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Dieser Artikel: Ausgabe 39/2015 vom 27.09.2015
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»Das muss man aushalten können«

Der Neuendettelsauer Diakonierektor Hermann Schoenauer geht nach 25 Jahren in den Ruhestand


28 Jahre war er bei der Diakonie Neuendettelsau, 25 Jahre davon an der Spitze als deren Rektor. Ende September geht Hermann Schoenauer in den Ruhestand. Unter seiner Regie hat sich die Diakonie stark verändert, ist gewachsen, auch in andere Länder.

Hermann Schoenauer.
Foto: epd-bayern / Giulia Iannicelli
   Hermann Schoenauer.

        

  Herr Schoenauer, was hat Sie damals bewogen, sich als Rektor für die Neuendettelsauer Diakonie zu bewerben?

Schoenauer: Ich habe mich auf die Stelle beworben, nachdem ich gesehen habe, dass man sehr viel bewegen kann. Das liegt auch an der Struktur der Diakonie in Neuendettelsau. Die Diakonie Neuendettelsau ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, wir haben einen Aufsichtsrat und einen Vorstand, zu dem der Rektor gehört. So können sehr schnell Dinge entschieden werden, und wir sind nicht wie viele andere abhängig von anderen Gremien - das macht uns für das Alltagsgeschäft und neue Projekte flexibel.

  Die Mitarbeiterzahl der Diakonie hat sich unter Ihrer Ägide beinahe verdoppelt, die Umsätze steigen. War dieses Wachstum Ihr Ziel?

Schoenauer: Wir sind ziemlich gewachsen, das ist richtig. Aber die Diakonie Neuendettelsau ist nie um des Wachsens willen gewachsen. Sondern weil viele Anfragen an uns gerichtet wurden, uns zu engagieren, und weil es Möglichkeiten gab und gibt, Hilfe zu leisten. Deshalb sind wir ja auch in andere Länder gegangen, um dort im diakonischen Bereich zu helfen, also im christlichen Glauben und in der christlichen Tat - das sind zwei untrennbare Seiten einer Medaille.

  Ist die Diakonie Neuendettelsau unter Ihrer Regie heute mehr Konzern als evangelisches Sozialwerk - oder geht beides zusammen?

Schoenauer: Wir bezeichnen uns als diakonisches Unternehmen, nicht als reines Sozialunternehmen. Der Impuls und die Motivation unseres Handelns kommen ganz klar aus dem christlichen Glauben und stehen daher auch im Mittelpunkt. Christlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Professionalität - das ist der Dreiklang, nach dem wir in Neuendettelsau handeln.

  Aber die Zahl der Diakonissen sinkt unaufhörlich. Sie sind doch heute eindeutig mehr Unternehmen, als Sie es 1990 waren.

Schoenauer: Momentan schaut es in der Tat so aus, dass wir im Bereich der Diakonissen keinen Nachwuchs haben. Wir haben deswegen eine weitere Gemeinschaft gegründet, deren Mitglieder mit dem Diakonat, also dem kirchlichen Amt der Diakonie, beauftragt werden - und diese Gemeinschaft wächst Jahr für Jahr um mindestens 20 Mitglieder.

  Es gibt auch kritische Stimmen zur Diakonie - etwa bezüglich ihres Engagements in osteuropäischen Ländern. Verstehen Sie das?

Schoenauer: Nein, denn Diakonie ist übergreifend und nicht auf die eigene Region begrenzt. Diakonie muss dorthin gehen, wo sie angefragt wird, wo Menschen Hilfe brauchen - so wie nach der Wende beispielsweise in Rumänien. Unsere Mitarbeiter sind zuerst ehrenamtlich dorthin gefahren, weil sie in Fernsehbeiträgen gesehen hatten, dass Menschen mit Behinderung an Betten gekettet wurden. Danach haben wir zehn Jahre Hilfstransporte organisiert und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, indem wir mit der Stiftung Bavaria Romania Schulen aufgebaut haben.

  Beim Thema Flüchtlinge haben Sie Ihrer Kirche letzthin ordentlich eine mitgegeben. Finden Sie wirklich, die Landeskirche tut zu wenig?

Schoenauer: Papst Franziskus hat die Katholiken in ganz Europa aufgefordert, in jeder Gemeinde eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Das sollten sich auch evangelische Gemeinden zu Herzen nehmen. Wenn so viele Menschen auf der Flucht zu uns kommen - und mir geht es jetzt nicht um eine Bewertung der Flüchtlingspolitik an sich, ob sie aktuell gut oder schlecht ist -, wenn also jetzt so viele Menschen bei uns sind und notfallmäßig in Zelten schlafen müssen, kann ich doch nicht ernsthaft sagen: Unsere Gemeindehäuser eignen sich nicht als Unterkünfte. Denken Sie doch an den bevorstehenden Winter!

  Tut denn die Diakonie genug? Wie viel Überschuss haben Sie 2014 erwirtschaftet? Wie viel davon stecken Sie in Flüchtlingshilfe?

Schoenauer: Wir haben als Diakonie schon vor zwei Jahren die ersten Flüchtlinge aufgenommen, wir haben zwei Häuser zur Verfügung gestellt und haben außerdem fünf Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgebaut. Natürlich bekommen wir für diese Arbeit auch Geld vom Staat, aber vieles schultern wir in diesem Bereich über ehrenamtliche Arbeit und Spendengelder. Und was dadurch nicht gedeckt ist, bezahlt die Diakonie Neuendettelsau aus ihren Erträgen.

  Würden Sie die Kritik heute noch mal so äußern, oder gab es auch einigen Gegenwind - oder sogar Anrufe aus München?

Schoenauer: Ich habe die Aussagen des Pressesprechers der Landeskirche zur Kenntnis genommen. Bei mir selbst kam aber keine direkte Kritik an, aber auch das wäre nicht schlimm gewesen. Das muss man aushalten können.

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Interview: Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 08.12.2016 - 06:56 Uhr

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