderte ein noch stärkeres Engagement der evangelischen Gemeinden. »Uns ist eine Not vor die Füße gelegt - jetzt müssen wir als Christen damit umgehen.«

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Susanne Schröder

 


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abgerufen 01.10.2016 - 08:58 Uhr

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