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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2015 vom 11.10.2015
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Augsburger Fluchthelfer

Ein neues Buch beschreibt die Vertreibung der Salzburger Protestanten


Autor Christoph Lindenmeyer beleuchtet in seinem Werk auch, wie der Augsburger Pfarrer Samuel Urlsperger den »Exulanten« half.

Heimatlos geworden wegen ihrer Religion: Der Holzschnitt von 1863 zeigt die Vertreibung der Protestanten aus Salzburg. Er entstand nach einem Ölgemälde von Friedrich Martersteig (1814-1899).
Foto: PD via Wikimedia Commons
   Heimatlos geworden wegen ihrer Religion: Der Holzschnitt von 1863 zeigt die Vertreibung der Protestanten aus Salzburg. Er entstand nach einem Ölgemälde von Friedrich Martersteig (1814-1899).

        

Auf freiem Felde und in bitterer Kälte mussten 1731 die evangelischen Glaubensflüchtlinge aus Salzburg die Silvesternacht vor der Augsburger Stadtmauer bestehen. In der damals bikonfessionellen Reichsstadt war zu dieser Zeit ein katholischer Magistrat am Ruder, dem die evangelischen Exulanten aus dem katholischen Fürstbistum Salzburg ein Dorn im Auge waren.

Ohne Unterstützung und seelsorgerlichen Zuspruch blieben die rund 800 Salzburger Evangelischen, die in ihrer Heimat direkt von ihrer Feldarbeit geholt und als Ketzer des Landes verwiesen wurden, jedoch nicht. Samuel Urlsperger, der Senior der evangelischen St. Anna Kirche, kommt mitten in der kalten Nacht zu den »Salzburgern« und spricht ihnen Mut zu, seine Frau nimmt sich der Flüchtlingskinder an.

Auch nach dieser Begegnung in der Silvesternacht steht Urlsperger den Salzburger Exulanten auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat zur Seite, wie Christoph Lindenmeyer in seinem Buch »Rebeller, Opfer, Siedler« (Verlag Anton Pustet) beschreibt. Aus der Ferne unterstützt der Augsburger Pfarrer mit seiner Gemeinde eine kleine Gruppe der Exulanten, die sich am Savannah-Fluss in Georgia, einer damaligen englischen Kronkolonie, in Amerika ansiedelte.

In einer regen Korrespondenz zwischen Eben-Ezer, der Exulanten-Siedlung in der neuen Welt, und Augsburg begleitete Urlsperger die mühevollen Anfänge der »Salzburger« in dem unwirtlichen, sumpfigen Land und sammelte Spenden für die kleine Schar.

Dabei erwies sich der Augsburger Pfarrer auch als geschickter Publizist und Diplomat: Die Berichte aus Eben-Ezer druckte Urlsperger in seinen Publikationen »Ausführliche Nachrichten« aus der »Colonie Salzburgerischer Emigranten in Amerika« und im »Americanischen Ackerwerk Gottes«. Dabei redigierte er, wie Lindenmeyer in seinem Buch aufzeigt, sorgfältig Rückschläge und Schwierigkeiten der Neusiedler aus den Berichten heraus. Denn Urlsperger wollte die »Erfolgsstory« der kleinen evangelischen Siedlung herausstellen, um möglichst viele Spenden zu akquirieren.

Über die materielle Hilfe hin­aus war Urlsperger den amerikanischen Siedlern auch bei ethischen Einschätzungen ein wichtiger Ratgeber. Als sie etwa mit der Frage konfrontiert wurden, ob sie - wie ihre gesamte Umgebung - Sklaven einsetzen sollten, kam die Antwort aus Augsburg: Grundsätzlich ja - aber nur unter der Voraussetzung, dass die Sklaven wie »jeder andere Knecht« bezahlt werden, »volles Bürgerrecht erhalten« und auf Wunsch »in die Freiheit entlassen werden«.

Mit Samuel Urlsperger hatten die Exulanten einen theologisch versierten und charakterstarken Mitstreiter an ihrer Seite, wie der Autor Lindenmeyer deutlich macht: Geboren im Jahre 1685 im württembergischen Kirchheim unter Teck studierte Urlsperger evangelische Theologie in Tübingen, bereits 1715 wurde er »Oberhofprediger« bei Herzog Eberhard von Württemberg.

In dieser Funktion kannte Urlsperger keine Angst vor Fürstenthronen und zog heftig gegen die laxen Moralvorstellungen des Herzogs zu Felde, was ihm fast den Kopf kostete. Nach einer Predigt gegen die »Doppelehe« des Potentaten hätte der Herzog den Theologen »am liebsten von der Kanzel geschossen« und wollte die Todesstrafe für Urlsperger. Nur mit Hilfe des Innenministers kam Urlsperger mit dem Leben davon - und ging später nach Augsburg.

Bis heute erinnert eine Gedenktafel in der St.-Anna-Kirche an die »Exilgemeinde« im fernen Amerika und an ihren Förderer Samuel Urlsperger.

 

Christoph Lindenmeyer: »Rebeller, Opfer, Siedler. Die Vertreibung der Salzburger Protestanten«. Verlag Anton Pustet, Regensburg 2015. 335 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-506-77105-6

  Christoph Lindenmeyer: »Rebeller, Opfer, Siedler. Die Vertreibung der Salzburger Protestanten«. Verlag Anton Pustet, Regensburg 2015. 335 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-506-77105-6

  BUCHAUTOR Christoph Lindenmeyer stellt unter dem Titel »Flüchtlinge - seid willkommen« die Geschichte der Exulanten vor: am Mittwoch, 14. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Rieger+Kranzfelder in Augsburg.

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Achim Schmid

 


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abgerufen 27.07.2016 - 05:39 Uhr

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