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Sonntagsblatt 43/ vom

ZEITZEICHEN


Neulich war da wieder so einer mit einem bunten Fisch hinten auf dem Auto. Schwungvoll zischte er auf der Überholspur an den braven Geschwindigkeitsbeachtern vorbei und drängelte sich dann kurz vor der Ausfahrt noch nach rechts. Bremsen und Hupen war die Folge, aber das kümmerte den Jünger Jesu nicht weiter. Er war schon auf und davon.

Nun ja. Jede hat es mal eilig, jeder verschätzt sich mal ein Einfädeln. Solch alltägliche Verkehrssünden sind doch lässliche Sünden.

Und trotzdem - sollte man nicht von einem, der seinen christlichen Glauben so plakativ vor beziehungsweise auf der Kofferraumklappe hinter sich herträgt, eine andere Fahrweise erwarten?

Hat Autofahren und Christsein etwas miteinander zu tun?

Sicher, glaubt man dem Apostel Paulus. Der hatte zwar keinen Führerschein, aber er hatte eine klare Meinung zu der Frage, wie Christinnen und Christen sich im Alltag der Welt verhalten sollen: nämlich »der Berufung würdig, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftheit, in Geduld«. ( Epheser 4, 1)

Das ist ein hoher Anspruch. Alle, die ihn ernst nehmen, wissen, wie schwer es ist, ihn zu erfüllen - und wenn wir ehrlich sind, schaffen wir das eigentlich gar nicht. Zu schnell ist das Gebot der Nächstenliebe und Achtsamkeit für Gottes Welt im Strudel der tausend Anforderungen und kleinen Egoismen des Alltags vergessen.

Da ist es durchaus hilfreich, wenn kleine Symbole an Gottes Wort erinnern: das Kreuz an der Halskette, der Bibelspruch am Computer - und, warum nicht, auch der Fisch am Auto.

Nur sollte man ihn vielleicht neben das Lenkrad kleben statt außen auf den Lack. Dort hilft er mehr.

avl