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Dieser Artikel: Ausgabe 40/2015 vom 04.10.2015
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Mit Pumuckl ins Paradies der Fantasie

Im Alter von 94 Jahren starb in München die Autorin Ellis Kaut


Mit dem kleinen rothaarigen Kobold Pumuckl wurde Ellis Kaut berühmt. Kinder aus aller Welt kennen den rund 30 Zentimeter großen Klabautermann, der in mehr als 100 Radio- und Fernsehsendungen, Schallplatten, Hörspielausgaben, drei Kinofilmen und einem Musical verewigt wurde. Im Alter von 94 Jahren ist Ellis Kaut gestorben.

»Plötzlich standen sie vor mir, der Meister Eder und sein Pumuckl«: Ellis Kaut, Erfinderin des »Pumuckl«, ist mit 94 Jahren gestorben.
Foto: epd-by
   »Plötzlich standen sie vor mir, der Meister Eder und sein Pumuckl«: Ellis Kaut, Erfinderin des »Pumuckl«, ist mit 94 Jahren gestorben.

        

Erfunden hat sie den Pumuckl für ein Hörspiel des BR: »Plötzlich standen sie vor mir, der Meister Eder und sein Pumuckl«, erinnert sich Kaut, »ich brauchte nur mitzuschreiben, und fertig waren 90 Sendungen«. 1962 wurde die erste Folge ausgestrahlt.

Eigentlich wollte Elisabeth, wie sie von ihren katholischen Eltern getauft wurde, eine berühmte Schauspielerin werden. Geboren in Stuttgart, aufgewachsen in München, schrieb sie schon als Jugendliche selbst Theaterstücke und führte diese mit Freundinnen auf.

Später bewarb sie sich bei der Theaterschule der Staatsschauspielerin Magda Lena - und musste dafür das Gebet des Gretchens aus Goethes Faust vorsprechen. »Ich kniete auf dem Boden und wurde das verzweifelt betende Gretchen«, erinnerte sich Kaut später in ihrer Autobiografie »Nur ich sag ich zu mir«.

Kurze Zeit später traf Kaut, die im Münchner Rathaus arbeitete, im Kulturamt auf den Mann ihres Lebens: »Er saß an einem Schreibtisch und schaute nur kurz hoch, als ich hereinkam«, notierte sie, doch habe dies ausgereicht, um sich zu verlieben. Abends erklärte die junge Frau ihrer Mutter, dass sie dem Mann begegnet sei, den sie heiraten werde. Tatsächlich wurde Kurt Preis zwei Jahre später ihr Mann.

Die Schauspielerkarriere, die mit einem Engagement im Wiesbadener Residenztheater begann, sollte mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 jäh enden. Statt bei der Premiere auf der Bühne zu stehen, setzte sich Kaut in den Zug und fuhr zurück zu ihrem Mann, der als Soldat im oberbayerischen Markt Schwaben stationiert war. Drei Tage später musste er an die Front. Zur Hochzeit kam es erst während eines Fronturlaubs am 11. November 1939.

Mit 20 Jahren lernte Kaut Klavier spielen und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit gelegentlichen Rundfunkaufnahmen. Parallel dazu studierte sie Skulptur an der Akademie der Bildenden Künste in München, bis diese Mitte 1944 geschlossen wurde. Inzwischen war Kaut schwanger und zog nach Kiefersfelden. Am 9. März 1945 kam die Tochter Ursula auf die Welt. Der Vater sollte sie erst etliche Monate später zu Gesicht bekommen.

»Kater Musch« und andere Hörspiele für den Kinderfunk

In der Nachkriegszeit wurde der Bayerische Rundfunk zum verlässlichen Arbeitgeber. 1957 bekam Ellis Kaut für ihr Hörspiel »Zum Sterben begnadigt« eine Auszeichnung. »Mir wurde klar, dass nicht die Reportage, das Essay, die klassische Story meine Stärke sind, sondern der Dialog. Besonders, wenn er bayerisch sein konnte«, resümierte Kaut. Es folgten etliche Hörspiele für den Kinderfunk, darunter die Serie »Kater Musch«. Alle acht Tage musste ein Manuskript abgeliefert werden. Täglich setzte sich die Autorin von morgens um zehn bis nachmittags um zwei an die Schreibmaschine.

Der Pumuckl wurde ihr größter Erfolg. 42 Jahre war sie alt, als sie mit der Welt des kleinen Kobolds ihr »Paradies der Fantasie« entdeckte. In der letzten Folge verlässt der Pumuckl seinen Meister Eder. Die Sendung schließt mit den Worten: »Vielleicht besucht ihn der Pumuckl wieder, und vielleicht erfahren wir es. Dann kann es sein, dass ich davon erzähle. Vielleicht - «.

Für Kaut, die einmal erklärte, es sei ein Verbrechen, langweilige Texte zu schreiben, war damit noch lange nicht Schluss. Sie schrieb weitere Kinderbücher und griff auch zum Fotoapparat. Dabei entstanden zwei Bildbände mit Münchner Motiven. Erst in den vergangenen Jahren wurde es ruhiger um die Lebenskünstlerin. In einem Interview erklärte sie erst vor einigen Jahren: »Jetzt leiste ich mir Ruhe.«

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Rieke Harmsen

 


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abgerufen 24.08.2016 - 10:24 Uhr

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