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Dieser Artikel: Ausgabe 40/2015 vom 04.10.2015
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Nicht der Erste, aber der Beste

Warum die Erstauflage von Luthers Bibelübersetzung im Nu vergriffen war


Pünktlich zur Leipziger Buchmesse im September 1522 lieferte Luther den ersten Teil seiner Bibelübersetzung ab: das Neue Testament. Zehn Jahre später kam eine Gesamtausgabe auf den Markt. Bis zu seinem Tod 1546 arbeitete er unermüdlich an der Verbesserung seines Werks weiter.

Junker Jörg mit Vollbart: Unter diesem Decknamen versteckte sich Martin Luther von Mai 1521 bis März 1522 auf der Wartburg (unten) und übersetzte dort das Neue Testament.
Foto: PD
   Junker Jörg mit Vollbart: Unter diesem Decknamen versteckte sich Martin Luther von Mai 1521 bis März 1522 auf der Wartburg (unten) und übersetzte dort das Neue Testament.

        

Es gehört zur kaum ausrottbaren Volksmeinung, Martin Luther habe als Erster die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt. Das ist gewiss falsch. Bibelübersetzungen der lateinischen Vulgata gibt es seit dem frühen Mittelalter. Allein aus dem 15. Jahrhundert sind 14 Übersetzungen im oberdeutschen, das heißt süddeutschen Raum erhalten und weitere vier aus dem niederdeutschen.

Dennoch, was Luther auf der Wartburg zwischen dem 4. Mai 1521 und dem 6. März 1522 schuf, ist heute noch kaum zu fassen. Da war als Erstes zu nennen das Neue Testament. Grundlage war für Luther der griechische Urtext. Übersetzt hat er in die sächsische Amtssprache, die sich hernach zur deutschen Schriftsprache ausbildete.

Seine erste Arbeit auf der Wartburg aber war die Übersetzung des 67. (68.) Psalms. Dazu kamen eine ganze Reihe von grundsätzlichen Schriften, Kampfschriften, Einlassungen zu aktuellen Geschehnissen. Denn in Wittenberg, und nicht nur dort, tobten Auseinandersetzungen gewalttätiger Art zwischen den Bewahrern der alten Auffassungen und den Anhängern der Reformation.

Die Wartburg bei Eisenach.
Foto: PD
   Die Wartburg bei Eisenach.

        

Diese erste Übersetzung konnte Luther in wenigen Tagen abschließen, weil ihm als Mönch die Psalmtexte sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Nicht viel weniger vertraut waren ihm die Texte des Neuen Testaments, schließlich war er in Wittenberg Professor für Bibel.

Dennoch war seine Übersetzung noch kein Meisterwerk. Denn nach der Rückkehr von der Wartburg nach Wittenberg saßen Luther und Philipp Melanchthon, der die griechische Sprache weit besser beherrschte, bis in den Spätsommer zusammen, um die Texte zu verbessern. »Es ist uns wohl oft begegnet, dass wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen ein einziges Wort gesucht haben«, schreibt Luther 1530.

Doch die Übersetzer mussten sich 1522 beeilen. Die Leipziger Buchmesse stand bevor. Dort sollte die Übersetzung präsentiert werden. So kam es, dass im September 1522 die erste Luther-Übersetzung des Neuen Testaments gedruckt auf den Markt kam.

Schnell waren die 3000 Exemplare des sogenannten Septembertestaments vergriffen. Bereits im Dezember des gleichen Jahres wurde eine verbesserte Auflage gedruckt. Und mit dem Erscheinen kam es auch schon zu Nachdrucken in Basel, Augsburg, Grimma und Leipzig. Das erklärt die rasend schnelle Verbreitung.

Das Alte Testament erschien dann in Teilen 1523 und 1524. Zehn Jahre später ist die ganze Bibel übersetzt. Aber die Arbeit an der deutschen Bibel ist nicht abgeschlossen. So wie Melanchthon und Luther schon 1531 das ganze Neue Testament einer Revision unterziehen, werden auch die anderen Teile der Heiligen Schrift ständig überarbeitet und verbessert.

»Es kann ja nicht jeder übersetzen«, schreibt Luther, der in seiner Zeit von »dolmetschen« spricht. Es gehöre zum Übersetzen ein frommes, treues, fleißiges, erfahrenes, geübtes und christlich gelehrtes Herz, schreibt er 1530.

In jenem Jahr verteidigte er noch einmal seine Art des Übersetzens gegen Angriffe. Dann aber schwieg er zur Kritik und arbeitete ab 1531 mit den Bibelrevisionskommissionen, das waren Gruppen von Theologen, die an der Verbesserung des Werks arbeiten. Luther selber hat an der Bibelübersetzung fast bis zu seinem Tod gearbeitet. Im Frühjahr 1545 erscheint die letzte Wittenberger Ausgabe - ein halbes Jahr vorher hatten die Reformatoren noch die Paulusbriefe überarbeitet.

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M. Ernst Wahl

 


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abgerufen 27.08.2016 - 03:06 Uhr

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