Home Artikel-ID: 2015_40_09_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 30.07.2016
Aktuelle Ausgabe: 29 vom 17.07.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 40/2015 vom 04.10.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 40/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Alles bleibt anders

Mathias Hartmann rückt aus der zweiten Reihe an die Spitze der Diakonie Neuendettelsau


Er setzt auf Kontinuität, will aber durchaus auch eigene Schwerpunkte setzen. Er ist kein Sozialromantiker und auch kein reiner Ökonom. Wer ist der neue Mann an der Spitze der Diakonie Neuendettelsau, Mathias Hartmann? Ein Annäherungsversuch.

»Ich bin kein Einzelkämpfer«: Mathias Hartmann.
Foto: epd_by
   »Ich bin kein Einzelkämpfer«: Mathias Hartmann.

        

»Sie wollten es ja so.« Diesen Satz hört Mathias Hartmann mindestens ein Mal täglich zur Zeit.

Natürlich meinen es alle scherzhaft, klar - aber jedes Mal wird dem 49-Jährigen bewusst, welche Herausforderung ab Oktober auf ihn wartet. Dann übernimmt der evangelische Pfarrer ganz offiziell als Rektor das Ruder bei der Diakonie Neuendettelsau.

Mit ihm beginnt eine neue Ära, denn sein Vorgänger war über 26 Jahre lang im Amt. Die meisten der mehr als 7000 Mitarbeiter kennen den größten diakonischen Träger Bayerns nur mit Rektor Hermann Schoenauer an der Spitze. Hartmann beruhigt: »Mit mir wird es Kontinuität geben.«

Hartmann ist selbst bereits seit mehr als zehn Jahren bei der Diakonie Neuendettelsau. 2003 kam er als Leiter der Internationalen Akademie DiaLog in die mittelfränkische Gemeinde, seit 2007 leitet er als Mitglied des Direktoriums die Fachabteilung Bildung. Und schon zuvor war er von 1998 bis 2003 mit den Neuendettelsauern beruflich verbandelt: Damals leitete er das Bamberger Studentenwohnheim »collegium oecumenicum«, das zum Sozialwerk gehört. Davor war der gebürtige Frankfurter als Studentenpfarrer ebenfalls in Bamberg tätig, sein Vikariat leistete er in Herzogenaurach, Theologie hat Hartmann in Erlangen studiert.

Doch auch wenn es mit ihm »keine abrupten Richtungswechsel« geben wird - ein einfaches »Weiter so« wird es auch nicht sein. Hartmann will und wird eigene Akzente setzen, daran lässt er keinen Zweifel.

So soll die Diakonie auf der Führungsebene und auch in der Leitungskultur flexibler werden, offener, die Entscheidungen sollen stärker partizipativ und dezentral gefällt werden. »Wer mich kennt, der weiß, dass ich im Team arbeite - ich bin kein Einzelkämpfer, der einsame Entscheidungen trifft«, sagt er. Zum anderen sollen sich neue Projekte der Neuendettelsauer noch stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Dass Hartmann selbst ein »Gewächs« der Diakonie ist, soll dabei mehr Vorteil als Nachteil sein, sagt er: »Ich kenne die informellen Strukturen schon, das anfängliche Fremdeln zwischen Mitarbeitenden und neuem Chef fällt bei mir weg, weil die Leute mich schon einschätzen können.«

Einen Fünf-Jahres-Vertrag hat der 49-Jährige für seinen neuen Posten bekommen, wie das auf Management-Ebenen heute so üblich ist. Die 26 Jahre Schoenauers kann er altersmäßig nicht mehr toppen, »aber zehn Jahre sollten es werden, damit man eigene Impulse setzen und etwas bewegen kann«. Er bleibe aber gerne 18 Jahre bis zur Pension.

Dass nach Schoenauer nun wieder ein ordinierter bayerischer Pfarrer die Geschicke der Diakonie leitet - obwohl aus der Muss-Bestimmung in der Satzung vor einigen Jahren eine Soll-Bestimmung wurde - findet der neue Chef vor allem praktisch. Denn, dass im Direktorium ein Mitglied die theologische Komponente einbringen sollte, steht für Hartmann außer Frage: »Wir sind ein christliches Sozialunternehmen, das darf und muss man auch merken.« Dass die theologische Komponente nun wieder beim Rektor selbst liegt, »ist heute zwar nicht mehr zwingend, aber für viele doch wünschenswert«, wie er aus vielen Gesprächen wisse.

Hartmann ist kein Sozialromantiker, aber auch kein reiner Ökonom. Er hat einen klaren Blick auf die Dinge. Zum Beispiel rechnet er damit, dass durch die Angleichung von Standards in Europa die Gemeinnützigkeit der Wohlfahrtsverbände in Deutschland über kurz oder lang Geschichte sein wird. »Ich gebe dem noch zehn Jahre - dann sind Steuererleichterungen für uns passé, darauf müssen wir uns einstellen«, sagt er. Zugleich wird der Sozialmarkt immer weiter europäisiert und internationalisiert. »Umso wichtiger ist es, dass wir hier zum Beispiel mit unseren Einrichtungen in Polen schon jetzt Erfahrungen sammeln«, erläutert Hartmann.

Bei allem Respekt, den Hartmann vor seiner neuen Aufgabe hat: »Ich freue mich wirklich sehr darauf.« Auch, wenn er für seine Leidenschaft, das Motorradfahren mit Frau, Sohn und Freunden, womöglich noch ein bisschen weniger Zeit haben wird als bislang.

Nur auf eines freut sich der 49-Jährige wirklich nicht. »Als Rektor der Diakonie Neuendettelsau ist man öfters mal zu Empfängen und offiziellen Anlässen eingeladen: »Ich tanze ungern und nach Aussage meine Frau auch schlecht.« Und mitunter muss er dort dann auch noch im Lutherrock erscheinen: »Auch das gehört dazu, ich weiß - auch wenn ich nicht der Typ dafür bin.«

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Daniel Staffen-Quandt

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_40_09_01.htm
abgerufen 30.07.2016 - 14:59 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!