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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2015 vom 20.09.2015
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Karnevalisten bleiben draußen

Bayreuths einziger christlicher Kostümverleih: Ausstattung für Krippenspiele und Gottesdienste


In einem Dachbodenraum hängen sie: die Kostüme für Maria und Josef, für Hirten und Schafe, für Römer und Soldaten und sogar für einen Bären - fein säuberlich aufgereiht an Kleiderständern. Doch das ist noch lange nicht alles, denn in unzähligen Kartons und Regalen lagern auch noch die passenden Accessoires, wie Kopfbedeckungen, Gürtel, Tücher und vieles mehr. Genau 1870 Teile haben sich seit der Gründung des christlichen Kostümverleihs in Bayreuth im Jahr 2011 bereits angesammelt - und ans Aufhören denkt die ehrenamtliche Betreiberin Birgit Richter noch lange nicht.

Vom Renaissance-Gewand bis zum Bärenfell: Birgit Richter in ihrem Kostümfundus.
Foto: Blaß
   Vom Renaissance-Gewand bis zum Bärenfell: Birgit Richter in ihrem Kostümfundus.

        

Sie war schon immer eine leidenschaftliche Näherin, hat gerne die Ausbildung zur Textilfertigerin absolviert und natürlich auch immer wieder das ein oder andere Stück für sich und ihre Kinder genäht. Ein Wiedereinstieg in den Beruf wurde für die dreifache Mutter aber irgendwann schwierig, doch das Nähen ganz aufgeben, kam für Birgit Richter natürlich nicht infrage. Und so ist die Arbeit für den christlichen Kostümverleih für sie eine wunderbare Gelegenheit, weiter ihrer großen Leidenschaft nachzugehen und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Begonnen hatte alles bereits vor sechs Jahren, da Richter als ehrenamtliche Mitarbeiterin an der evangelischen Kreuzkirche immer wieder in das gleiche »Drama« involviert war: Welche Kostüme brauchen wir für unser Krippenspiel und wie viele? Und vor allem wo kriegen wir die her? »Irgendwann konnte ich mir das einfach nicht mehr mit ansehen«, lacht Birgit Richter, »und so habe ich kurzerhand selbst ein paar Kostüme genäht, damit wir zumindest mal einen gewissen Fundus haben.«

Ein gutes Jahr später hatte es sich schließlich herumgesprochen, dass die Kreuzkirchengemeinde an Weihnachten ihre Heiligen Drei Könige nicht braucht - und prompt lieh man sich die entsprechenden Kostüme einfach aus. Das war für die engagierte Christin Grund genug, eine zentrale Stelle für einen Kostümverleih zu schaffen, auf den jede Gemeinde zugreifen kann, und sie ist froh, dass Pfarrerin Andrea Nehring ihr schon bald einen geeigneten Dachbodenraum im Gemeindehaus der Friedenskirche anbieten konnte.

Auch wenn im Stadtgebiet Bayreuth die Anfragen eher schleppend vorangehen, konnte die gelernte Bekleidungsfertigerin mit ihrem Angebot inzwischen schon viele Kirchengemeinden und Darsteller glücklich machen. »Es ist schon immer wieder auch eine Herausforderung, manche Kostüme zu nähen, aber ich mache immer weiter, weil es mir einfach Spaß macht«, bekennt Richter, »jeder hat ja von Gott ein Talent geschenkt bekommen, und so habe ich einfach das Richtige für mich gefunden.«

Die Arbeit beginnt natürlich schon lange vor dem eigentlichen Nähen. Im Internet oder in Büchern informiert sie sich, wie die Kostüme in der jeweiligen Zeit ausgesehen haben und wie sie beispielsweise eine Toga für Herodes, ein Gewand für einen Römer, eine Kutte für einen Mönch oder gar das goldene Buch des Nikolaus kreieren könnte. Und hat sie erst einmal die passende Idee gefunden, macht sie sich auf den Weg zu Flohmärkten, Fabriken oder Bekleidungsgeschäften, um günstig an Material und Stoffe, aber auch an Kleiderbügel heranzukommen.

»Die meisten Kostüme nähe ich wirklich selbst oder ich schneidere etwas um, wie zum Beispiel einen Pelzmantel zu einem Bärenkostüm«, erzählt sie lächelnd, »und was mit der Maschine nicht nähbar ist, muss ich halt mit der Hand nähen.« Wenn es einmal knifflig wird, fängt der Spaß ja erst richtig an. Denn Renaissance-Kleidung für das Lutherjubiläum zu nähen, ist nicht einfach, aber eine schöne Herausforderung. Und so machte sich die Textilfertigerin an die Arbeit, studierte Fachliteratur und Bilder und besorgte sich sogar Schnitte aus England und den USA. Klar, eins zu eins ist das ganze freilich nicht umsetzbar, aber man kann eben auch nicht alles perfekt machen - das hat Birgit Richter in der Zwischenzeit gelernt.

Wichtig ist ihr bei alledem, dass die Kostüme nicht für Faschingsveranstaltungen, sondern ausschließlich für Krippenspiele und andere spezielle Gottesdienste oder auch einmal für Theateraufführungen an Schulen bestimmt sind. Beim Verleih selbst erhebt sie je nach Kostüm eine Kaution und bittet auch mal um die eine oder andere Spende - denn begleichen muss sie die Unkosten für die Materialien ausschließlich aus eigener Tasche.

Die Grundlage aber für all das ist für sie ihr christlicher Glaube. »Ich sehe meine Arbeit auch als eine Art der Verkündigung und als eine gute Möglichkeit, meinen Glauben weiterzugeben«, sagt die leidenschaftliche Näherin, »und außerdem hat es schon eine ganz eigene Dimension, die biblische Geschichte in Bilder und Kostüme umzusetzen.« So hofft Birgit Richter auch für die Zukunft auf ein reges Interesse und näht fleißig weiter - sei es für die Könige, die Römer oder für Schafe, Bären und andere Tiere.

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Sandra Blaß

 


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abgerufen 29.07.2016 - 14:00 Uhr

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