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Aktuelle Ausgabe: 49 vom 04.12.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 41/2015 vom 11.10.2015
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Im Wortlaut

Die Stuttgarter Schulderklärung


Taktik spielte eine Rolle, doch die Langzeitwirkung war immens: Das Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 steht am Anfang einer Kette von Beschlüssen, die das demokratische Denken tief im Protestantismus verankert haben. Wir dokumentieren den Wortlaut des Papiers.

Handschriftlich unterzeichnet ist die Erklärung von: Theophil Wurm, Hans Christian Asmussen, Hans Meiser, Heinrich Held, Hanns Lilje, Hugo Hahn, Wilhelm Niesel, Rudolf Smend, Gustav Heinemann, Otto Dibelius, Martin Niemöller.
Foto: PD
   Handschriftlich unterzeichnet ist die Erklärung von: Theophil Wurm, Hans Christian Asmussen, Hans Meiser, Heinrich Held, Hanns Lilje, Hugo Hahn, Wilhelm Niesel, Rudolf Smend, Gustav Heinemann, Otto Dibelius, Martin Niemöller.

        

»Der Rat der Evangel. Kirche in Deutschland begrüsst bei seiner Sitzung am 18./19. Okt. 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Wir sind für diesen Besuch um so dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer grossen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld. Mit grossem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Dass wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffen zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen, dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator spiritus!

Stuttgart, den 18./19. Okt. 1945«

Handschriftlich unterzeichnet ist die Erklärung von: Theophil Wurm, Hans Christian Asmussen, Hans Meiser, Heinrich Held, Hanns Lilje, Hugo Hahn, Wilhelm Niesel, Rudolf Smend, Gustav Heinemann, Otto Dibelius, Martin Niemöller.

STUTTGARTER SCHULDBEKENNTNIS

»Wir klagen uns an«. Vor 70 Jahren wurde die Stuttgarter Schulderklärung unterzeichnet. Von Marcus Mockler. » lesen!

Die Stuttgarter Schulderklärung im Wortlaut. » lesen!

 

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Marcus Mockler

 


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abgerufen 09.12.2016 - 18:23 Uhr

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