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Dieser Artikel: Ausgabe 42/2015 vom 18.10.2015
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Keine Sakralisierung der Erinnerung

Warum NS-Bauten wie das »Reichsparteitagsgelände« wichtige Denkmäler sind

Kommentar von Markus Springer

Was 1000 Jahre überdauern sollte, ging nach zwölf Jahren unvergleichlicher Verbrechen unter. Die Monumentalbauten des Nationalsozialismus waren für die Ewigkeit gedacht. Sie sollten überwältigen, einschüchtern, Macht demonstrieren. Nun, 70 Jahre nach dem Untergang der Hitler-Diktatur, sind viele NS-Bauwerke am Bröckeln - wie die Zeppelintribüne auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, wo von 1933 bis 1938 die Reichsparteitage der Nationalsozialisten stattfanden.

NS-Architektur sollte überwältigen, einschüchtern, Macht demonstrieren: die Haupttribüne des Zeppelinfeldes im Jahr 1934.
Foto: PD
   NS-Architektur sollte überwältigen, einschüchtern, Macht demonstrieren: die Haupttribüne des Zeppelinfeldes im Jahr 1934.

        

Soll man Nazi-Bauten renovieren? Verfallen lassen? Abreißen?

Das Beispiel Nürnberg ist exemplarisch für den Umgang in der Bundesrepublik mit einem schwierigen baulichen Erbe: In den ersten Jahrzehnten nach 1945 mischten sich - nicht nur in Nürnberg - Ratlosigkeit, Verdrängung und Pragmatismus. Das Nürnberger Zeppelinfeld wurde für Autorennen und Sportveranstaltungen genutzt. Was baufällig oder unfertig war, wurde gesprengt.

Mit einem neuen bayerischen Denkmalschutzgesetz begann ab 1973 ein Umdenken: Man begann die Bauten zu bewahren und zugleich zu kommentieren. Seit 2001 leistet das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände aufklärerische Bildungsarbeit am historischen Ort.

Regen und Frost haben die Nürnberger Bauten inzwischen fast völlig durchfeuchtet. Manches muss bereits durch Holzkonstruktionen gestützt werden. Und die Frage stellt sich neu: Abreißen? Verfallen lassen? Sanieren? Wenn ja: wie?

Eine neue Ausstellung im Dokuzentrum (»Das Gelände. Dokumentation. Perspektiven. Diskussion«) gibt nun Impulse zu diesen Fragen.

Auf dem Tisch ist in Nürnberg auch der Vorschlag eines »kontrollierten Verfalls«. Dahinter steht ein nicht ganz falscher Gedanke: Der Zahn der Zeit soll den kultischen Charakter der Nürnberger Anlage zerstören. Ihre Ruinen wären irgendwann so etwas wie die letzten Zeugnisse eines nicht mehr nachvollziehbaren, ebenso banalen wie seltsamen Wahnwitzes namens Nationalsozialismus.

Nur: So weit sind wir noch lange nicht mit der Historisierung. 70 Jahre »danach« leben zwar nur noch wenige Zeitzeugen. Auch die »Generation Aufarbeitung«, die - auch aus biografischer Betroffenheit - das Thema als gesellschaftspolitische Aufgabe verstanden hat und auf die viele Gedenkstättengründungen seit den 1980er-Jahren zurückgehen, ist nicht mehr jung. Doch die Verbrechen des Nationalsozialismus haben Folgen von biblischen Ausmaßen, die auch künftige Generationen noch beschäftigen werden.

Nichts bietet sich für diese künftigen Generationen so sehr zur (ersten) Begegnung mit dem Thema Nationalsozialismus an wie konkrete historische Orte und Objekte. Zum Erhalt als »authentischer Lernort« gibt es (auch) in Nürnberg keine Alternative. Und zugleich geht es darum, eine »Sakralisierung der Erinnerung« zu vermeiden.

 

Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer:  mspringer@epv.de

NS-BAUTEN

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Guckkasten in die Geschichte. Interview mit Florian Dierl, Leiter des Nürnberger Doku-Zentrums, über die Zukunft des Reichsparteitagsgeländes. » lesen!

 

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abgerufen 30.07.2016 - 13:04 Uhr

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