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Dieser Artikel: Ausgabe 40/2015 vom 04.10.2015
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Luthers Bilderwelt

Schweinfurter Museum Schäfer zeigt Grafiken aus der Reformationszeit


Warum wollte Martin Luther im Neuen Testament seiner Bibelübersetzung keine Bilder? Warum störte es ihn aber im Alten Testament und der Apokalpyse nicht? Eine Schau in Schweinfurt gibt Einblicke in Luthers Zeit und Antworten auf diese Fragen.

»Christus lehrt das Volk«: ein Holzschnitt des unbekannten Monogrammisten AW für Luthers Sommerpostille aus dem Jahr 1530.
Foto: Museum Otto Schäfer
   »Christus lehrt das Volk«: ein Holzschnitt des unbekannten Monogrammisten AW für Luthers Sommerpostille aus dem Jahr 1530.

        

Martin Luther (1483-1546) war ein Freund des kräftigen, des deutlichen Worts. Nur mit Bildern hatte er es nicht so. Zumindest wenn es um die Bebilderung des Evangeliums ging.

»Während die Geschichten des Alten Testaments aufwendig bebildert wurden, sind im Neuen Testament die Bebilderungen Mangelware - ab und zu ein Autorenbild oder auch Bilder zur Apokalypse, mehr nicht«, sagt Georg Drescher, Kurator der neuen Ausstellung »Bilder des Glaubens in der Zeit Martin Luthers« im Museum Otto Schäfer in Schweinfurt, die ab dem 27. September Illustrationen und Einzelblattgrafiken aus den Jahren 1465 bis 1565 zeigt.

Nach dem Tod Luthers habe sich das schnell geändert, sagt Drescher. Die Bibeln wurden bunter. Vor und während der Reformation aber gab es eine Art ungeschriebenes »Verbot«, die Geschichten des Neuen Testaments zu bebildern: »Das ist ein Fakt, aber warum, das weiß man bis heute nicht so genau.«

Unterordnung des Bilds unter das Wort

Auch Luther fand, die Bilder müssten sich dem Wort unterordnen - und zu viele und bunte Bilder könnten in den Evangelien von dem Inhalt der Schrift ablenken, sagt Drescher. Im Alten Testament habe das den Reformator weniger gestört.

Die Ausstellung im Museum Otto Schäfer zeigt einen vielfältigen Einblick in die Druck- und Buchkunst des ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Die insgesamt 76 Exponate stammen zum einen aus dem Bestand der Museumsbibliothek, dem Schweinfurter Stadtarchiv und der Sakristeibibliothek der Stadtkirche St. Johannis, zum anderen auch aus Privatbesitz. Die Ausstellung findet anlässlich der Lutherdekade zum Jahresmotto »Bild und Bibel« statt.

Gleich zu Beginn der Schau begegnet eine Arbeit des Haupt-Propagandisten der Reformation, Lukas Cranach d. Ä. Der Kupferstich »Martin Luther als Augustinermönch in der Nische« wurde häufig kopiert und dabei gerne mit Heiligenschein sakral verklärt.

Hans Baldung Griens Holzschnitt zeigt beispielhaft den medialen Erfolg des Bildes - auch viele Jahre nach Entstehung des Originals. »Das Bild hatte Kultstatus«, findet Drescher und zitiert aus einem Bericht des päpstlichen Nuntius vom Wormser Reichtag 1512: »Sie kaufen es, sie küssen es, sie lieben es, sie tragen es selbst in die kaiserliche Pfalz.«

Die Schau räumt auch exemplarisch mit Halbwissen und Vorurteilen auf. So zum Beispiel, dass die »Biblia pauperum« tatsächlich eine Armenbibel gewesen sein soll. »Unvorstellbar«, sagt Drescher. Zum einen wegen der Sprache - Latein sei nun einmal die Sprache des Klerus gewesen. Zudem seien die Darstellungen für den damaligen Normalbürger zu komplex. »Das versteht man nicht ohne Vorbildung.«

Gerade das allerdings wollte Papst Gregor mit den bebilderten Armenbildern erreichen - und in diesem Punkt war Luther sogar einer Meinung mit ihm. In der ausgestellten Armenbibel vom Niederrhein (1460) ist dieses Vorhaben jedenfalls missglückt.

In der Ausstellung sind so ziemlich alle wichtigen Künstler der Zeit Luthers vertreten - neben Albrecht Dürer, Hans Holbein dem Jüngeren und Michael Wolgemut zum Beispiel auch Hans Schäufelein, Hans Sebald oder Wolf Traut.

 

  »Bilder des Glaubens in der Zeit Martin Luthers«. Noch bis zum 29. November im Museum Otto Schäfer in Schweinfurt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr, Internet:  www.bibliothek-otto-schaefer.de

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 29.07.2016 - 07:51 Uhr

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