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Sonntagsblatt 39/ vom

ZEITZEICHEN


»Schweigen ist eine Form der nonverbalen Kommunikation, bei der nicht gesprochen wird und bei der auch keine Laute erzeugt werden. Eine besondere Verbreitung hat das Schweigen in den Religionen und Rechtssystemen sowie in der Spiritualität.« - So beginnt der wikipedia-Eintrag zum Stichwort Schweigen.

Interessant, wie das Internet-Lexikon die Verbindung von Schweigen mit Religion und Spiritualität so deutlich heraushebt. Gerade weil im Protestantismus der Beginn des Johannesevangeliums »Am Anfang war das Wort« oft dahin missverstanden wird, dass man zu allem etwas sagen müsse.

Auch das Thema Schweigen ist davon nicht ausgenommen. Eine »Kultur des Schweigens« wurde schon mehrfach lauthals eingefordert, motiviert vom mahnenden Satz des spätrömischen Gelehrten Boethius (480-524): »O wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben!«

Ein absurdes Beispiel protestantischer Schweigekultur ergab sich nun bei der Studienkonferenz des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, die in Bad Blankenburg tagte. Der Theologe Professor Roland Deines aus Nottingham forderte, die Kirche sollte zum Thema Sex zehn Jahre schweigen.

Professor Deines äußerte sich dabei sehr wortreich. Er ist sicher: Nach der Heiligen Schrift ist praktizierte Sexualität ausschließlich der Ehe vorbehalten. »Alles andere sexuelle Ausleben ist bestenfalls ein ungeordneter Zustand, im schlimmeren Fall eine Sünde und kann im Extremfall ein Ausschlussgrund vom Himmel sein.« Das scheint auch nur logisch, denn Deines ist überzeugt: »In der Ewigkeit wird es laut der Bibel keinen Sex mehr geben.«

O wenn du geschwiegen hättest, Deines, dann wärst du ein Theologe geblieben!

fra