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Dieser Artikel: Ausgabe 42/2015 vom 18.10.2015
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Gute schlechte Ratschläge

Sonntagsblatt-Sprechstunde


»Mit fast 50 bin ich seit einiger Zeit wieder Single und ich merke, wie sehr das an meinem Selbstbewusstsein nagt.«

Mit fast 50 bin ich seit einiger Zeit wieder Single und ich merke, wie sehr das an meinem Selbstbewusstsein nagt. Freunde und Bekannte wollen mir helfen und meinen, sie müssten mir gute Ratschläge geben, auch ohne dass ich sie darum bitte.

Es passiert mir zum Beispiel immer wieder, dass ich mir etwas zum Anziehen kaufe, es einer Freundin zeige, weil es mir gefällt, und sie schaut mich an und sagt: »Na ja, es ist ja vielleicht nicht ganz deine Farbe ...!«

Ich weiß, dass sie es vermutlich nett meint, aber ich würde mich gerne besser gegen so etwas verwahren können, ohne unhöflich zu erscheinen.

Frau Sch. (49)

 

Es scheint eine Menge ziemlich unsensibler Leute zu geben, die meinen, die beste Art, mit jemand in Kontakt zu kommen, sei, ihm oder ihr ganz unverblümt seine Meinung zu sagen.

Ein (verheirateter) Freund von mir hat neulich erlebt, wie eine Frau auf ihn zukam und ihm gesagt hat: »Ihr Hemd ist ja scheußlich!« Er allerdings war der Überzeugung, dass sie eine neue Flirt-Methode ausprobiert hat, die das Selbstbewusstsein des Gegenübers untergraben soll, sodass er oder sie dem Charme des anderen leichter erliegt. »Negging« nennen die Engländer das.

Mein Bekannter hat also das, was eigentlich nur eine ziemlich unverschämte Bemerkung war, umgedeutet in einen Beweis seiner Attraktivität. Nicht schlecht - aber das schafft man nicht immer. Aber so kann man es natürlich auch sehen - und sich statt klein und hässlich ein wenig beneidenswert fühlen.

Die beste Technik, die ich kenne, ist, einfach ein breites Grinsen aufzulegen und ganz freundlich »Danke schön!« zu sagen, wenn jemand so eine Bemerkung macht. Wer wirklich helfen will, fühlt sich dadurch nicht verletzt. Und wer nur kritisieren wollte, wird vermutlich verwirrt den Mund halten.

Aber vielleicht geht es ja gar nicht um Tricks und Tipps, sondern darum, sich klarzumachen, was oder wer da eigentlich an Ihrem Selbstbewusstsein nagt. Die eigenen Freunde - oder eine Stimme in Ihnen, die Ihnen sagt: »Als Single bin ich ja nichts mehr wert oder nicht mehr vorzeigbar. Auf jeden Fall kann ja was mit mir nicht stimmen ...!« Als wären Sie nur noch ein halber Mensch und auf das Echo der anderen angewiesen, um sich komplett und am Leben zu fühlen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht stimmt. Sie sind, so wie Sie sind, ganz okay. Sonst würden Sie nicht so deutlich spüren, dass die Art, wie Ihre Freunde und Bekannten Ihnen »gute Ratschläge« geben, eigentlich nicht angemessen ist.

Vielleicht ist es gut, wenn Sie sich nicht nur die Kritik Ihrer Freude etwas vom Leib halten, sondern auch diese innere Stimme dazu bringen, Sie nicht zu kritisieren, sondern Ihnen ab und an etwas anderes zu sagen. Eine Kollegin von mir hat an ihrem Badezimmerspiegel einen Aufkleber. Auf dem steht: »Du siehst heute aber mal wieder gut aus!« Wenn ich daran denke, muss ich lächeln. Das hilft, wenn andere an meinem Selbstbewusstsein nagen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 27.07.2016 - 13:31 Uhr

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