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Dieser Artikel: Ausgabe 39/2015 vom 27.09.2015
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Der Traumatisierte

Personen der Bibel (39): Isaak - zur brutalen Kindheitserfahrung kommen Probleme mit den Söhnen


An Isaak hätten heutige Psychotherapeuten ihre Freude, denn eine traumatische Kindheitserfahrung schleppte er durch sein Leben: Sein Vater Abraham hatte versucht, ihm auf dem Opfertisch die Kehle durchzuschneiden. Das Leben des »Erzvaters« Isaak ist bewegt und endet mit einem handfesten Konflikt zwischen seinen Söhnen.

Isaak und Rebecca, Gemälde von Benjamin West, 1775, Yale Center for British Art.
Foto: PD
   Isaak und Rebecca, Gemälde von Benjamin West, 1775, Yale Center for British Art.

        

Dass es Isaak überhaupt gab, ist ein Wunder. Seine Mutter Sara war 100 Jahre alt bei seiner Geburt, sein Vater ein Jahr älter. Eigentlich hatte sie sich schon abgefunden mit ihrem Schicksal, kinderlos zu bleiben. Aber da gab es doch die Verheißung Gottes an ihren Mann Abraham, er hatte ihm doch einen reichen Kindersegen versprochen! Eines Tages waren drei Engel zum alten Paar Abram und Sara gekommen und hatten ihr angekündigt, sie würde trotz des hohen Alters noch einen Sohn gebären. Sara fand diese Ankündigung so abwegig, dass sie unwillkürlich loslachen musste.

Und doch wurde sie schwanger; sie nannte ihren Sohn Isaak, was so viel bedeutet wie »Gott bringt andere zum Lachen«. Seine früheste Kindheit teilt sich Isaak mit seinem älteren Halbbruder Ismael; der lebte mit seiner Mutter Hagar ebenfalls im Hause Abraham und Sara. Vielleicht hat Isaak die Spannungen zwischen seiner Mutter Sara und Hagar gespürt. Sie gipfelten darin, dass Abraham Hagar und Ismael in die Wüste schickte. Isaak wuchs als Einzelkind auf.

Welche Erinnerungen der jugendiche Isaak wohl an den denkwürdigen Tag hatte, als sein Vater ihn zum Aufbruch drängte? Vielleicht verwundert, aber doch voller Vertrauen wird er sich den väterlichen Reiseplänen gefügt haben. Erst als Abraham ihn auf den Opferaltar legte und festband, wird ihm seine Lage bewusst geworden sein. Dann kamen die Todesängste.

Er erstarrte vor Angst. Nichts ist zu lesen davon, dass er sich gewehrt oder geschrien habe. Ein Engel ist es, der dem brutalen Geschehen ein Ende bereitet. Die historisch-kritische Bibelforschung hat die Geschichte von Abraham und Isaak als eine Abkehr vom Menschenopfer gelesen: In einer Umwelt, in der Menschenopfer gang und gäbe waren, signalisiert Gott: Hört auf damit. Abraham opfert ersatzweise einen Widder. In dieser Lesart ist die dunkle Geschichte ein Erklärstück, wie einst der kulturelle Fortschritt vom Menschenopfer zum Tieropfer erfolgte.

Zurück zur Person: Wie Isaak mit diesem Trauma anschließend lebte, ob er das Geschehen verdrängte oder immer wieder Ängste ausstehen musste und ob er irgendwann einmal mit seinem Vater über das schreckliche Erlebnis gesprochen hat? Auch hier lässt uns die Bibel im Unklaren.

Passivität scheint allerdings ein Wesenszeug bei Isaak geblieben zu sein. Sogar bei der Wahl seiner Ehefrau wurde er zunächst übergangen. Abraham schickte einen Knecht in die alte Heimat, um für Isaak eine Frau auszusuchen. Als der Knecht mit Rebekka zurückkam, schien Isaak von nichts zu wissen. Eigentlich wollte er nur beten, da begegnete er ihr. Isaak führte sie ins Zelt seiner Mutter »und nahm die Rebekka, und sie wurde seine Frau und er gewann sie lieb«. ( 1. Mose 24, 63 ff.) Immerhin scheint ihm die Wahl, die für ihn getroffen wurde, wenigstens gefallen zu haben.

Vaterfreuden blieben Isaak zunächst versagt. Doch dann betete er zu Gott - und prompt ließ »der Herr sich erbitten, und Rebekka, seine Frau, ward schwanger«. ( 1. Mose 15, 21)

Von Anfang an gab es Streit unter seinen Söhnen

Die Freude über das späte Vaterglück muss groß gewesen sein bei dem bereits sechzigjährigen Isaak. An der Namensvergabe scheint er beteiligt gewesen zu sein: Zwillinge sollten es werden - und schon im Mutterleib scheinen sie sich gestritten zu haben, denn Rebekka beschwerte sich über die Tritte in ihrem Bauch. »Als nun die Zeit kam, dass sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe.« Der, der herauskam, »war rötlich, ganz rau wie in Fell, und sie nannten ihn Esau. Danach kam heraus sein Bruder, der hielt mit seiner Hand die Ferse des Esau, und sie nannten ihn Jakob.« ( 1. Mose 25, 24)

Vater Isaak lernte zweierlei. Zum einen, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Zum anderen, dass sich die Kinder dem Vater oder der Mutter zuordnen. Die Knaben wuchsen heran, Esau wurde Jäger »und streifte auf dem Felde umher, Jakob aber ein gesitteter Mann und blieb bei den Zelten. Und Isaak hatte Esau lieb und aß gern von seinem Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob lieb.« ( 1. Mose 25, 27 f.)

Von Anfang an gab es Streit und Eifersüchteleien unter seinen Söhnen. Vor allem Jakob war eifersüchtig auf seinen erstgeborenen Bruder. Hatte er von den Streitigkeiten etwa nichts mitbekommen? Unwahrscheinlich, denn Rebekka wusste sehr wohl Bescheid. Sie spornte ihren Lieblingssohn sogar an, noch weiter zu gehen und den eigenen Vater zu betrügen. Isaak war alt geworden »und seine Augen zu schwach zum Sehen«. Den Tod vor Augen, rief er seinen Lieblingssohn Esau. Er möge Pfeil und Bogen nehmen und dem sterbenden Vater ein Wildbret jagen und ihm zubereiten, danach wolle er die Seele Isaaks segnen, »ehe ich sterbe«. ( 1. Mose 27, 1 ff.) Rebekka hörte zu.

Kaum war Esau zur Jagd aufgebrochen, schmiedete sie mit Jakob einen Plan. Er solle dem Vater ein Essen kochen und sich ein Ziegenfell um die Hände binden. So ging Jakob zu seinem sehbehinderten Vater und log ihn an: »Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn.« ( 1. Mose 27, 19) Irritiert befühlte Isaak Jakobs behaarte Hände und sagte: »Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände.« ( 1. Mose 27, 22) Statt seinem Gefühl zu vertrauen, glaubte Isaak Jakob aber und segnete ihn.

Versöhnung im Angesicht des Todes

Erst als Esau von der Jagd zurückkam, bemerkte Isaak, dass er von Jakob getäuscht worden war, »und entsetzte sich über die Maßen sehr und sprach: Wer? Wo ist denn der Jäger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und hab ihn gesegnet?« ( 1. Mose 27, 32 f.) Und da ein Segen nach biblischem Verständnis weder zurückgenommen noch wiederholt werden konnte, fügte Isaak resigniert hinzu: »Er wird auch gesegnet bleiben.« ( 1. Mose 27, 33)

Esau geriet außer sich über das Unrecht, das ihm sein Zwillingsbruder angetan hatte, war »über die Maßen sehr betrübt« und forderte trotzdem den Segen, der ihm zustand. »Hast du denn nur einen Segen, mein Vater?«, flehte er mit Tränen in den Augen an. Doch das einzige, was Isaak ihm noch versprechen konnte, war: »Deinem Bruder sollst du dienen. Aber es wird geschehen, dass du einmal sein Joch von deinem Halse reißen wirst.« ( 1. Mose 27, 39 f.)

Gegrämt hat Isaak sich offensichtlich nicht allzu sehr, denn er starb im gesegneten Alter von 180 Jahren »alt und lebenssatt«. Kurz vor seinem Tod besuchte ihn Jakob. Was Vater und Sohn besprochen haben, ist leider nicht überliefert. Aber dass ausgerechnet der Betrüger, der Liebling der Mutter, seinen Vater aufsuchte, könnte auf eine späte Aussprache, vielleicht sogar auf eine Versöhnung im Angesicht des Todes hindeuten. Am Grab dann betrauern Jakob und Esau gemeinsam ihren Vater.

Ein rührendes Bild einer lebenslangen und trotz Konflikten und jahrelanger Trennung unlösbaren Schicksalsgemeinschaft von Vätern und Kindern.

ISAAK

  NAME: Isaak bedeutet »Gott hat gelacht« oder »Gott hat (jemanden) zum Lachen gebracht«.

  HERKUNFT: Abraham und Sara, die aus Mesopotamien nach Kanaan gewandert waren.

  ZEIT: zwischen 2000 und 1400 v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  1. Mose 21, 1-7;  22, 1-19;  24;  25, 19-26, 32;  27-28, 9.

THEOLOGISCHES STICHWORT

DIE GÖTTLICHKEIT JESU: Jemanden zu segnen bedeutet, ihm eine von Gott ausgehende lebensförderliche Kraft mit auf den Weg zu geben. »Mit heilvoller Kraft begaben«: So übersetzt ein Theologe das hebräische Wort für »segnen«. Segen ist nicht nur ein Zeichen, sondern verändert die Wirklichkeit, sind viele Gläubige überzeugt. Meistens wird der Segen durch einen bestimmten Segensgestus begleitet.

Die Bibel betont: Der Segen geht allein von Gott aus, der Mensch kann nur Mittler sein. Im Segen zeigt sich also auch die unterstützende Kraft Gottes, die zu einem gelingenden Leben beiträgt. Zur Zeit der biblischen Geschichten gaben besonders Väter den Segen an ihren Nachkommen weiter. In der Folgezeit fand die Segenshandlung immer mehr im gottesdienstlichen Rahmen statt und wurde ritualisiert. Gleichzeitig entstand die Redeform: »Gesegnet seist Du!«

Einer der bis heute am meisten verwendeten Segenssprüche stammt der Bibel zufolge direkt von Gott. Als »aaronitischer Segen« beschließt er viele christliche Gottesdienst weltweit: »Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.« ( 4. Mose 6, 24 ff.)

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 09.12.2016 - 20:16 Uhr

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