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Dieser Artikel: Ausgabe 42/2015 vom 18.10.2015
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Der Tyrann Gottes

Personen der Bibel (42): Nebukadnezar - Herrscher Babylons


Warum lässt Gott zu, dass sein geliebtes Volk verschleppt, ja sogar sein eigener Tempel zerstört wird? Die Auseinandersetzung mit dem babylonischen Herrscher Nebukadnezar in der Bibel ist von dieser Fragestellung geprägt.

Das Standbild Nebukadnezars im Tal Dura in der Landschaft Babel nach Daniel 3.
Foto: PD
   Das Standbild Nebukadnezars im Tal Dura in der Landschaft Babel nach Daniel 3.

        

Im Jahr 605 v. Chr. hatte Nebukadnezar von seinem verstorbenen Vater die Königskrone übernommen. Während seiner 43-jährigen Amtszeit machte er Babylonien zu einer führenden Großmacht im Nahen Osten.

Schon ein Jahr nach seiner Krönung drang er nach Palästina vor und machte König Jojakim von Juda zu seinem Vasallen. Auch gegen Ägypten zog Nebukadnezar in den Krieg, musste jedoch eine Niederlage hinnehmen.

Jojakim sah darin eine Chance und begann sich in der Hoffnung auf Unterstützung durch Ägypten gegen Nebukadnezar aufzulehnen. Der jedoch ließ sich das nicht gefallen. Er ließ Jerusalem belagern und die jüdische Oberschicht ins Babylonische Exil verschleppen. Schließlich setzte Nebukadnezar Zidkija als neuen jüdischen König ein. Damit schien die Lage zunächst beruhigt.

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Nebukadnezar auf die Ausweitung und Festigung seiner Macht in anderen Gegenden. Immer mehr Jerusalemer wiegten sich in Sicherheit. Viele waren überzeugt, Gott werde sein Volk schon bald von der Fremdherrschaft befreien.

Propheten wie Jeremia warnten vor dieser trügerischen Überzeugung. Jeremia war sich sicher, die Fremdherrschaft der Babylonier sei eine von Gott über sein Volk verhängte Strafe für das Fehlverhalten der Menschen. Ein Aufstand werde zu einer Katastrophe führen, mahnte er. Doch allen Warnungen zum Trotz lehnte sich Zidkija gegen Nebukadnezar auf.

Jeremias schlimmste Befürchtungen wurden wahr. Zwei Jahre lang belagerte Nebukadnezar Jerusalem diesmal. 587 v. Chr. schließlich eroberten seine Männer die Stadt, raubten den Tempel aus und brannten ihn nieder. Eine große Zahl der noch verbliebenen Jerusalemer Bürger wurde ins Exil verschleppt.

Das Exil und vor allem die Zerstörung des Tempels - eine traumatisierende Erfahrung für die Juden der damaligen Zeit. Dennoch sah man in Nebukadnezar nicht nur einen grausamen Tyrannen. Wie Jeremia verstanden ihn viele Juden als Werkzeug Gottes.

Das Buch Daniel zum Beispiel stellt Nebukadnezar als weisen König dar. Zwar sei er Heide gewesen und habe sich wiederholt - von falschen Beratern getäuscht - vom Gott Israels entfernt. Letztendlich jedoch habe er sich der Überlegenheit dieses Gottes aus freien Stücken unterworfen.

Nebukadnezar ist es, der schließlich das erstaunliche Fazit formuliert, das wohl auch viele Israeliten aus ihrem damaligen Schicksal zogen: »Darum lobe, ehre und preise ich, Nebukadnezar, den König des Himmels«, also Gott, betonte er und fuhr fort: » ... denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen.« ( Daniel 4, 34)

NEBUKADNEZAR

  NAME: Der Name lautete im Akkadischen ursprünglich Nabu-kudurri-ussur, was »Der Gott Nabu schütze meinen Sohn« bedeutet.

  BERUF: neubabylonischer König

  HERKUNFT: Nebukadnezar war ein Sohn des Nabopolassar, des Gründers und ersten Königs des neubabylonischen Reiches.

  ZEIT: um 640-562 v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  Daniel 1-4

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Nebukadnezar wurde auch durch seine Bautätigkeit berühmt. Tempel, Straßen, Kanäle und Festungen ließ er ausbauen und errichten. Auch eines der sieben Weltwunder, die Hängenden Gärten von Babylon, soll von ihm geschaffen worden sein. Die Gärten sollten seine aus Medien stammende Frau Samiramis an ihre Heimat in den Bergen erinnern. Guiseppe Verdi schuf eine unter Nebukadnezars italienischem Namen Nabucco bekannt gewordene Oper über den babylonischen Herrscher.

  ZITAT: »Darum lobe, ehre und preise ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen.« ( Daniel 4, 34)

THEOLOGISCHES STICHWORT

DAS BABYLONISCHE EXIL dauerte von 597 bis 539 v. Chr. Später beschrieb man diese Zeit als großes Unglück: »An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten«, beginnt der  Psalm 137. Abgesehen davon, dass die Israeliten sich in ihrem religiösen Empfinden vermutlich verunsichert und gedemütigt fühlten, konnten sie in Babylon jedoch relativ frei und gut leben. Auch ihre Religion durften sie ausüben. Die Gefahr einer Vermischung des jüdischen Glaubens mit babylonischen Einflüssen jedoch war groß. Jüdische Gelehrte bemühten sich sehr, dagegen anzugehen. So wurde die Zeit des Exils zu einer Zeit lebendiger jüdischer Theologie.

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Sonja Poppe

 


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abgerufen 09.12.2016 - 20:14 Uhr

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