Home Artikel-ID: 2015_41_rgb_13_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 27.07.2016
Aktuelle Ausgabe: 29 vom 17.07.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 41/2015 vom 11.10.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 41/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


»Es gibt ein Leben neben dem Bahnhof«

Flüchtlingshelfer in Passau brauchen mehr Unterstützung


Der Flüchtlingsandrang an der österreichisch-deutschen Grenze reißt nicht ab: In Passau kommen täglich mehrere Tausend Asylsuchende an. Sie werden von Freiwilligen versorgt. Doch die Helfer stoßen an ihre Grenzen.

Freiwillige Helfer verteilen Essen und Getränke an Flüchtlinge, die am Hauptbahnhof in Passau ankommen und von der Bundespolizei in einen abgesperrten Bereich begleitet werden. Dort warten sie bis zu ihrer Weiterreise.
Foto: picture alliance / dpa
   Freiwillige Helfer verteilen Essen und Getränke an Flüchtlinge, die am Hauptbahnhof in Passau ankommen und von der Bundespolizei in einen abgesperrten Bereich begleitet werden. Dort warten sie bis zu ihrer Weiterreise.

        

Unermüdlich eskortieren Beamte der Bundespolizei am Passauer Bahnhof Flüchtlinge aus den Zügen. Sie leiten sie durch den neuen, halbfertigen Fußgängertunnel unter den Gleisen zu einem abgesperrten Bereich direkt neben dem Bahnhofsgebäude. Dort werden die Neuankömmlinge von ehrenamtlichen Helfern begrüßt und in Pavillons mit Essen und Trinken versorgt.

»Die Zahl der Flüchtlinge ist nach wie vor sehr hoch und die Unterkünfte sind voll«, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Erst kürzlich diente ein abgestellter Zug als provisorisches Nachtquartier, damit die Flüchtlinge nicht im Freien schlafen mussten.

Täglich kommen nach Angaben der Stadt Passau im Durchschnitt 4000 Flüchtlinge an, davon etwa 2500 mit dem Zug. Die freiwilligen Helfer kommen langsam an ihre Grenzen: Viele sind schon tage- oder wochenlang dabei und versorgen die Flüchtlinge mit dem Nötigsten. »Die Situation ist angespannt«, stellen Beobachter und Helfer übereinstimmend fest. Einige Freiwillige geraten ans Ende ihrer Kräfte, manche sind den Tränen nahe beim Anblick der müden, erschöpften Flüchtlingen.

Die Asylsuchenden müssten oft stundenlang einfach nur rumstehen, bis sie mit dem Zug oder Bus weiter in eine Erstaufnahmeeinrichtung kommen, erzählt die Helferin Marion Leebmann. »Die sind völlig fertig und übermüdet.« Es fehle an warmer Kleidung, wenn die Flüchtlinge nachts oder frühmorgens in der Kälte stehen. Meist kämen sie in T-Shirts und Sandalen an. Vor allem Babynahrung, Milchpulver und Getränke seien nicht immer ausreichend da. Aufgeben wolle sie nicht, auch wenn sie sagt: »So kann es nicht weitergehen.« Keine Hilfsorganisation sei vor Ort, die den Helfereinsatz professionell koordinieren und technisches Equipment zur Verfügung stellen könne.

Dramatische Situation

Der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) schlägt Alarm: »Wir befinden uns in einer sehr, sehr dramatischen Situation«, sagte er dem Radiosender Bayern2. Der Bund müsse die Stadt unterstützen - etwa mit winterfesten Unterkünften und einer besseren personellen Ausstattung der Bundespolizei vor Ort. Außerdem vermisse er eine klare Ansage darüber, wie die Weiterverteilung in andere Bundesländer organisiert werden solle. Unterdessen hat die Stadt einen Krisenstab eingerichtet.

Die Koordinierungsstelle Ehrenamt ist für die Versorgung am Bahnhof zuständig. Der städtische Ehrenamtskoordinator Werner Lang vom Referat für Wirtschaft, Marketing und Arbeit spricht von einer »Ausnahmesituation«. Passau sei aber gewappnet: Es sei bereits ein beheizbares Messezelt für mehrere Hundert Flüchtlinge aufgestellt worden. Auch Decken und Winterkleidung gebe es. Die Kleiderkammern seien voll.

Doch auch Lang sagt, dass die Flüchtlingshelfer an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Die insgesamt rund 300 Freiwilligen bräuchten Unterstützung. Studierendenpfarrerin Sonja Sibbor-Heißmann warnt die Helfer vor Selbstüberforderung: »Es gibt noch ein Leben neben dem Bahnhof.« Sie bietet zusammen mit anderen Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern den Freiwilligen daher Gespräche an.

Bisher sind die Helfer einfach nur für die Flüchtlinge da; ähnlich wie schon bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2013 »packen viele junge Leute wieder mit an«, lobt auch Sabine Aschenbrenner von der Diakonie Passau das freiwillige Engagement.

Über das soziale Netzwerk Facebook haben sie mit der Gruppe »Passau verbindet« ihre Hilfe organisiert. Jeder kann so Möglichkeiten finden zu helfen, zu spenden oder sich über die aktuelle Lage informieren zu lassen.

Der 20-jährige Benedikt, der Staatswissenschaften studiert, ruft unterdessen von seinem Handy den Bruder eines syrischen Flüchtlings an, der mit seiner Mobilfunkkarte in Deutschland nicht telefonieren kann. Benedikt erklärt dem jungen Mann, welche Karte er demnächst braucht. Der Syrer ist dankbar - denn ein Handy ist die einzige Verbindung der Flüchtlinge zu ihrer Heimat und Familie. Seinem Bruder konnte der Syrer zumindest mitteilen, dass er sicher in Deutschland angekommen ist.

 

  INTERNET:  www.facebook.com/passauverbindet

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Dirk Johnen / Christiane Ried

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_41_rgb_13_01.htm
abgerufen 27.07.2016 - 17:18 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!