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Dieser Artikel: Ausgabe 40/2015 vom 04.10.2015
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Spannungsvolles Dreieck

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Von wütenden erwachsenen Kindern und der Kunst des Weiteratmens.

Ich habe ein sehr gespanntes Verhältnis zu meiner erwachsenen Tochter. Obwohl ich mich sehr um sie bemühe, muss ich immer wieder erleben, dass sie mich vor den Kopf stößt, ja manchmal sogar beschimpft. Erklären kann sie mir das alles nicht, selbst wenn ich sie frage.

Ich habe mich mittlerweile auch mit therapeutischer Hilfe mit manchem, was in unserer Familie geschehen ist, auseinandergesetzt und kann besser verstehen, dass ich sicher auch manches falsch gemacht habe.

Dennoch würde ich mir wünschen, dass meine Tochter sich mir gegenüber anders verhält. Am meisten kränkt mich, dass sie sich immer wieder bei meiner Schwester, die ihre Patentante ist, über mich beklagt. Meine Schwester unterstützt mich zwar und sagt, dass ich keinen Grund habe, mich meiner Tochter gegenüber schlecht zu fühlen, aber irgendwie reicht das nicht.

Frau Sch. (59)

 

Ein berühmter englischer Psychoanalytiker ist einmal von seinen Kollegen gefragt worden: »Was sollen wir tun, wenn jemand uns gegenüber ausfällig wird, zornig oder wütend …?« »Keep breathing!«, hat er empfohlen, »weiteratmen!«

Ich finde diesen Rat - »Weiteratmen!« deshalb so wichtig, weil er einem hilft, bei sich zu bleiben, bei dem, was einen am Leben erhält und stabilisiert, statt sich in den Strudel der Emotionen des Gegenübers hineinziehen zu lassen.

Weiteratmen, bei sich bleiben, das haben Sie - so ist mein Eindruck - in den letzten Jahren immer wieder gut geschafft. Es ist Ihnen möglich gewesen, von therapeutischer Unterstützung zu profitieren und manches zu hinterfragen, was das Verhältnis zu Ihrer Tochter geprägt hat.

Damit haben Sie bereits ein großes und wichtiges Stück Arbeit geleistet. Ob Ihre Tochter nun ihrerseits anders auf das Verhältnis zu Ihnen schauen kann als ihr das bisher möglich ist, das haben Sie nicht in der Hand, so verständlich dieser Wunsch auch sein mag.

Aber womöglich haben Sie noch einen anderen Wunsch, der sich nicht an Ihre Tochter, sondern an Ihre Schwester, die Patentante, richtet. Sie schreiben, dass es Sie kränkt, dass Ihre Tochter sich bei ihr über Sie beklagt. Zugleich ist es - wenn ich richtig verstanden habe - diese Schwester, die Ihnen sagt, Sie hätten keinen Grund, sich Ihrer Tochter gegenüber schlecht zu fühlen. Das klingt zunächst unterstützend, aber »irgendwie« reicht das nicht.

Ich habe den Eindruck, dass Sie sich eigentlich von Ihrer Schwester eine andere Art der Unterstützung wünschen: dass sie nämlich in den Gesprächen mit Ihrer Tochter sich nicht - quasi anstelle der Mutter oder sogar als »bessere« Mutter - in die Rolle der verständnisvollen Zuhörerin begibt, sondern Ihrer Tochter sehr klar und deutlich sagt, dass sie diese Dinge doch bitte mit Ihnen besprechen soll.

Das wäre eine Haltung, mit der Ihre Schwester Sie stärken und zugleich Ihrer Tochter deutlich machen kann, dass es um ein Gespräch zwischen zwei erwachsenen Frauen, nämlich Ihnen und Ihrer Tochter, geht und nicht darum, sich wie ein wütendes Kind bei irgendjemand anderem über die Mutter zu beklagen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 31.07.2016 - 09:16 Uhr

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