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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2015 vom 11.10.2015
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Veränderung und Ewigkeit

Sonderausstellung »Luther reicht nicht« im Würzburger Dom


Kunst im Würzburger Dom: Im Kreuzgang hinter der Tür gleich links befindet sich seit Kurzem die Sonderausstellung »Luther reicht nicht«. Mit den letzten Dingen wie Apokalypse, Ewigkeit und Kosmos beschäftigt sich speziell der hintere Teil der Ausstellung.

Domkapitular mit Pfarrerin Susanne Wildfeuer (rechts) und Gemeindeamts-Architektin Barbara Bauner.
Foto: Fildhaut
   Domkapitular mit Pfarrerin Susanne Wildfeuer (rechts) und Gemeindeamts-Architektin Barbara Bauner.

        

Die spirituellen Werke nennt Diözesan-Kunstreferent Jürgen Lenssen diesen letzten Abschnitt der Ausstellung. Ernst und klar ringen die Künstler hier um Prinzipien, die auch in der Religion viel bedeuten. Eine größere Werkgruppe lässt sich ebenfalls Oberbegriffen zuordnen: Es geht um Um-, Auf- und Abbau, hier sind das Konstruieren und die Zeit ein großes Thema.

Der vordere Teil der Ausstellung befasst sich mit dem reformatorischen Topos der Veränderung. Betrachtet der Besucher nun beide Pole zusammen - den mit der Ewigkeit und den mit der Veränderung in der Welt -, dann gewinnt er einen guten Einblick in die gesamte Ausstellung. In ihr sollten die Künstler sich nämlich mit der »ständig notwendigen Erneuerung der Kirche« befassen, die für Lenssen das Luther'sche Denken und Handeln bis heute ausmacht.

Was Menschen wirklich bewegt

Dabei hatte alles ganz einfach angefangen. Der »Arbeitskreis Kirche und Kunst der Lutherischen Kirche in Unterfranken« (AK) wollte vor einem Jahr Luther-Bildnisse der regionalen Gotteshäuser sammeln und fragen, ob es ein heutiges Luther-Bild überhaupt gebe. Barbara Bauner, AK-Mitglied und Architektin, schaut heute sichtlich erfreut durch den Domkreuzgang und in diese Ausstellung, die mit ihrem ursprünglichen Plan wenig Sichtbares gemeinsam hat. Dieser anfangs angedachte Prozess sei aber auch »ergebnisoffen« gewesen, betont Bauner.

Übrigens sollte die evangelische Bilderschau seit einer frühen Planungsphase schon in einer katholischen Kirche zu sehen sein, zunächst bei den Augustinern. Die brachten dann den Dom ins Gespräch, wo der AK herzlich aufgenommen wurde.

Und, noch einen Schritt zurück: Anlass für die Ausstellungs-Überlegungen der Lutheraner war das laufende Themenjahr »Bild und Bibel« im Rahmen der Reformations-Dekade. Was es mit dem Ausstellungstitel »Luther reicht nicht« auf sich hat, wird gleich hinter der Kreuzgangtür in einem Satz erläutert.

Im Dialog mit Lenssen verschob sich das Forschungsinteresse der Kuratoren hin zur Frage: Wovon wurde Luther bewegt? Dazu schrieb man einen Wettbewerb aus, von dessen rund 35 Einsendungen lediglich fünf die Jury passierten.

Lenssen kommentiert die extreme Ausschussrate, viel sei »zu plakativ, zu oberflächlich« gewesen: »Es reicht nicht, mit einem Kreuz auf der Leinwand daherzukommen.« Einige der durchgefallenen Werke sollen »theologische Ansprüche wie im Sozialistischen Realismus ins Bild gesetzt« haben.

Generell befürchtet Lenssen: Weil viele Künstler religionsfern seien, glaubten sie, die Amtskirche erwarte von ihnen, dass sie mit ihrer Kunst »die Ansprüche der Kirche« gestalteten - Auftragskunst wie seit dem Mittelalter. Stattdessen sollten die Künstler »aufgreifen, was Menschen wirklich bewegt« - wozu Künstler aber erst einmal »um den Menschen wissen« müssten.

Davon zeugte bei Einsendeschluss Anfang August der Jury zufolge nur jedes fünfte Werk! Um den immensen Ausfall zu ersetzen, besuchte der AK Ateliers von Künstlern, die passende Arbeiten vermuten ließen. Außerdem durchkämmte man private und kirchliche Sammlungen.

Welches der gut 40 Ausstellungsstücke aus welcher Quelle stammt, möchten die Kuratoren nicht verraten. Wichtiger sind den Ausstellungsmachern die Inhalte: »Wo es um Spiritualität geht, gibt es keine konfessionellen Grenzen«, betont das AK-Mitglied von St. Johannis, Pfarrerin Susanne Wildfeuer, die ökumenische Seite der Luther-Ausstellung. Die ist für den ganzen Kirchenkreis Ansbach-Würzburg konzipiert, gewann Regionalbischöfin Gisela Bornowski zur Schirmherrin und bekam bereits ein halbes Dutzend Anfragen aus anderen Städten, die sich für eine Übernahme interessieren.

Die Schau ist dramatisch eingerichtet. »Ich kann nicht mehr« begrüßt ein Schriftzug den Besucher mit einer Paraphrase des »Hier stehe ich, ich kann nicht anders.« Und am Ende kann sich der Besucher mit einem »Benediktiergerät« automatisch segnen lassen. Da steckt er aber in einer Sackgasse.

 

  GEÖFFNET bis 11. November täglich von 10 bis 17 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei, Katalog 7 Euro. INTERNET:  www.dom-wuerzburg.de

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Joachim Fildhaut

 


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abgerufen 28.08.2016 - 02:26 Uhr

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